Könnte es nicht einen Aufbruch bedeuten, wenn der neue Manteltarifvertrag hinter verschlossenen Türen ohne weiteren Stillstand ausgehandelt würde?
Erneuter StreikKVB steht wieder still – Muss das wirklich sein?


Eine mit Streik-Plakaten beklebte Straßenbahn der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) steht vor dem Bahndepot. (Symbolbild)
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Mit den Warnstreiks bei kommunalen Verkehrsbetrieben ist es wie mit allen Ritualen. Anscheinend geht es nicht ohne. Und so steht am Freitag auch die KVB mal wieder still, der Frust der Pendler angesichts der maroden und ständig überlasteten Infrastruktur vor dem ersten frühlingshaften Wochenende ist so groß wie die Hilflosigkeit, mit der man sich mit einer Arbeitsniederlegung konfrontiert sieht, zu der die Gewerkschaft keine Alternative sieht.
Aber muss das wirklich so sein? Wie haben es die EVG und die Deutsche Bahn geschafft, ihre Tarifauseinandersetzung zu beenden, ohne dass ein einziger Zug ausgefallen ist? Könnte es angesichts der vielen Zumutungen, die Pendler wegen der kaputtgesparten Schienen, der defekten Züge und heruntergekommenen Haltestellen noch über Jahre ertragen müssen, nicht einen Aufbruch bedeuten, wenn der neue Manteltarifvertrag hinter verschlossenen Türen ohne weiteren Stillstand ausgehandelt würde. Nach dem Motto: Wir sitzen alle in einem Zug.
Dass am Ende ein Kompromiss stehen muss, ist beiden Seiten doch aus vielen zähen Verhandlungen klar. Die Einigung ohne weitere Streiks – das wäre genauso überraschend wie die Einführung des Deutschlandtickets. Daran hat jahrzehntelang auch kein Mensch geglaubt – und jetzt haben es alle in der Tasche, die auf die Bahn angewiesen sind. Einschließlich des Personals in den kommunalen Verkehrsbetrieben, das damit seinen Lebensunterhalt verdient. Und ein Anrecht darauf hat, für die schwierigen Bedingungen, unter denen es arbeiten muss, auch angemessen bezahlt zu werden.
