Rom e.V hat Strafanzeige gegen die Polizei gestellt, die Uniklinik widerspricht den Darstellungen des Vereins.
Rassistische Äußerungen?Polizeieinsatz nach Geburt in Kölner Uniklinik

In der Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Uniklinik kam es zu einem Polizeieinsatz.
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In der Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Uniklinik ist es Anfang Dezember zu einem Polizeieinsatz gekommen, der jetzt weitere Ermittlungen zur Folge hat. Grund ist unter anderem eine Strafanzeige, die Rom e.V. beim Polizeipräsidium Köln gestellt hat.
Angehörige einer Roma-Familie hatten sich an den interkulturellen Verein gewandt und von rassistischen Beschimpfungen und einem unangemessenen Polizeieinsatz nach dem Besuch einer Mutter und ihres Neugeborenen berichtet. Ein Sprecher der Universitätsklinik widerspricht den Angaben von Rom e.V., der außer der Polizei auch dem Klinikpersonal Vorwürfe macht, entschieden.
Rom e.V.: Schwere Vorwürfe gegen Polizei und Uniklinik
Bei einem gemeinsamen Essen der Familie im offenen Foyer des Klinikgebäudes, dem der Kiosk-Betreiber zugestimmt habe, soll eine leitende Ärztin die Gruppe „laut und ohne Begründung aufgefordert haben“, das Gebäude zu verlassen und habe „unverzüglich“ die Polizei alarmiert. Die Einsatzkräfte seien mit großen Diensthunden ohne vorherige Klärung des Sachverhalts „in scharfem Ton“ aufgetreten und hätten Aussagen getätigt, welche die Betroffenen als rassistisch und antiziganistisch empfanden, heißt es in der Mitteilung von Rom e.V. weiter.
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Der Verein hat nach eigenen Angaben die Melde- und Informationsstelle für Antiziganismus (MIA) verständigt, eine Strafanzeige mit Strafantrag und Dienstbeschwerde beim Polizeipräsidium Köln gestellt und eine Beschwerde bei der Uniklinik Köln eingereicht.
Ein Polizeisprecher bestätigt das Vorliegen der Strafanzeige, aber bittet um Verständnis, dass die Behörde mit Blick auf die noch ausstehenden Vernehmungen keine Details zu den bisherigen Ermittlungen mitteilen kann. „Für die Aufklärung des Sachverhalts ist es erforderlich, Beteiligte und Zeugen zu vernehmen. Bodycam-Aufzeichnungen vom Einsatz fließen ebenso wie die Stellungnahmen der eingesetzten Polizistinnen und Polizisten in die Ermittlungen ein.“
Nach Worten des Uniklinik-Sprechers sei es zu mehreren Situationen gekommen, die von Mitarbeitenden sowie von Patientinnen, Patienten und weiteren Besuchenden „als belastend“ empfunden wurden. Die Familie sei „wiederholt und in respektvoller Weise“ darauf hingewiesen worden, die bestehenden Regelungen der Hausordnung zu beachten.
„Da sich die Situation trotz dieser Hinweise nicht entspannte, wurde in Abstimmung mit der Klinikdirektorin auf Grundlage des Hausrechts die Entscheidung getroffen, die Familie zu bitten, den Foyerbereich der Klinik zu verlassen“, so der Sprecher weiter. Da dieser Bitte nicht entsprochen und es zu „angespannten Wortwechseln“ gekommen sei, habe man es als notwendig erachtet, die Polizei hinzuzuziehen, „um die Situation zu beruhigen und um unser Hausrecht durchzusetzen“.
Rom e.V. fordert unter anderem eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls sowie Antidiskriminierungs-, Antiziganismus- und Deeskalationstrainings für Polizei- und Klinikpersonal. Seitens der Uniklinik wird betont, dass man sich entschieden gegen jede Form von diskriminierendem Verhalten wende. Der Sprecher weiter: „Wir erwarten aber auch Respekt für das Wohlbefinden und die Bedürfnisse aller anderen Patientinnen, Patienten, Besuchenden und unserer Mitarbeitenden.“

