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Kölner TraditionsladenBei Mörs gibt es seit 1891 Hüte und Kappen aller Art

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Ein ältere Dame steht hinter einem Verkaufstresen, sie hält einen blauen Herrenhut in der Hand.

Seit 1980 führt Ursula Rheindorf (81 Jahre) Kölns ältestes Hutgeschäft. Ihre Großeltern Wilma und Jakob Mörs gründeten das Unternehmen vor 135 Jahren auf der Marzellenstraße. Heute findet man die Hut-Galerie Moers in der Herzogstraße.

Ursula Rheindorf (81) verkauft seit Jahrzehnten Hüte. Sorgen macht ihr derzeit vor allem die Verwandlung der Kölner City in eine Fressmeile. 

Bei der Aufzählung von Kölns Traditionsgeschäften wird eines oft vergessen, was daran liegen könnte, dass dieses etwas abseits der Einkaufsmeile liegt. Dabei gehört die Hutgalerie Mörs in der Herzogstraße nicht nur zu den ältesten inhabergeführten Läden Kölns, es ist sogar das älteste heute noch bestehende Hut-Fachgeschäft der Stadt: 1891 – im selben Jahr, als der jüdische Kaufmann Leonard Tietz sein erstes Geschäft auf der Hohe Straße eröffnete, begründeten Wilma und Jacob Mörs neben der Barockkirche St. Maria Himmelfahrt ihr Unternehmen. Es existiert somit seit 135 Jahren – länger noch, als das Traditionsunternehmen Diefenthal.

Ursula Rheindorf, die ungeachtet ihrer 81 Jahre regelmäßig hinter der Verkaufstheke steht, ist eine Enkelin der Firmengründer und hat praktisch ihr ganzes Leben mit Hüten verbracht. Zum einen dadurch, dass ihre Eltern das großväterliche Geschäft weiterführten und zum anderen, dass sie später einem Mann begegnete, der Vertreter für Mayser-Hüte war und ihr Ehemann wurde.

Ein Schwarz-Weiß-Foto zeigt ein Paar, beide tragen Hüte im Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Ihre Großeltern Wilma und Jakob Mörs gründeten das Unternehmen vor 135 Jahren auf der Marzellenstraße.

Hüte des Allgäuer Unternehmens Mayser gehören übrigens bis heute ebenso wie der Borsalino zum festen Bestandteil des Sortiments von Mörs; außerdem Artikel der für ihre coolen Flatcaps bekannten Firma Göttmann sowie die robusten Jagd-, Trachten und Outdoorhüte von Faustmann.

Mörs zog mehrfach um, heute ist der Laden nahe der Schildergasse

Seit seiner Gründung hat das Geschäft mehrfach seinen Sitz verändert. Es zog zwischenzeitlich auf die Schildergasse, kehrte später an die Marzellenstraße zurück, war vorübergehend auf der Hohe Straße, bis es seine heutigen Räumlichkeiten in einer Seitenstraße der Schildergasse bezog. Kaum dort, legten Einbrecher, die durch die Hintertür gekommen waren, ein Feuer, bei dem das Geschäft zerstört und das gesamte Sortiment nebst Lager vernichtet wurde.

Ursula Rheindorf und ihre Tochter Claudia standen damals fassungslos im ausgebrannten Laden und krempelten die Ärmel hoch. Am Ende überstanden sie diesen Rückschlag genauso wie die Corona-Zeit und die Baustelle am Deichmannhaus, durch die das Hutgeschäft von der Schildergasse so gut wie abgetrennt war.

Kölner Fußgängerzone sei eine Fressmeile geworden

Jetzt macht der 81-Jährigen etwas anderes zu schaffen: Der Niedergang des Kölner Einzelhandels in der Innenstadt. Inhabergeführte Geschäfte gebe es kaum mehr, die Fußgängerzone sei zu einer Fressmeile geworden. „Köln verliert vollkommen an Flair.“ Rheindorf zeigt auf das neue Deichmann-Gebäude schräg gegenüber und die Makler-Schilder an der Fassade. „Da ist noch kein einziges Büro vermietet.“ Der Leerstand auf allen Etagen empöre sie deshalb, „weil auf der anderen Seite überall in Köln Wohnungen fehlen“.

Was ebenfalls fehle – auch für ihr Geschäft – sei Kundschaft. Im Gegensatz zu früher, als man sich auch aus Schutz vor Kälte einen Hut aufsetzte, sei der fast nur noch als Sonnenschutz gefragt. „Alles, was man sich auf den Kopf tut, ist besser als nichts. Diese Erkenntnis hat sich inzwischen durchgesetzt“, betont Rheindorf. Allerdings biete nicht jedes Material hohen UV-Schutz, deshalb trügen auch nur die im Labor geprüften Stoffe ein entsprechendes Schild.

Obwohl nicht gerade preiswert, zählen die Kappen, Schiebermützen und Hüte von Stetson weiterhin zu den Bestsellern. Der oben flache Pork Pie oder der lässige Trilby – der klassische Humphrey-Bogart-Hut im Kleinformat – sei zum modischen Statement geworden. Und wenn Künstler – wie 2025 Musiker Jan Delay – zum „Hutträger des Jahres“ gekürt werden, merke man das natürlich im Geschäft. Umgekehrt spüre man aber auch deutlich, wenn die schöne Jahreszeit auf sich warten lasse. Dann gehe kein eleganter Panama-Hut über die Ladentheke.


Hutgalerie Mörs, Herzogstraße 15, Innenstadt. Öffnungszeiten: Montags bis samstags 11-18 Uhr. Kein Ruhetag.