Eine Lösung für das Dauerthema ist weiterhin nicht in Sicht. Das sorgt für Ärger bei allen Verkehrsteilnehmenden.
Gefahr auch für TouristenKölner Rheinufer – Kollisionen zwischen Rad- und Fußverkehr sind programmiert

Am Rheinufer in der Kölner Altstadt kommt es an vielen Stellen zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrenden, hier auf Höhe des Rheingartens.
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Der grauhaarige Herr mit dem Gehstock ist enttäuscht. „Ich dachte, die Deutschen hätten solche Sachen besser im Griff“, sagt er und lacht. Bruno Dickens kommt aus Pennsylvania, mit seiner Bus-Reisegruppe macht er gerade Halt in Köln. Seine ersten Gedanken: Schöner Dom. Schöner Rhein. Doch dann diese Verkehrssituation auf der Rheinuferpromenade. „Crazy“, sagt der US-Amerikaner und schüttelt den Kopf. „Ich kann mich nur alle paar Sekunden umdrehen und hoffen, dass ich hier heil durchkomme.“ Zum Ausweichen sei er schließlich zu langsam.
Rappelvoll ist die Promenade an diesem sonnigen Frühlingsnachmittag. Eine Gruppe englischsprachiger Touristen geht von der Viking Vali an Land, begrüßt von zwei Rennradfahrerinnen, die wenige Zentimeter vor ihrer Nase in Richtung Dom sausen. Selbstbewusst steuert ein junger Mann seine Rikscha durch die Menschenmenge, eine Fußgängerin zuckt erschrocken zusammen, als das Gefährt an ihr vorbeirauscht. Konflikte zwischen Radfahrenden und dem Fußverkehr sind auf der Kölner Flaniermeile am Rhein ein Dauerthema. In diesen Tagen, an denen die Sonne die Kölnerinnen und Kölner wieder nach draußen lockt, in denen Busse und Kreuzfahrtschiffe vermehrt Massen von Touristen am Rheinufer ausspucken, ist das Problem unübersehbar.

Der Radweg endet in nördlicher Richtung am Hotel Maritim.
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„Die Situation hier macht mich sauer“, sagt Ursula Blank, die mit ihrem Rollator auf der Rheinuferpromenade unterwegs ist. Sauer sei sie nicht auf die Radfahrenden, die nun mal den Weg wählen, der sich ihnen bietet. Sondern auf die Politik. „Das Thema ist ewig alt. Und nichts passiert“, sagt die Kölnerin. Die vielen E-Scooter hätten die Situation weiter verschärft. „Es braucht klare Bereiche für den Radverkehr und klare Bereiche für den Fußverkehr“, ist auch Friedhelm Evers überzeugt, der regelmäßig am Rhein spazieren geht und die Situation seit Jahren beobachtet.

Ursula Blank ist sauer, dass es nach wie vor keine Lösung für den Rad- und Fußverkehr am Rheinufer gibt.
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Eine Möglichkeit dafür wäre etwa die Öffnung des Rheinufertunnels für den Radverkehr. Sicherheitsvorschriften verhinderten das Vorhaben bislang. Nur eine Generalsanierung des Bauwerks könnte die nötigen Voraussetzungen schaffen. Im beschlossenen Radverkehrskonzept Innenstadt ist der Tunnel als Lösung vorgesehen. Einen konkreten Zeitplan gibt es nicht.

Auch ein Rikschafahrer rollt durch die Passantenströme.
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Gleiches gilt für den Abschnitt zwischen Schokoladenmuseum und Rheinufertunnel. Pläne für einen dauerhaften Radstreifen lagen bereits vor, Kostenpunkt: 1,6 Millionen Euro. Kurz vor der Kommunalwahl vertagte der Stadtrat die Entscheidung. Das Rechnungsprüfungsamt hatte deutliche Kritik an der Vorlage geäußert und etwa fehlende Nachweise und Gutachten sowie eine nicht schlüssige Kostenberechnung bemängelt. Und auch den temporären Zweirichtungs-Radweg baute die Stadt im November zurück. Die laufenden Kosten – monatlich 3775 Euro – waren der Stadt angesichts der angespannten Haushaltslage zu hoch. Jetzt bleibt den Radfahrenden an dieser Stelle die halbe Breite. Anders als erlaubt, biegen auch stadtauswärts fahrende Radfahrende immer wieder intuitiv auf den schmalen Streifen ab, der dadurch noch enger und gefährlicher wird.
Kein Durchkommen am Rheingarten
Tom Richter quert mit seinem E-Bike auf dem Weg zur Arbeit regelmäßig die Innenstadt. Im Bereich vor dem Tunnel habe der temporäre Radstreifen bis November 2025 gut funktioniert. „Drei Autospuren sind hier auch nicht unbedingt notwendig“, findet Richter. Den direkten Weg am Rhein umfahre er bewusst großräumig. „Da gibt es ja kein Durchkommen.“ Vor dem Rheinufertunnel wähle er lieber den Weg Richtung Heumarkt, vorbei am Maritim Hotel und dann durch die Altstadt.

Tom Richter umfährt das Altstadt-Rheinufer auf dem Weg zur Arbeit großräumig.
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„Die Situation ist für alle schwierig“, sagt Christoph Schmidt, Vorstand des Kölner Kreisverbands des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Wenn der stark touristisch geprägte Fußverkehr auf einen europäischen Radfernweg und den Pendlerverkehr trifft, könne das nicht gut gehen. Eine Besserung sei weiterhin nicht in Sicht. Der Radverkehr sei bei der Planung des Rheinufertunnels schlicht nicht mitgedacht worden. Bereits 2019 hatte der ADFC deshalb die Vision eines Hochradwegs ins Spiel gebracht. „Vielleicht sollte man diese Idee noch mal ernster nehmen“, sagt Schmidt.
„Keine Fläche für Touristen“ in Köln
„Köln präsentiert sich als Touristenstadt, aber liefert keine Flächen, auf denen sich Touristen bewegen können“, ärgert sich Anne Grose, Vorsitzende von Fuss e.V. in Köln. Der Raum, der auf der Rheinuferpromenade vorhanden ist, werde vom Fußverkehr dringend benötigt. Aus ihrer Sicht müsse sich vor allem für den schnellen Radverkehr - Menschen mit E-Bikes oder Rennrädern - eine Lösung finden, den Tunnel nutzen zu können. Auch sie spricht sich für einen dauerhaften Radstreifen zwischen Schokoladenmuseum und Rheinuferstraße in beide Richtungen aus.
Solange Maßnahmen der Stadt auf sich warten lassen, greifen die Verkehrsteilnehmenden auf niederschwelligere Lösungen zurück. „Einfach die ganze Zeit klingeln“, empfiehlt ein Mann auf einem klapprigen Holland-Rad. „Wenn alle klingeln würden, gäbe es weniger Probleme.“ Ebenfalls eine gute Idee zur Entschleunigung: einfach mal absteigen und schieben.

