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Schmeckt's, Frau Floß?Warum man im „Vasco da Gama“ in Ehrenfeld mal gewesen sein sollte

4 min
Muscheln in Koriander und Stockfisch-Kroketten – zwei Gründe, um im „Vasco da Gama“ zu essen.

Muscheln in Koriander und Stockfisch-Kroketten – zwei Gründe, um im „Vasco da Gama“ zu essen.

Das Restaurant Vasco da Gama ist seit fast 30 Jahren die portugiesische Institution in Köln. Wie isst es sich in dem besonderen Lokal in Ehrenfeld?

Selbst wer schon ewig in einer Stadt lebt, kennt längst nicht alle ihre Geschichten. Vieles bleibt unsichtbar, ein blinder Fleck. Doch sobald jemand die Geschichte eines Ortes erzählt, verschiebt sich die Perspektive. Ich habe vor einigen Jahren bereits eine Kolumne über das portugiesische Restaurant „Vasco da Gama“ in Ehrenfeld geschrieben. Auch damals schon gefiel es mir sehr gut, hauptsächlich weil das Essen mich begeisterte. Alle Gerichte wurden auf Holzkohle gegrillt. Die Dorade fiel fast von der Gräte, das Steak vom schwarzen Schwein und die Chouriço waren saftig und kräftig aromatisch.

Julia Floß

Julia Floß

Julia Floß ist ausgebildete Köchin und Patissière und hat viele Jahre in verschiedenen von Gault-Millau und Guide Michelin ausgezeichneten Küchen gearbeitet, bevor sie Journalismus und Medienkommunika...

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Daran hat sich bis heute nichts geändert. Ich mokierte mich damals über die Zwielichtigkeit der Liebigstraße und die etwas angestaubte Vereinsheim-Optik. Das würde mir heute nicht mehr passieren.

Die Fassage des Vasco da Gama  in der Liebigstraße ist zu sehen. Darauf der Namensschriftzug in Graffiti.

Das „Vasco da Gama“ in der Liebigstraße 120 - seit dreißig Jahren ein Treffpunkt von Kölner Portugiesinnen und Portugiesen.

Die Geschichte der Liebigstraße ist sicherlich zu gewissen Teilen zwielichtig - für welchen Kölner Ort gilt das eigentlich nicht? -, aber es ist vor allem eine Geschichte über die Arbeiterklasse. Und das „Vasco da Gama“ ist seit fast dreißig Jahren Teil dieser Veedels-Historie. Nicht nur als Treffpunkt der Kölner Portugiesinnen und Portugiesen, sondern auch zeitweise als nächtliche Kantine der Schlachthofmitarbeiter und Sexarbeiterinnen.

Alles wurde etwas erneuert, aber der rustikale Charme ist geblieben - zum Glück

Diese Zeiten sind längst vorbei. Die Öffnungszeiten sind mittlerweile familienfreundlich und die vermeintliche Vereinsheim-Optik wurde abgestaubt. Abgesehen davon handelt es sich schlicht um das Vereinsheim des portugiesischen Sport- und Kulturvereins. Die Betreiber Paula Morgado da Silva Olivia und Marco Olivia haben in den letzten Jahren ein paar Umbauarbeiten vorgenommen und den großen Raum heller und offener gestaltet. Mittlerweile gibt es auch eine Terrasse. Der rustikale Charme ist zum Glück geblieben.

Leere Weinflaschen hängen auf Kartons an der Wand - dort ist die Charakteristik der Weine aufgeführt, etwa „trocken und blumig“ oder „halbtrocken und leicht“.

Die Weinauswahl

Am Nebentisch werden Kinder mit gegrilltem Hähnchen gebändigt, während die Erwachsenen Gambas mit Knoblauch zuzeln und frittierte Sardinen knuspern. Es wird laut gelacht und palavert. Zwei Tische weiter lassen sich zwei junge Männer die Steaks vom schwarzen Schwein schmecken und verharren in andächtiger Stille. Im Hintergrund läuft leise Musik. Marco stellt ein Körbchen mit warmem Brot und einem Schälchen Aioli auf den Tisch. Man muss sich schon stark zusammenreißen, um nicht sofort den halben Laib zu verdrücken.

Die Menükarte bietet alles, was man aus Portugal vermissen könnte

Die Menükarte bietet alles, was man aus Portugal vermissen könnte. Meeresfrüchte wie Muscheln mit Koriandersauce, Stockfischkroketten, hauchzarter Schinken, würzige Chouriço, Oliven, gegrillten Fisch, gegrilltes Fleisch, Caldo verde und natürlich Pasteis de Nata.

Die Vongole in Koriandersauce sind eine kleine Sensation. Der Muschelsud verbindet sich herrlich mit den frischen Kräutern und man sollte ganz dringend auch das letzte Tröpfchen Sauce mit Brot aufwischen. Diese Vorspeise gibt es auch in einer vegetarischen Version mit Champignons. Kein Besuch in einem portugiesischen Restaurant ohne Stockfischkroketten. Die im „Vasco da Gama“ sind schlicht perfekt, die ideale Mischung aus Kartoffelmasse und Bacalhau. Nicht zu fischig, nicht zu fasrig, nicht zu salzig, sondern genau richtig ausbalanciert.

Zwei Tonschälchen sind zu sehen: eine mit Kroketten, eine mit Muscheln und Zitrone

Muscheln in Koriander und Stockfisch-Kroketten - zwei Gründe, um hier zu essen.

Die Dorade ist noch genauso gut, wie vor einigen Jahren. Der ganze Fisch wird gegrillt mit Kartoffeln und kleiner Gemüsebeilage serviert. Auf der Karte stehen spannende Grillgerichte wie Schweinefleisch mit Miesmuscheln, Iberico-Karree, Pulpo und Chouriço, aber mir war nach dem Klassiker: Frango no Churrasco, Grillhähnchen nach portugiesischer Art.

Die Portion ist riesig, das Fleisch gleichzeitig saftig und knusprig, daneben liegt ein Berg frittierter Kartoffelscheiben. Dieser ist auch der Grund, warum das Pasteis de Nata leider nicht mehr rein passte. Die Weinauswahl ist spannend und Marco berät geduldig. Das „Vasco da Gama“ versteht sich als portugiesische Insel mitten in Köln - und genau das ist es auch.

Fazit: Seit fast drei Jahrzehnten eine portugiesische Institution in Köln. 5 Dreiecke

Vasco da Gama, Liebigstraße 120, 50823 Köln, Öffnungszeiten: Mi-Sa 18-23 Uhr + So 12-16 Uhr + 17-21 Uhr, vascodagama.koeln

Ein Wandbild mit der Aufschrift Restaurante Vasco da Gama ist zu sehen, es wirkt wie selbst gemalt.

Das „Vasco da Gama“ versteht sich als portugiesische Insel mitten in Köln.

Meine Auswahl:

Pastel de bacalhau // Stockfischkrokette // 6,90 Euro

Amêijoas á bulhão pato // Vongole Muscheln in Koriandersoße // 15,50 Euro

Caldo Verde // Grünkohlsuppe mit Chouriço // 6,60 Euro

Frango no churrasco // Gegrilltes Hähnchen nach portugiesischer Art // 14,- Euro

Dourada grelhada // Gegrillte Goldbrasse // 25,40 Euro