Abo

80. Geburtstag des LiedermachersHans Knipp prägte die Kölner Musikszene über Jahrzehnte

4 min
Der Mann im Hintergrund: Hans Knipp (l.) bei einem seiner seltenen ge­mein­sa­men Auftritte mit den Bläck Fööss

Der Mann im Hintergrund: Hans Knipp (l.) bei einem seiner seltenen ge­mein­sa­men Auftritte mit den Bläck Fööss.

Knipp schrieb Lieder wie „Mer losse d’r Dom en Kölle“, „Ne Besuch em Zoo“ und „En unserem Veedel“. In diesem Jahr wäre er 80 Jahre alt geworden.

Willi Ostermann, Karl Berbuer, Jupp Schmitz und Gerhard Jussenhoven: Gäbe es eine Straßenumfage, wem ein Platz in einer Ruhmeshalle für kölsche Mundartdichter zustehe, fielen vermutlich sogleich diese Namen. Einer der bedeutendsten Liedermacher Kölns würde wahrscheinlich nicht auf Anhieb auftauchen. Bei der Gegenprobe, welche Lieder Kultstatus haben, sähe es völlig anders aus.

Da wären die Werke von Hans Knipp ganz weit oben. Er beeinflusste die Kölner Musikszene über Jahrzehnte ganz entscheidend. Sein erster Erfolgstitel war 1968 „Mer schenken dä Ahl e paar Blömcher“, gesungen von Lotti Krekel. Sein letzter „Heimat es“. Die Paveier landeten damit den Top-Hit der Session 2011/12. Diesen Erfolg hat Hans Knipp nicht mehr miterlebt. Er starb am 2. Dezember 2011. In diesem Jahr, am 10. Mai, wäre er 80 Jahre alt geworden.

Er sah sich nicht als Mann für die erste Reihe

Vergessen ist der Textdichter nicht, aber er drängt sich auch 15 Jahre nach dem Tod nicht auf. So wie zu Lebzeiten nicht. Er war genial, kreativ, bescheiden und introvertiert. Er war kein Mann für die erste Reihe. Da sah er sich nicht. Da standen ja seine Lieder. Stehen sie immer noch. Er schuf Evergreens wie „Buuredanz“, „Mer losse d’r Dom en Kölle“, „Dat Wasser vun Kölle“, „Unsere Stammbaum“, „Achterbahn“ und „En unserem Veedel“. Entstanden für beziehungsweise mit den Bläck Fööss.

Hans Knipp, legendärer Komponist und Liedtexter zahlreicher Lieder der Bläck Fööss

Hans Knipp, legendärer Komponist und Liedtexter zahlreicher Lieder der Bläck Fööss

Die Zusammenarbeit begann in den Anfangsjahren der 1970 gegründeten Band. 1976 erschien der Titel „Ming eetste Fründin“. Es ist ein Lied mit dem rührenden Text über erste zarte Bande zwischen einem Jungen und einem Mädchen. Es ist eine Sandkastenliebe, Enttäuschung inklusive. Et Meier’s Kättche sucht sich eine bessere Partie und fährt „nit mieh met om Rädche“. 2022 zum Jubiläum 50 Jahre Bläck Fööss taucht die Treulose wieder auf. In dem Song „50 Johr“ heißt es „un ich laach mem Meier’s Kättche, weil et zo schwer es für mih Rädche“.

Die Lieder von Knipp sind emotional, humorvoll und auch kritisch

Diese Entwicklung der Story hätte Hans Knipp gefallen. Er hörte und schaute genau hin. Das zählte zu seinen Stärken. Er wusste, was die Leute dachten, was sie bewegte und was ihnen am Herzen lag. Einzigartig war, wie der Textdichter diese zwischenmenschlichen Geschichten in eine verständliche und schnörkellose Wohlfühlsprache fasste. Die Lieder von Hans Knipp sind nah an den Menschen. Sie sind emotional, humorvoll und auch kritisch.

Dazu zählt zum Beispiel der historische Text zu „Fescher's Köbes“, bei dem es um die Willkür des damaligen Kölner Erzbischofs Anno II. geht. In die Kategorie Blödsinn gehört „Ne Besuch em Zoo“. Mit dem Lied stieß Knipp 1969 zunächst auf taube Ohren. Niemand wollte den eher schlichten Text singen. Bis auf den Büttenredner und Sänger Horst Muys. Seine Zusage klang allerdings wenig schmeichelhaft: „Ich han ald esu vill Dress jesunge, dann kann ich dat och noch singe.“ Alle Kritiker irrten sich. Der Titel ging durch die Decke und wurde bundesweit zum Gassenhauer.

Um die Pflege seines Werks kümmert sich das Ensemble „De Knippschaft“

„Köln wäre ohne die Lieder von Hans Knipp ärmer. Er hat die Musikszene mit seinen Liedern und Texten ganz erheblich bereichert“, ist Bömmel Lückerath überzeugt. Er gehörte viele Jahrzehnte zu den Bläck Fööss. Jetzt ist er ebenso wie sein früherer Fööss-Kollege Kafi Biermann Teil von „De Knippschaft“, einem Ensemble, dessen elf Musikerinnen und Musiker sich der Pflege des Werkes von Hans Knipp widmen. Initiatorin ist Annette Fuchs.

Hans Knipp war Autodidakt. Er beherrschte nach eigener Aussage ein paar Harmonien auf der Gitarre. Notenlesen und Notenschreiben lag ihm nicht so. Seine Stücke nahm er auf einem Tonbandgerät, später mit dem Kassettenrekorder auf. Er lebte zuletzt zurückgezogen im Westerwald. Seine bevorzugte Verbindung zur Außenwelt war sein Anrufbeantworter. Grenzen und Hürden überwand er mit seiner Musik. Zu seinem 80.sten am 10. Mai gibt es zu Ehren des Texters und Komponisten zwei Konzerte in der Flora. Mitwirkende sind die Bläck Fööss, die Paveier und „De Knippschaft“.


Hans Knipp war Träger der Ostermann-Medaille, mit der Menschen für ihre Verdienste um das kölsche Lied ausgezeichnet werden.

Etliche seiner Lieder zählen zu den Klassikern der kölschen Musik. Neben den Bläck Fööss arbeiteten auch die Paveier eng mit dem Liedermacher zusammen. Ihm verdanken sie Hits wie „Ich han de Musik bestellt“, „Beim Toni aan d’ Iesbud“, „Buenos Dias, Mathias“, „Jo su sin mir Kölsche“ und „Heimat es“.

Es gibt eine bislang unveröffentliche kölsche Messe, die Hans Knipp gemeinsam mit dem Autor Dieter Glave geschrieben hat. Von ihm stammt auch das Buch über Knipp: „Das Leben ist ganz nah“.

Kaum bekannt ist, dass Hans Knipp einer Kultfigur aus dem Hänneschen-Theater ein eigenes Lied gewidmet hat. „Et Speimanes-Lied“ mit dem berühmten Satz „Här Präsident, die Woooooosch!“.