Während seiner fast 42 Jahre im Amt engagierte sich der Rabbiner unter anderem für den Bau der Synagoge an der Roonstraße.
150 aus 150Abraham Frank wirkte länger als jeder andere Rabbiner in Köln

Ehrengrab von Abraham Frank auf dem Jüdischen Friedhof in Bocklemünd
Copyright: Alexander Schwaiger
Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im elften Teil der Serie geht es um den Rabbiner Abraham Frank.
Bedeutung
Kein anderer Rabbiner wirkte so lange in Köln wie der gebürtige Niederländer Abraham Frank. Von seiner Amtseinführung 1876 bis zu seinem Tod waren es fast 42 Jahre. Er engagierte sich für den Bau der Synagoge an der Roonstraße. Bald nach seinem Amtsantritt begann er, seine Grabreden drucken zu lassen und den Hinterbliebenen als Erinnerung zu überreichen. Leider sind durch die Shoah nur wenige Exemplare in der Nationalbibliothek in Jerusalem erhalten. International engagierte er sich in der Alliance Israélite Universelle mit Sitz in Paris, einem jüdischen Solidaritätsnetzwerk, dessen Zentralkomitee er angehörte. Die von ihm übersetzten Monats- und Jahresberichte ließ er über eine Kölner Druckerei tausendfach in Deutschland verbreiten.
Abraham Frank
Geboren: 22. Februar 1838 in Oud-Beijerland (Niederlande)
Gestorben: 11. November 1917 in Köln
Wirken in Köln
Der hochgeachtete Frank engagierte sich für verschiedene Sozialeinrichtungen. 1899 eröffnete er das Israelitische Lehrlingsheim. 1910 konnte er nach jahrelangen Spendensammlungen das Israelitische Waisenhaus an der Aachener Straße 443 unter der Leitung seiner Frau Therese einweihen. Nach seinem Tod erhielt das Haus seinen Namen. 1941 wurde das Waisenhaus geschlossen, und alle damals dort lebenden Kinder wurden deportiert und ermordet. Auch sein Sohn Heinrich und dessen Frau wurden in der Shoah umgebracht.
Franks Auffassung nach war Sozialpolitik überkonfessionell. Er war Mitgründer des Kölner Vereins für entlassene Strafgefangene und setzte sich als Mitglied der städtischen Schuldeputation dafür ein, dass in Volksschulen keine Bücher verbreitet wurden, die jedwede Religion herabsetzen. 1891 gründete er den Verein für jüdische Geschichte und Literatur.
Bemerkenswert
Gute Beziehungen unterhielt gute Beziehungen zu den Kölner Erzbischöfen. 1912 stattete Kardinal Felix von Hartmann dem Rabbiner einen Antrittsbesuch ab, was für Aufmerksamkeit in der Presse sorgte. Als einer der wenigen Kölner erhielt Frank den preußischen Roten Adler-Orden IV. Klasse.
Spuren in der Stadt
Auf dem jüdischen Friedhof in Bocklemünd existiert ein Ehrengrab für Frank. Das Abraham-Frank-Haus an der Aachener Straße ist im Eigentum der Stadt, die es leider verfallen lässt.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
