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Kita-Krise in KölnEltern zwischen Frust, Ausfällen und Notbetreuung

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Eine Erzieherin spielt mit Kindern. (Symbolfoto)

Eine Erzieherin spielt mit Kindern. (Symbolfoto)

Personalmangel bringt eine Ehrenfelder Kita an ihre Grenzen. Eltern wissen oft morgens nicht, ob ihre Kinder betreut werden – mit spürbaren Folgen für Familien und Beruf

In der städtischen Kindertagesstätte an der Gutenbergstraße in Ehrenfeld liegen die Nerven blank. Zwischen Frust und Ärger schwankend stehen viele Eltern morgens vor der Tür – oft mit der bangen Frage, ob ihr Kind heute überhaupt betreut werden kann. In der vergangenen Woche zum Beispiel sei eine Gruppe in der Kita plötzlich geschlossen worden – ohne es den Eltern mitzuteilen, sagt Vater Axel Birkenkämper (46). „Ein Vater hat das um 8.03 Uhr in der Eltern-Whatsapp-Gruppe geschrieben, weil er das zufällig vor Ort mitbekommen hat“, sagt er. „Zu diesem Zeitpunkt waren viele weitere Eltern sicherlich schon auf dem Weg zur Kita.“ Er selbst war unterwegs, um seine fünfjährige Tochter in die Einrichtung zu bringen und anschließend zur Arbeit zu fahren. Daraus wurde dann nichts, Birkenkämper musste sich unfreiwillig freinehmen.

Eltern berichten von massiven Problemen

Kein Einzelfall, sagt der Vater. „Sehr oft“ komme es in der Einrichtung zu Notbetreuungen. Dann werde jeweils eine der beiden Gruppen geschlossen und Eltern und Kinder müssten sehen, wie sie den Tag meistern. Das Problem sei „massiv“ und belaste die Familien enorm. Mittlerweile fragen sich die Eltern, die in Teilzeit arbeiteten und gerne mehr arbeiten würden, ob sie angesichts der Betreuungssituation tatsächlich aufstocken könnten. Manche gerieten auch mit ihren Arbeitgebern aneinander. Auch die Öffnungszeiten seien reduziert worden.

Es ist eine Geschichte, wie sie sich in vielen Kitas in Köln so oder ähnlich zuträgt. Im Februar hatten sich Eltern der Junkersdorfer Kita Eichenstraße an den „Kölner Stadt-Anzeiger“ gewendet und berichtet, dass ihre Kinder mitunter mehrmals in der Woche nicht betreut würden. Ende März sprachen Eltern der Pescher Kita Kapellenweg darüber, dass sich ihre Einrichtung seit November im Notbetrieb befände.

Rund ein Drittel der Kitas kann derzeit nur reduzierte Öffnungszeiten von 40 oder 35 Stunden anbieten
Stadt Köln

Nur zwei von vielen Beispielen: Wie die Stadt auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ mitteilte, mussten 70 der 211 städtischen Kitas ihr Angebot Mitte Dezember reduzieren (wir berichteten). Auch ein paar Monate später hat sich die Lage nicht verbessert: „Rund ein Drittel der Kitas kann derzeit nur reduzierte Öffnungszeiten von 40 oder 35 Stunden anbieten“, teilt die Verwaltung mit. Wegen Personalausfällen habe man „in vielen Kitas das Betreuungsangebot zudem kurzfristig an einzelnen Tagen nicht vollumfänglich“ anbieten können.

Auch in der Kita Gutenbergstraße wurzelt das Problem offenbar in der schlechten Personalsituation. Nachdem die langjährige Leiterin im Sommer 2024 in den Ruhestand gegangen sei, habe es zwischenzeitlich mehrere Leitungen gegeben, die schnell aus unterschiedlichen Gründen wieder aufgehört hätten, sagt Birkenkämper. Seit acht Monaten habe die Kita keine Führungskraft, nur eine Stellvertretung, die zudem länger erkrankt gewesen sei. Ende März habe man den Eltern mitgeteilt, dass die Stellvertreterin „aus persönlichen Gründen“ nicht in die Kita zurückkehren werde.

Die Personalsituation führt dazu, dass die Kinder nur noch verwahrt werden
Axel Birkenkämper, Vater

Damit nicht genug: Es gebe eine „extrem“ hohe Personalfluktuation, zu wenige Erzieherinnen und Erzieher sowie einen hohen Krankenstand, was Birkenkämper mit den schlechten Arbeitsbedingungen erklärt. „Dem Erzieher in der Gruppe unserer Tochter, der wirklich engagiert ist, merkt man beinahe von Tag zu Tag an, dass er gestresster wird.“ Und: „Die Personalsituation führt dazu, dass die Kinder nur noch verwahrt werden.“ Von frühkindlicher Erziehung keine Spur, auch nicht von einer Vorbereitung auf die Schule.

Auch eine weitere Mutter, die namentlich nicht genannt werden will, ist frustriert über die Personalsituation in der Kita: Seit anderthalb Jahren besucht ihre heute vierjährige Tochter die Einrichtung und seitdem verließen dort ständig Mitarbeitende die Kita. „Dort arbeiten tolle Leute, aber die sind am Limit und die Einrichtung funktioniert nicht.“ Neulich sei sie morgens losgefahren, als sie auf ihr Handy gesehen habe, dass ihre Gruppe wieder geschlossen hatte. „So etwas gibt es regelmäßig und ich muss dann gucken, wie ich das Kind betreue.“

Die Stadt lässt die Kita komplett im Stich und die Kinder sind die Leidtragenden
Mutter

Die Mutter wirft der Stadt vor, kaum zu handeln. So habe man auf einen Protestbrief der Eltern nur unverbindliche Antworten erhalten. Geändert habe sich nichts. „Die Stadt lässt die Kita komplett im Stich und die Kinder sind die Leidtragenden“, sagt sie. „Wir fühlen uns komplett allein gelassen.“ Hana Veiser, Mutter und ehemaliges Mitglied im Elternbeirat, bestätigt das: „Wir wurden als Eltern nicht richtig informiert.“

Außenansicht der Kita Gutenbergstraße in Ehrenfeld.

Außenansicht der Kita Gutenbergstraße in Ehrenfeld.

Die Kommune räumt Probleme in der Ehrenfelder Kita ein. Im Januar habe es an sieben Tagen eine Notbetreuung gegeben. Seit Mitte Februar habe die Einrichtung durch verringerte Öffnungszeiten „weitestgehend“ Notbetreuungen vermeiden können. Für die Probleme verantwortlich macht die Verwaltung vor allem den Fachkräftemangel.

Interimsweise habe die Stellvertretung der Kita die kommissarische Leitung des Hauses übernommen. Nachdem diese wegen Krankheit längere Zeit ausgefallen war, sei die Position durch die Leitung einer Partnerkita zunächst an einem Tag und kurze Zeit später an zwei Tagen pro Woche übernommen worden. „Nun wird die stellvertretende Leitung der Partnerkita für drei Monate entliehen, da sie mit ihrer Vollzeitstelle sowohl die Leitungsfunktion als auch die Abdeckung der 45 Betreuungsstunden unterstützt“, so die Stadt. Durch diese Maßnahme könnten die reduzierten Öffnungszeiten ab dem 20. April aufgehoben werden. Die Stellen für die Leiterin und die Stellvertreterin seien zudem bereits ausgeschrieben worden.