Die Teilstrecke des Schnellbus 91 zwischen Pulheim und Dormagen war Ende 2025 dem klammen Haushalt zum Opfer gefallen. Ein Bürger möchte dies ändern.
Schneller durch KölnBürger kämpft für Erhalt der Linie 91 von Weiden nach Worringen

Auch wenn die Haltestelle des SB91 nach dem benachbarten Bahnhof 'Worringen' benannt ist, liegt sie doch auf dem Gebiet von Roggendorf/Thenhoven.
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Seit 2020 ist die Schnellbuslinie (SB) 91, ein Angebot der Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft (REVG), im westlichen Umland Kölns unterwegs und verbindet benachbarte Gemeinden wie Sinnersdorf, Pulheim, Frechen, Hürth und Brühl miteinander - und mit Köln, denn mit Weiden findet sich auch ein Halt auf Kölner Stadtgebiet. Bis Ende 2025 führte die Route noch über eine zweite Kölner Haltestelle an der nördlichen Stadtgrenze in Worringen bis nach Dormagen, doch seit Beginn des Jahres endet sie bereits an der Sinnersdorfer Straße in Pulheim. Denn der Streckenteil Pulheim-Dormagen war durch die Stadt Köln mitfinanziert worden, 2023 hatte der Verkehrsausschuss jedoch beschlossen, die Finanzierung nach der Pilotphase bis zum Fahrplanwechsel 2025 zu befristen und diese vor einer Fortführung erneut zu prüfen. Aufgrund der angespannten Haushaltslage und sowie einer „nur mäßigen Auslastung“ des Linienabschnitts zwischen Worringen und Dormagen war im vergangenen Jahr beschlossen worden, die Finanzierung einzustellen.
Direkte Busverbindung ist schneller als die S-Bahnlinie
Nicht nur die REVG bedauert die Entscheidung, auch Hubert Brand, freier Journalist und Kölner Bürger, hält diese für falsch. Er hatte offiziell Beschwerde eingelegt und sich mit einer Bürgereingabe an die Bezirksvertretungen (BV) der Kölner Bezirke Chorweiler und Lindenthal gewandt: „Der Vorteil der Buslinie hier für den Stadtbezirk ist der, dass man mit ihm in 27 Minuten ohne umzusteigen von Weiden-West nach Worringen fahren kann, statt in 40 Minuten mit der S-Bahn inklusive Umstieg", argumentierte Brand etwa vor der BV Lindenthal. Die direkte Verbindung zwischen Dormagen, dem Kölner Norden und dem Rhein-Erft-Kreis führe auch über Gewerbegebiete und stelle daher gerade für Berufspendler eine Alternative zum eigenen Fahrzeug dar. Vor allem für Nutzer ohne Auto habe der Wegfall erhebliche Auswirkungen, denn Umstiege auf alternativen Routen führten oft zu stundenlangen Wartezeiten.

Fahrgäste der SB 91 können von Weiden bis Worringen durchfahren.
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Die „nur mäßige Auslastung“, die die Verwaltung sah, entstehe dadurch, dass sich die Evaluation auf Fahrgastzahlen der Corona-Zeit stütze. Einsparungen seien angesichts der Haushaltslage nachvollziehbar, doch Brand sah an anderer Stelle mehr Potential, etwa im Kölner Süden. „Zwischen Bayenthal und Chlodwigplatz verkehren zwei Stadtbahn- und drei Buslinien“, sagt er vor der BV Chorweiler. Allein für die Linie 17, die auf einer Rumpfstrecke zwischen Schönhauser Straße und Severinstraße nur eine Handvoll Stationen anfährt, entstünden jährliche Kosten von 8 Millionen Euro. „Stattdessen könnte auch die von Süden kommende Linie 16 diese Strecke bedienen“, schlug Brand vor. Weiterhin regte er an, den SB91 durch das Worringer Ortszentrum zu führen sowie einen weiteren Halt in Esch einzurichten, um das Potential der Linie auszuschöpfen.
Die Vertreter beider Bezirke konnte Brand überzeugen – Anna Nesseler, Mitglied der CDU-Fraktion der Bezirksvertretung Chorweiler, bedankte sich für die „super Recherche“. Die BV lehnte die Beschlussvorlage der Verwaltung, die Brands Vorschläge aufgrund der Finanzen und der Beschlusslage für nicht umsetzbar hielt, daher auch ab. Stattdessen brachte die CDU-Fraktion mit dem FDP-Vertreter Lucas Hahn einen Antrag ein, in dem sie die Verwaltung aufforderten, sich gegenüber dem Rat dafür einzusetzen, die kommunale Finanzierung wieder aus Haushaltsmitteln bereitzustellen. Aus Sicht des Kölner Nordens habe der SB91 erstmals eine leistungsfähige Süd-West-Achse geschaffen, die Worringen dank seiner Anbindung an das S-Bahn-Netz zu einem wichtigen Verkehrsknoten für die umliegenden Gemeinden und Stadtviertel mache und einen Beitrag leiste, das vom Rat beschlossene Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. Die BV Chorweiler beschloss den Antrag ohne Änderungen – ein Beschluss, den die BV Lindenthal ausdrücklich unterstützte. Wichtige Radialverbindungen dürften in Zeiten der Mobilitätswende nicht verkürzt werden, so die Bezirksvertreter im Kölner Westen.
