Abo

Die digitale PandemieUN warnt vor den Folgen eines globalen Digital-Blackouts

3 min
UN: Welt auf digitalen Super-GAU nicht vorbereitet

Tonga war fünf Wochen vom Internet abgeschnitten (Archivbild)

Ein UN-Report warnt vor einer „digitalen Pandemie“. Drei Szenarien zeigen, was bei einem digitalen Kollaps droht.

Einem neuen Report der Vereinten Nationen zufolge drohen der Menschheit katastrophale Konsequenzen, sollte die digitale Infrastruktur unerwartet kollabieren. Die Staaten seien unzureichend gewappnet für Ereignisse wie einen weitreichenden Satellitenausfall, Stromversorgungsstörungen oder Beschädigungen an Tiefseekabeln. Dies geht aus einem Bericht der UN-Organisation für Telekommunikation (ITU) sowie des UN-Büros für Katastrophenvorsorge (UNDRR) hervor.

„Kritische digitale Risiken sind real, dokumentiert, systemisch und werden weitgehend unterschätzt“, so die Warnung in dem Dokument. Die Verfasser werfen die Frage auf, was geschehen würde, wenn Mobiltelefone und das Internet von einem auf den anderen Tag nicht mehr zur Verfügung stünden, der Zahlungsverkehr zusammenbräche, Kliniken den Zugriff auf Patientendaten verlören und Alarmsignale die Bevölkerung nicht erreichten. Was sich anhöre wie ein Zukunftsroman, könne zur Wirklichkeit werden. Die Experten der UN verwenden den Begriff einer „digitalen Pandemie“ und skizzieren drei alarmierende Planspiele.

Szenario 1: Ein Sonnensturm wie im Jahr 1859

Sollte die Sonne unerwartet eine größere Menge an Strahlung und Partikeln in den Weltraum ausstoßen, die auf die Erde treffen, könnte dies erhebliche Störungen nach sich ziehen. Im September 1859 führte ein solches Phänomen dazu, dass Telegrafisten elektrische Schläge erlitten, Apparate Funken schlugen und dadurch Büroräume in Flammen aufgingen. Die Vorwarnzeit belief sich auf maximal 20 Stunden.

Die Auswirkungen wären in der Gegenwart weitaus dramatischer: Signale von Navigationssatelliten würden beeinträchtigt, Flugzeuge verlören den Zugang zu Live-Radar und der Flugbetrieb müsste stark eingeschränkt werden. Autonome Fahrzeuge kämen zum Stillstand und elektronische Finanztransaktionen wären nicht mehr möglich. Des Weiteren könnten geomagnetisch induzierte Ströme die Transformatoren des Stromnetzes beschädigen und so die Energieversorgung unterbrechen. Nachdem ihr Notstrom verbraucht wäre, würden Rechenzentren an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Ein großflächiger Austausch der Transformatoren würde sich über Monate erstrecken.

UN: Welt auf digitalen Super-GAU nicht vorbereitet

Ohne Live-Radar würden jede Menge Flüge ausfallen (Archivbild)

Szenario 2: Extreme Hitze wie 2003

Eine Hitzewelle wie jene im Jahr 2003 würde heute eine erheblich größere Anzahl an Rechenzentren mit massivem Energieverbrauch tangieren. Ein gestiegener Kühlungsbedarf träfe auf eine limitierte Stromerzeugung, da die Erwärmung von Flüssen den Betrieb von Kernkraftwerken drosselt. Zugleich könnten niedrige Flusspegel die Versorgung mit Diesel für Notstromaggregate behindern.

Sollten Datenzentren aufgrund unzureichender Kühlung ausfallen, könnten Zahlungsterminals den Dienst einstellen, was Geschäftsschließungen zur Folge hätte. Die regionale Mobilfunk-Infrastruktur wäre ebenfalls gefährdet, da zahlreiche ihrer Basisstationen auf Kühlung angewiesen sind, um zu funktionieren.

UN: Welt auf digitalen Super-GAU nicht vorbereitet

Wie in Berlin bei einem Stromausfall im April blieben die Lichter aus (Archivbild)

Szenario 3: Ein schweres Seebeben wie 2022

Im Jahr 2022 führte der Ausbruch des Unterwasservulkans Hunga Tonga-Hunga Ha'apai zu erheblichen Zerstörungen. Dabei wurde unter anderem ein 80 Kilometer langes Tiefseekabel beschädigt, welches die Verbindung des Inselstaates Tonga zur übrigen Welt sicherstellte. Ein derartiges Ereignis kann einen Internetausfall über mehrere Wochen hinweg verursachen, dessen Konsequenzen denen der anderen Planspiele ähneln.

Forderung der UN: Analoge Alternativen schaffen

Die UN-Organisationen bemängeln, dass im Risikomanagement die Gefahren zumeist isoliert bewertet werden, unter der Annahme einer schnellen Problemlösung. Das eigentliche Risiko liege jedoch in der Möglichkeit, dass eine einzelne Störung eine Kettenreaktion auslöst, die mehrere kritische Infrastrukturbereiche simultan lahmlegt. Erforderlich seien daher unter anderem analoge Backup-Systeme. Es sei wichtig, die Bevölkerung zu schulen, damit sie digitale Ausfälle mithilfe analoger Mittel handhaben kann. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.