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Fachgeschäft am ChlodwigplatzKaffee oder Tee - Kölner Geschäftsinhaber beraten Wechselwillige

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Eine Frau und zwei Männer stehen nebeneinander in einem Teegeschäft.

Hilde Bartz, Heinz-Jürgen Schneider und Hans-Rudolf Bartz nehmen sich Zeit für ihre Kunden – und das bereits seit 45 Jahren. 

Teekanne statt Kaffeemaschine: In einem Fachgeschäft am Chlodwigplatz lassen sich immer mehr Menschen beraten, weil sie umsteigen wollen.

Wenn man den Teeladen am Chlodwigplatz betritt, bleibt der Straßenlärm draußen. Zwischen dicht gefüllten Regalen mit rund 200 Teesorten liegt ein würziger Duft in der Luft, die Stimmung ist ruhig und entschleunigt. Hier kaufen längst nicht nur eingefleischte Teetrinker ein – auch überzeugte Kaffeefans stehen immer häufiger vor dem Tresen.

„Es kommen immer wieder Kunden, die sagen, dass sie bisher nur Kaffee getrunken haben, aber jetzt auf Tee umsteigen wollen“, erzählt Heinz-Jürgen Schneider. Seit 45 Jahren führt er gemeinsam mit seinem Mann Hans-Rudolf Bartz das Fachgeschäft. Die Umsteigewilligen seien oft älter. „Manche sagen, dass sie aus gesundheitlichen Gründen weg vom Kaffee wollen, oder dass er ihnen nicht mehr bekommt, weil der Magen mit den Jahren empfindlicher wird. Manche sagen auch, der Hausarzt habe sie geschickt“, erzählt Bartz.

Teehändler aus der Kölner Südstadt raten zu sanftem Wechsel

Für den Umstieg empfehlen die Teehändler meist kräftige Schwarztees wie Assam oder Ostfriesentee. „Diese Teesorten sind zwar viel magenfreundlicher als Kaffee, haben aber einen starken Geschmack, man kann sie auch mit Milch und Zucker trinken. Zudem enthalten sie auch viel Koffein. So ist der Umstieg nicht so krass“, sagt Bartz. Wer direkt zu feinem Darjeeling oder edlen japanischen Grüntees greife, sei dagegen oft überfordert. „Die Geschmacksnerven sind anderes gewohnt. Für die meisten ist ein langsamer Wechsel besser“, ergänzt Schneider. Es brauche auch Zeit, Gewohnheiten umzustellen. Einige Kaffeetrinker triebe im übrigen die Sorge um, dass Tee nicht wach mache, doch diese sei unbegründet, betonen die beiden. „Viele Teesorten enthalten viel Koffein, sie wirken nur langsamer, dafür hält die Wirkung aber länger an“, sagt Bartz.

Wirkung des Tees ist nachhaltige als beim Kaffee

Das bestätigt der Facharzt für Allgemeinmedizin, Sport- und Ernährungsmedizin Thomas Kurscheid aus Bayenthal. „Die Wirkung von Kaffee und Tee ist vergleichbar mit der von Traubenzucker und Vollkornbrot. Der Traubenzucker geht sofort ins Blut, beim Vollkornbrot dauert es wesentlich länger“, erklärt er. Kaffee wirke nach etwa 20 Minuten und sorge für einen schnellen „Kick“. „Beim Tee kommt die Wirkung langsamer, weil das Koffein an Pflanzenstoffe gebunden ist, aber sie ist konstanter und hält länger“, so Kurscheid.

In einem Regal stehen verschiedenste Teesorten nebeneinander.

Im Teeladen am Chlodwigplatz können die Kunden aus über 200 Teesorten wählen.

Auch in Sachen Konzentration sieht Kurscheid Vorteile beim Tee. „Teegenuss verbessert den Fokus, er gibt eine geistige Klarheit und man wird konzentrierter“, sagt er. Wegen des Koffeingehalts rät er jedoch, Schwarz- oder Grüntee nicht zu spät am Tag zu trinken. „Sonst kann man durchaus Schlafschwierigkeiten bekommen. Spätnachmittags und abends sollte es eher ein Kräuter- oder Früchtetee sein“, empfiehlt der Mediziner.

Kaffee sei aber grundsätzlich nicht ungesund. „Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass drei bis vier Tassen Kaffee am Tag völlig in Ordnung sind – wenn man ihn verträgt“, erläutert Kurscheid. Wer empfindlich reagiere, merke das meist deutlich: „Es kommt sauer hoch vom Magen, man muss aufstoßen. Manche können auf Kaffee auch mit Durchfall reagieren“, weiß der Mediziner.

Kaffeeverzicht kann zu Kopfschmerzen führen

Auch wenn er nichts gegen Kaffeegenuss habe, hält Kurscheid Tee wegen der anderen Koffeinwirkung und der besseren Magenverträglichkeit für die bessere Wahl. Morgens empfiehlt er jedoch zunächst etwas anderes: zwei Gläser lauwarmes Wasser. „In der Nacht verlieren wir durch Atmen und Schwitzen bis zu einem Liter Wasser“, erklärt er. Das Gefühl, morgens ohne Kaffee nicht wach zu werden, sei eher psychologisch und durch Gewohnheit begründet. „Denn das uns müde machende Adenosin, das vom Koffein geblockt wird, liegt morgens nur in niedrigen Spiegeln vor, steigt aber später an. Im Tagesverlauf wirkt Kaffee daher besser“, sagt Kurscheid. Wer ganz auf Kaffee verzichte, muss sich kurzzeitig auf Nebenwirkungen einstellen. „Es kann zu Kopfschmerzen kommen, zu Müdigkeit und Unkonzentriertheit, aber das dauert nur ein paar Tage“, so der Mediziner.

Ein Mann mit  grauem Haar und schwarzem Pullover steht an einem Tisch.

Dr. Thomas Kurscheid ist Ernährungsmediziner.

Bleibt die Frage, ob sich Kaffeetrinker in der vielfältigen Teewelt zurechtfinden. „Wir beraten und begleiten alle Kunden, egal, ob sie sich auskennen oder nicht“, sagen Schneider und Bartz. Die Zubereitung sei meist unkompliziert: „Ein Teelöffel pro Tasse, kochendes Wasser drauf und zwei Minuten ziehen lassen“, sagt Schneider. Kaffeegegner sind die beiden nicht. „Die Dosis macht das Gift“, meint Schneider. Für alle, die einen Gang herunterschalten möchten, kann der Wechsel vom Kaffee zum Tee mehr sein als eine neue Geschmacksrichtung – vielleicht der Beginn einer ruhigeren Alltagsroutine.


Teeladen am Chlodwigplatz, Ubierring 4-6, Geöffnet Mittwoch bis Freitag, 11 bis 14 Uhr, 15 bis 18.30 Uhr, Samstag 10.30 bis 15 Uhr