Im Bürgerzentrum Chorweiler zeigte die Bürgerplattform „Stark im Kölner Norden“ ein Beispiel für ihr Teilhabe‑ und Partizipationsprojekt.
ChorweilerBürgerplattform fördert gemeinschaftliches Handeln und Teilhabe im Kölner Norden

Sebastian Kurtenbach, der seine Doktorarbeit über Chorweiler geschrieben hat und damals auch dort wohnte, sprach über die Probleme, denen Kinder und Jugendliche heute gegenüberstehen.
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Menschen mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Geschehen zu verschaffen, das ist im Kern der Grundgedanke, den die Bürgerplattform „Stark im Kölner Norden“ bereits seit ihrer Gründung 2015 verfolgt. Etwa 30 verschiedene bürgerschaftliche und religiöse Gruppen haben sich unter dem Dach der Bürgerplattform zusammengeschlossen, um nach dem aus dem englischsprachigen Raum stammenden Konzept des „Community Organizing“ Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Herkünften, aber ähnlichen Interessen zusammenzuführen und Handlungsfähigkeit zu geben.
Seit 2024 verfolgt die Plattform darüber hinaus das Projekt „Partizipation und Teilhabe im Kölner Norden“, um mehr über die spezifischen Themen des Kölner Nordens zu erfahren. Im Rahmen dieses Projekts hatten die Verantwortlichen nun zu einer Veranstaltung ins Bürgerzentrum Chorweiler eingeladen, um einen Einblick in das Projekt zu geben. Dabei ging es „nicht nur um Probleme, sondern darum, wie Menschen im Kölner Norden selbst Lösungen schaffen“, so die Projektleiterin Merve Sahin-Yilmaz, die durch die Veranstaltung führte.
Chorweiler im Fokus: Jugend und Teilhabe
Als Gast hatte sie Sebastian Kurtenbach eingeladen, der als Professor für Politikwissenschaft und Sozialpolitik zwar inzwischen an der Fachhochschule Münster arbeitet, der jedoch eine sehr persönliche Beziehung zum Stadtteil Chorweiler hegt, wie er sagte. „Tatsächlich habe ich nicht nur meine Doktorarbeit über Chorweiler geschrieben, sondern habe in der Zeit auch hier gewohnt“, sagt er, „darum ist es immer ein bisschen wie nach Hause kommen, hier zu sein“.
Kurtenbach sprach über sein Buch „Kinder – Minderheit ohne Schutz“, in dem er Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene als Gruppe in den Fokus nimmt, der Teilhabe vielfach verwehrt bleibt. „Die alternde Gesellschaft, in der wir leben, ist weder kindgerecht, noch ist sie gerecht zu Kindern“, sagte er. Als Beispiel beschrieb er den Jahrgang der 2007 Geborenen, die im vergangenen Jahr ihren 18. Geburtstag gefeiert hatten. Diese hatten in ihrem Leben mit der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 und der Corona-Pandemie einschneidende Erfahrungen von Unsicherheit gemacht, nun würde in der Diskussion um die Wiedereinführung der Wehrpflicht über ihre Köpfe hinweg entschieden. Community-Center, in denen sich Jugendliche selbstbestimmt gemeinsam mit Älteren einbringen könnten, könnten einem Gefühl der Ohnmacht entgegenwirken.
Sahin-Yilmaz holte mit Sultan Kulak auch eine der Initiatorinnen der Kampagne „Frauenschwimmen im Chorweilerbad“ auf die Bühne, die sich dafür eingesetzt hatte, im Chorweiler Schwimmbad für Frauen reservierte Schwimmzeiten einzurichten – mit Erfolg, denn die Bezirksvertretung Chorweiler hatte vor Kurzem einen entsprechenden Beschluss gefasst. Sie beschrieb, wie sie mit Gleichgesinnten Umfragen durchgeführt hatte, die das große Interesse von Chorweiler Frauen an einem solchen Angebot verdeutlicht hatten, wodurch sie Politik und Verwaltung überzeugen konnten, einen Testlauf anzustoßen. Anderen Frauen, die ihre Wünsche umsetzen wollen, riet Kulak, auf andere zuzugehen und „die Sache gemeinsam anzugehen. Letztlich ist es Teamwork“.

