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Alte Liebe rostet nichtKölner Kabarettist Didi Jünemann fährt seit 34 Jahren Alfa Romeo Spider

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Das Bild zeigt Didi Jünemann vor seinem Alfa Romeo Spider.

Didi Jünemann ist seit 1992 dem Alfa-Spider-Virus verfallen, für ihn gibt es kein schöneres Auto unter der Sonne.

Ob ihn sein Oldtimer tatsächlich ans Ziel bringt, weiß Didi Jünemann nie ganz sicher. An seiner Begeisterung für das Auto ändert das allerdings nichts.

Als Didi Jünemann seinen Alfa Romeo Spider am Volksgarten parkt, wird schnell klar: Dieses Cabrio weckt Emotionen, auch bei Jüngeren. „Echt geil“, finden gleich mehrere Jungs einer Schülergruppe, die zufällig vorbeizieht: „Alles richtig gemacht.“ Für Didi Jünemann, Schauspieler, Kabarettist und Mitgründer der Stunksitzung, gab es niemals ein schöneres Auto unter der Sonne als den Spider der von 1969 bis 1982 gebauten zweiten Generation. Bei geöffnetem Verdeck in den Urlaub zu fahren, ist das Größte für den 73-jährigen Kölner. Allerdings, auch das gehört zur Wahrheit, weiß er vorher nie, ob er mit oder ohne Auto wieder zurückkommt. Zu den perfekten Oldtimern gehört sein Alfa nämlich nicht.

  1. Typ: Alfa Romeo Spider Veloce
  2. Baujahr: 1982
  3. PS: 131
  4. Hubraum: 1962
  5. Zylinder: 4
  6. Verbrauch: 9-10 Liter
  7. Km/h max: 190
  8. Neupreis: circa 25.000 D-Mark
  9. Gebaute Exemplare: circa 56.000
Das Bild zeigt das Interieur des Alfa Romeo Spiders.

Das Interieur spiegelt die sportlichen Fahreigenschaften des Alfa Romeo Spider wider.

Deshalb habe ich ihn:

1992 hatte ich einen Schauspielkurs in der Toskana und dachte mir: Komm, du brauchst eine gute Ausstattung, wenn du nach Italien fährst. Kaufst du dir für den Sommer einen Alfa Romeo Spider und verkaufst ihn wieder im Herbst. So bin ich an meinen ersten Spider gekommen, einen roten mit schwarzem Verdeck. Ich finde einfach, dass der Spider ein wunderschönes Auto ist, das schönste auf der Welt. Als ich wieder in Köln war, habe ich ihn einfach behalten. Aber nach zehn Jahren folgte die schmerzliche Trennung durch einen Unfall: Jemand ist mir auf der Neusser Landstraße ins Heck gerauscht. Es gab keine Chance, ihn zu reparieren. Danach war es nicht einfach, Ersatz zu finden. Entweder waren die Autos richtig fein herausgeputzt und für mich unbezahlbar. Oder es waren Wracks.

Das Bild zeigt, was der Alfa Romeo Spider unter der Motorhaube hat.

Spider-Fahrer Jünemann schwört auch auf die Fahreigenschaften seines 44 Jahre alten Wagens, immerhin 131 PS stehen ihm zur Verfügung.

Nach drei Monaten habe ich dann im „Kölner Stadt-Anzeiger“ ein Inserat entdeckt, das die Hängepartie beendete. Angeboten wurde ein Spider aus demselben Baujahr wie der erste, mit ähnlicher Kilometerleistung und ungefähr für den Preis, den ich für den alten von der Versicherung bekommen hatte. Nicht perfekt, aber auch nicht Schrott. Ich setzte mich rein und mir war klar: Hier bin ich zu Hause. Die Vorbesitzerin fing an zu weinen, als sie sich von ihrem Auto trennen musste. Wenn man einen Gebrauchtwagen kauft und der Vorbesitzer heult beim Wegfahren, ist das eher ein gutes Zeichen.

Das kann er

Die ganz große Stärke ist die Ästhetik, die Optik. Ein himmlisches Erlebnis hatten meine Frau und ich beim Camping am Comer See. Als eine Mutter mit ihrem vierjährigen Sohn vorbeikam, rief das Kind: „Mamma, che bella macchina“, also „Mama, was für ein schönes Auto.“ Anderen Menschen Freude zu bereiten, ist ein Teil meines Lebens. Ob es bei der Stunksitzung ist oder mit einer Autofahrt im Cabrio.

Das kann er nicht

Es ist ein wunderbar empfindliches Fahrzeug. Das galt schon für meinen ersten Spider. Auf der Rückfahrt aus Italien fiel mal im Gotthardtunnel der Auspuff runter. In einer Haltebucht habe ich den dann mit einem Ledergurt hochgebunden. Auch mit dem jetzigen Alfa habe ich schon etliche nette Menschen vom Automobilclub kennengelernt. Es ist eben ein 44 Jahre altes Auto, das nicht im perfekten Zustand ist. Besonders tragisch war die Fahrt nach Irland, wo der Wagen richtig schlappgemacht hat. Aber niemand in Irland kannte sich mit der Technik aus. Wir haben dann den Flieger zurück nach Köln genommen, während der Alfa vom ADAC nach Hause transportiert wurde. Man weiß damit nie, wie die Reise endet. Aber ich finde, das Leben kann ruhig auch mal abenteuerlich sein.

Das habe ich für ihn getan

Auf der Bühne habe ich mal mit großer Freude einen Treckerfahrer und Schrauber gespielt. Aber im richtigen Leben habe ich kein Schrauber-Gen. Ich selbst mache also an dem Auto wenig, investiere aber immer wieder. Man muss zum Beispiel alle fünf Jahre das Verdeck erneuern lassen, das ist nicht ewig haltbar. Ich habe ihm vor drei Jahren auch einen neuen Lack spendiert. Als mein alter Mechaniker nicht mehr konnte, habe ich mehrere freie Werkstätten angefragt. Mehrere haben abgewinkt. Alfa Romeo? Nein, nein, nein. Mittlerweile habe ich zum Glück eine gute Fachwerkstatt gefunden.

Das Bild zeigt den Alfa Romeo Spider von vorne.

Wer einen Alfa Romeo Spider sieht, ist gedanklich schon im Urlaub in Italien.

Das haben wir erlebt

An einer völlig überfüllten Tankstelle in Dänemark sprang der Alfa nicht mehr an. Dann bot uns ein Ire seine Hilfe an. Er schaute sich den Motor an und meinte: „I need something like a hammer.“ Da dämmerte es mir schon. Es gibt so einen Trick, dass man mit ein paar Schlägen auf den Anlasser den Motor wieder in Gang bringt. Auch diesmal hat es geklappt, wobei der Ire eine Waschbürste von der Tanke nahm und draufloskloppte. Er freute sich sehr, dass er helfen konnte. Wir uns natürlich auch.

Das haben wir vor

Meine Frau und ich planen unsere Reisen immer sehr kurzfristig, werden aber mit Sicherheit auch in diesem Sommer wieder mit dem Alfa losfahren. Mit offenem Verdeck, wann immer das Wetter es zulässt. Wir waren schon in vielen Ländern unterwegs. Und überall löst der Alfa dieselbe Begeisterung aus. Das ist schon verrückt. Ich werde das Auto fahren, so lange es geht. Und danach übernimmt es vielleicht mein Sohn, mal schauen.

Aufgezeichnet von Tobias Christ