Lesen Sie hier den satirischen Wochenrückblick von Peter Berger.
Ich bin stinksauerWas soll die Abzockerei mit den Schokoladenhasen?


Kein preiswertes Ostervergnügen: Die Schokoladenhasen sind in diesem Jahr so teuer wie nie.
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Den neuen Marktmechanismus an den Tankstellen habe ich am Ende kapiert. Ist auch nicht so schwierig, schließlich ist die von der Bundesregierung beschlossene Preisregel eindeutig. Um zwölf Uhr wird der Sprit jeden Tag etwas teurer und das Land wird auf Dauer deshalb viel Energie sparen.
Vor allem beim Strom. Weil die Mineralöl-Manager nicht mehr den ganzen Tag an den Rechnern hängen müssen, um die Spritpreise den Verkehrshinweisen aus der Straße von Hormus anzupassen.
Da muss ein Huthi-Rebell nur mal etwas grimmiger aus der Wäsche gucken, schon herrscht ein derartiges Chaos an den Spotmärkten, dass die Broker sofort ihre Yogamatten ausrollen und „We Shell overcome“ anstimmen. Um wieder runterzukommen.
Wir Verbrenner unter den Autofahrern können hingegen durchaus etwas Sinnvolleres tun, den Abzockern ein Schnippchen schlagen und der Bundesregierung unter die Arme greifen, indem wir Tempo 100 auf den Autobahnen einführen. Einfach so. Ab jetzt. Die meisten Stromer machen das schon länger, damit sie aus ihrer Batterie mehr Kilometer rausholen.
Ja. Das dürfen wir. Dafür gibt es auch keine Punkte in Flensburg.
Was ich gar nicht kapiere, ist die Abzockerei mit den Schokoladenhasen. Gelindt gesagt: Ich bin stinksauer. Dass die Dubai-Schokolade auf die Straße von Hormus angewiesen und deshalb unbezahlbar ist – geschenkt. Aber die Preis-Strategie bei den Goldhasen erschließt sich mir nicht. Gut. Sie sind ein Stück Kulturgut und haben im Rheinauhafen deshalb zu Recht auch ihr eigenes Museum. Kultur in Köln war immer schon etwas teurer.
Und ja. Der Rohkakao-Preis ist Anfang 2026 nach einer Mondpreis-Phase zwar deutlich gesunken. Doch davon wird höchstens der Schokohase 2027 profitieren, weil der aktuelle Saisonhase aus teurem 2025er Kakao besteht. Und das auch nur, wenn der Preissturz nicht schon von den Nikoläusen und Weihnachtsmännern aufgefressen wird, die ab August in die Läden kommen.
Können Sie mir noch folgen? Prima. Dann wundern Sie sich bestimmt auch, warum der 100-Gramm-Goldhase bei einer Supermarktkette für 2,69 Euro ohne Mengenbegrenzung übers Kassenband läuft, während er anderswo an der Fünf-Euro-Marke kratzt. Ich kann mir das nicht erklären.
Beim Benzin kennen wir dieses Phänomen nur von den Autobahnen mit ihren Ausrast-Anlagen. Da ist der Hase unbezahlbar. Weshalb er auch nur äußerst selten anzutreffen ist.
Kleiner Tipp: Gehen Sie am Dienstag auf Hasenjagd. Sie werden sich fühlen, als habe es in der Straße von Hormus nie ein Problem gegeben. Beim Sprit bin ich mir da nicht so sicher.
