Die Siegparkhalle ist geschossen, im Hermann-Weber-Bad gibt es erhebliche Mängel. Sportvereine verlieren Mitglieder.
„Eine Katastrophe“Sportvereine in Eitorf haben kaum Möglichkeiten zu trainieren

Die Siegparkhalle Eitorf ist seit neun Jahren geschlossen. Archivfoto.
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Eine Katastrophe ist seit Jahren die Situation für Sportvereine und Schulen in Eitorf. Die Siegparkhalle an der Brückenstraße kann schon seit fast neun Jahren nicht mehr benutzt werden. Und das Hermann-Weber-Schwimmbad ist nur eingeschränkt nutzbar, weil nach der Sanierung immer noch nicht alle notwendigen Reparaturen ausgeführt wurden. Vorher war es lange komplett geschlossen.
Seit Trainingsstunden weggefallen sind, verlieren die Vereine Mitglieder. „Insgesamt ist die Situation in Eitorf wirklich nicht mehr hinnehmbar“, betont der Vorsitzende des Gemeindesportbundes (GSB), Bruno Schöneberg. Viele Eitorfer Vereine litten massiv darunter, verlören Mitglieder oder könnten keine neuen gewinnen. Auch die finanzielle Lage der Vereine leide durch ausfallende Turniere oder Veranstaltungen. Einige Vereine müssten sich sogar teure Hallenzeiten in Nachbar-Kommunen anmieten, berichtet Schöneberg.
Trotz Sanierung gibt es nach wie vor erhebliche Mängel im Hermann-Weber-Bad
Die einzige funktionierende Halle sei die Sporthalle am Eichelkamp. Die kleine Halle in Irlenborn sei mit ihren zwei Toiletten allerdings lediglich eine Notlösung. Als Umkleideräume würden dort ehemalige Schulräume genutzt, sagt der GSB-Vorsitzende. Auch die Halle in Mühleip sei in die Jahre gekommen und müsse dringend saniert werden. Die Frankenhalle in Alzenbach soll nach Kenntnis von Schöneberg von der Gemeinde gekauft, abgerissen und durch eine neue Sporthalle ersetzt werden. Schöneberg: „Wann dieses Projekt umgesetzt wird, ist allerdings vollkommen unklar. Auch eine weitere Halle an einer neuen Schule oder an der Grundschule in Harmonie wäre dringend notwendig.“

Bruno Schöneberg, Vorsitzender des Gemeindesportbundes Eitorf. Archivfoto.
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Erhebliche Mängel bestünden nach wie vor nach der Sanierung des Hermann-Weber-Bades. Die nicht rutschfesten Fliesen führen laut Schöneberg zu Problemen. Und das Wasser in Duschen und Umkleidekabinen fließe nicht richtig ab. Der Hubboden im Sportbecken sei schon wieder beschädigt, obwohl er im Dezember 2025 nochmals bearbeitet worden sei. Deutlich besser sei dagegen die Situation bei den Sportplätzen.

Im Sportbecken des Hermann-Weber-Bads weist der Hubboden Schäden auf. Archivfoto.
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Viele Eltern wollen ihre Kinder im Winter nicht gerne bei Frost und Regen draußen kicken lassen
Nachdem am Sportplatz Brückenstraße ein neuer Kunstrasen verlegt worden, das neue Kleinspielfeld fertig gestellt und die Flutlichtanlage auf LED umgestellt worden sei, seien hier erstmals alle Arbeiten abgeschlossen, sagt Schöneberg. Beim Sportplatz in Mühleip solle das eventuell noch in diesem Jahr passieren.
Am stärksten betroffen ist der Sportverein Eitorf 09, bei dem zirka 500 Sportlerinnen und Sportler unter der Schließung der Dreifachhalle Siegparkhalle leiden. Jährlich könnten etwa sieben Turniere von Altherren, Senioren, Jugend und Frauenfußball nicht durchgeführt werden, berichtet der Vorsitzende Klaus Pipke. Allein der wirtschaftliche Schaden für seinen Verein betrage jedes Jahr rund 10 000 Euro, sagt Pipke, betont aber die negativen Auswirkungen für die Jugendarbeit: „Viele Eltern wollen ihre Kinder im Winter nicht gerne bei Frost und Regen draußen kicken lassen.“
Das Eitorfer Senioren-Hallenturnier sei außerdem das bekannteste im Kreis gewesen, habe aber jetzt seit Jahren nicht mehr stattfinden können. Auch eine Futsal-Abteilung, also Hallenfußball, mit Teilnahme am Ligabetrieb könne seit mehreren Jahren beim SV 09 Eitorf nicht gegründet werden. Pipke: „Die Spieler machen jetzt bei anderen Vereinen mit.“ Dies mache sich vor allem in den Jugend- und im Seniorenabteilungen sportlich und finanziell bemerkbar.
Kein Tanzsport und kein Tennis mehr möglich
Praktisch sportlich nicht mehr existent ist der JMD Club „Just Jazzin'“. Bevor die Siegparkhalle geschlossen wurde, hatte der Verein drei Turnier-Mannschaften in der Kinderliga, der Jugendliga und in der Hauptgruppe. „Alle drei Formationen gibt es nicht mehr“, berichtet Mary E. Kollak vom Vorstand. Fast alle hätten ihre Mitgliedschaft gekündigt oder nicht mehr erneuert. Kollak: „Wir konnten für den Deutschen Tanzverband seitdem keine Turniere mehr in Eitorf ausrichten.“
Auch der Tennisclub Blau-Rot Eitorf leidet unter der Schließung der Siegparkhalle. Denn die Tennishalle Am Eichelkamp wird von Oktober bis April von den Schulen beziehungsweise der Gemeinde angemietet. Deshalb ist kein Tennissport vormittags an den Werktagen mehr möglich. Man hat sich allerdings mehr oder weniger arrangiert und weicht auf andere Hallen außerhalb Eitorfs aus oder verlegt die Spielzeiten so weit wie möglich in den Nachmittag oder Abend.
Betroffen sind auch die Karnevalisten der Turmgarde Eitorf, bei denen 120 Sportlerinnen und Sportler Gardetanz in der Dreifachhalle trainierten. Zur Ergänzung der Trainingsprogramme nutzten die Turmgardisten die Halle regelmäßig. Zusätzliche Anfragen von Jugendlichen könnten jetzt nicht mehr berücksichtigt werden.
Sie seien in der Vergangenheit öfter nach dem Ausrichten von Turnieren gefragt worden, die könnten aber jetzt nicht mehr durchgeführt werden. Das Leonardo sowie das Theater am Park böten keine zufriedenstellenden Ersatzlösungen. Vereinsaustritte habe die Turmgarde zwar nicht zu verzeichnen, aber viele Karnevalsfans erhielten wegen Platzmangels bei der Sitzung schon zu Beginn der Karnevalssession keine Karten mehr.

