FC-Trainer Kwasniok meint, dass Eric Martel die ungeklärte Vertragssituation beschäftigt. Berater des 23-Jährigen nimmt Stellung.
Sein Berater äußert sichEric Martel – plötzlich beim FC nicht mehr unumstritten

So kennt man ihn eigentlich beim FC: Eric Martel emotional und aggressiv auf dem Platz
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Eric Martel war beim 1. FC Köln lange die Zuverlässigkeit in Person. Ein Dauerbrenner im besten Sinne, nahezu immer in der Startelf, selten verletzt, kaum gesperrt, – und auf dem Platz dort zu finden, wo Ordnung, Struktur und eine gesunde Portion Aggressivität gefragt sind. Umso größer war die Verwunderung, als der 23-Jährige Ende Januar beim 1:2 in Freiburg zunächst auf der Bank Platz nahm. Es war das erste Mal seit fast zwei Jahren, dass Martel nicht von Beginn an spielte. Zuvor war ihm das Ende März 2024 passiert, beim 1:1 gegen Augsburg, als er für Faride Alidou als Joker ins Spiel gekommen war.
Ein Novum für den früheren U21-Kapitän. Auch zuvor beim 2:1-Sieg gegen Mainz blieb seine Einsatzzeit überschaubar. Zuletzt stand Martel zwar wieder in der Startelf, doch seine Auftritte wirkten nicht mehr so selbstverständlich dominant wie in besseren Zeiten. Der Abräumer leistet sich aktuell ungewohnte Ballverluste, kleine Stellungsfehler, Momente des Zögerns.
Auf dem Feld als Sechser oder Innenverteidiger hat er viel Struktur um sich herum. Wenn diese Klarheit in anderen Bereichen fehlt, beschäftigt dich das. Das ist nicht von der Hand zu weisen
Trainer Lukas Kwasniok ordnet die Situation ein – und schlägt einen weiten Bogen. „Ich glaube einfach, dass Profi-Fußballer eines wirklich immer beschäftigt: Das ist nicht nur der aktuelle Stand um einen herum, sondern eben auch die Zukunft“, sagte der 44-Jährige vor dem richtungsweisenden Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen die TSG Hoffenheim. „Das ist der große Unterschied: Du wirst ständig bewertet, ständig eingeordnet – und parallel laufen die Gedanken, wie es weitergeht.“ Es gehe, so Kwasniok, nicht um Existenzängste. „Nicht, weil du Angst haben musst, morgen keinen Job mehr zu haben. Sondern weil du dir die Frage stellst: Welcher Schritt ist für meine Entwicklung der richtige?“ Gerade bei einem Spieler wie Martel könne das stärker ins Gewicht fallen. „Eric ist ein sehr strukturierter und organisiert denkender Mensch. Auf dem Feld als Sechser oder Innenverteidiger hat er viel Struktur um sich herum. Wenn diese Klarheit in anderen Bereichen fehlt, beschäftigt dich das. Das ist nicht von der Hand zu weisen.“
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Es ehrt den Trainer, wenn er sich Gedanken über Erics Zukunft macht. Ich kann Lukas Kwasniok aber beruhigen: Er muss sich keine Sorgen machen, Eric kommt mit der ganzen Situation schon gut klar.
Der Vertrag von Martel, der seit Juli 2022 beim FC spielt, läuft im kommenden Sommer aus. Ein Angebot zur Verlängerung hatte er im Sommer 2025 abgelehnt, um zunächst die sportliche Entwicklung nach dem Aufstieg abzuwarten. Nach der Wintertransferperiode sollte Klarheit herrschen – doch sie blieb aus. Gespräche werden zwar wieder geführt, doch die Lage ist offen.
Martels Berater Michael Reschke nimmt gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ Stellung zum Vertragspoker und den Aussagen von Kwasniok. „Wir sind in einem sehr professionellen und partnerschaftlichen Dialog mit Thomas Kessler, den ich übrigens für einen Glücksfall für den FC halte. Es ehrt den Trainer, wenn er sich Gedanken über Erics Zukunft macht. Ich kann Lukas Kwasniok aber beruhigen: Er muss sich keine Sorgen machen, Eric kommt mit der ganzen Situation schon gut klar.“
Entscheidung Ende März/Anfang April
Nach Informationen dieser Zeitung soll Ende März/Anfang April eine Entscheidung über Martels Zukunft fallen. Damit würde sich der Schwebezustand zumindest zeitlich eingrenzen. Zwischenzeitlich waren lose Interessen vom SC Freiburg, von der AC Florenz oder von Besiktas Istanbul kolportiert worden. Konkrete Angebote, die einen Wechsel greifbar gemacht hätten, blieben offenbar bislang aus, zudem wollte Martel in der Winterpause die Kölner auch nicht verlassen.
Doch der FC bereitet sich intern auf mehrere Szenarien vor. Aus Gründen. Denn es wäre extrem verwunderlich, sollten einem 23-Jährigen, der bereits in der Bundesliga sein Potenzial nachgewiesen hat, Stammspieler war/ist und zudem im Sommer ablösefrei wechseln kann, keine Anfragen vorliegen würden. Martel hat ganz sicher auch andere Optionen als den 1. FC Köln. Auch aus England soll es Interesse geben.
Kwasniok gab Martel aber auch Rückendeckung. Trotz der Zukunftsgedanken wirft er Martel keinen mangelnden Einsatz vor. Im Gegenteil. „Weiterhin den gleichen Einsatz und das gleiche Engagement zeigen – das tut Eric ja auch“, sagte der Trainer. „Solange ich das Gefühl habe, werde ich ihn einsetzen. Und ich werde ihn auch schützen, wenn es nötig sein sollte.“ Es sei wichtig, dass der Fokus nun auf dem Sportlichen liege: „Am Ende hilft nur Leistung auf dem Platz. Alles andere regelt sich dann.“
Der FC benötigt im engen Tabellenkeller Stabilität – gerade auf der Sechserposition. Martel war dort lange Fixpunkt und Taktgeber gegen den Ball. Nun geht es für ihn darum, sportlich wieder die Selbstverständlichkeit früherer Monate zu erreichen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob ihm das gelingt – und welchen Weg er und der FC anschließend gemeinsam einschlagen. Eine Trennung im kommenden Sommer würde allerdings auch keinen überraschen.
Mögliche Aufstellungen:
1. FC Köln: Schwäbe - Sebulonsen, Özkacar, Schmied, Lund - Kaminski, Martel, Krauß, Thielmann - El Mala, Ache.- TSG Hoffenheim: Baumann - Coufal, Hranac, Kabak, Hajdari - Avdullahu - Prömel, Burger - Kramaric, Asllani, Touré.- Schiedsrichter: Schröder (Hannover).

