Nach dem Veedelsfest „Bunt im Carrée“ gibt sich der Veranstalter selbstkritisch. Zahlreiche Nachbarn beschwerten sich im Netz über Müllberge, Wildpinkler und laute Musik.
„Bunt im Carrée“Sülzer Straßenfest sorgt für Ärger – jetzt reagiert der Veranstalter selbstkritisch

Das Straßenfest „Bunt im Carrée“ wurde geradezu überrannt.
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Am Sonntagmorgen nach der Mega-Sause ist das ganze Viertel verkatert. In den sozialen Medien hagelt es genervte Kommentare und Aufnahmen: Ein Sülzer postet ein Video auf Facebook. Es zeigt die Kreuzung Berrenrather/Sülzburgstraße: Berge von Müll liegen an jeder Ecke, in der Mitte ein riesiger Haufen schwarzer Müllsäcke, daneben eine Lache, bestehend aus einer undefinierbaren Flüssigkeit. Am Vorabend haben zehntausende Menschen beim Veedelsfest „Bunt im Carrée“ auf der Berrenrather Straße gefeiert. Dabei ist manches aus dem Ruder gelaufen und die Hemmschwelle ist weit gesunken.

Wildpinkler bei Straßenfest in Sülz hat ein Anwohner fotografiert.
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Bilder von Männern, die an einer Hecke oder an Häuserwänden stehen und sich erleichtern, sind in einer Sülzer Facebook-Gruppe zu sehen. „An der Einhardstraße haben Hundertschaften in unseren Vorgarten, an die Häuser und in die Hauseingänge gepinkelt“, schreibt ein Mann darunter. „Ich bin echt sprachlos.“ Eine Sülzerin schreibt: „Zwei Tage verwandelt sich Sülz zu einer Freiluft-Pinkel-Orgie. Der Nikolaus-Platz stinkt“.
Eine Veedelsbewohnerin ist enttäuscht: „Wir wollten mit den Kindern auf dem Fest etwas essen, aber es war kein Durchkommen. Das war kein Straßenfest, sondern eine alkoholdurchtränkte Technoparty. Schade, wenn auf Veranstaltungen im Veedel kein Platz für die Leute aus dem Veedel ist.“
Anwohnende bemängeln Müll- und Toilettenkonzept
Ein anderer Nachbar hat nicht gut geschlafen: „Bei uns in der Wittekindstraße haben Leute Reservebierbänke von den Fahrzeugen der Veranstalter demontiert und an unsere Hauswand gestellt. Die habe ich dann die ganze Nacht klopfend bei mir am Fenster gehabt.“ Die Veranstaltungs-Idee bewertet er allerdings positiv: „Ich finde es toll, auch einmal etwas für junge Leute zu tun. Letztes Jahr war das Fest eigentlich ganz nett.“ Ähnlich sieht es ein weiterer Nutzer: „Es war eine super positive Stimmung. Alle haben getanzt, getrunken und hatten Spaß“, schreibt ein Sülzer. „So sollte ein Straßenfest sein.“ Das Müll- und Toilettenkonzept sei allerdings zu bemängeln gewesen.
Die Veranstalter selbst reagieren betroffen: „Ich bin wirklich sehr niedergeschlagen von der Kritik“, schreibt Dylan Stuker, Mitbetreiber des Deli. „Das Fest hat unglaublichen 50.000 Besuchern und Besucherinnen ein tolles Wochenende beschert. Die Kalkulation für ein Straßenfest sei allerdings schwierig. Die Kosten für Infrastruktur lägen im hohen fünfstelligen Bereich. „Wir haben im Vergleich zu letztem Jahr stark investiert, zwei Toilettenwagen und 27 zusätzliche Eventtonnen bei der AWB bestellt. Wir dachten, wir wären gut versorgt. Hätten wir noch mehr geplant und es hätte dann zwei Tage lang geregnet, dann müssten wir ziemlich sicher Insolvenz anmelden“, betont Stuka.
Kosten seien nicht durch Standgebühren zu decken
Die Veranstalter würden es nicht ansatzweise schaffen, alle Kosten durch Standgebühren zu decken, und würden daher selbst dafür Getränkestände betreiben. „Die 50 teilnehmenden Sülzer Einzelhändler und Gastronomen haben wirtschaftlich extrem von dem Straßenfest profitiert“, schreibt Stuka. Das Event habe eine Eigendynamik entwickelt. Trotz guter Vorbereitung seien sie überrannt und überwältigt von der Anzahl an Menschen gewesen. Die Musik am Deli sei am Samstag zu „technolastig“ gewesen.
Das habe wohl zum gesteigerten Alkoholkonsum beigetragen. „Auch hier räumen wir einen Fehler ein“, schreibt Stuka. „Das werden wir in Zukunft anders machen. Ich würde furchtbar gerne ein Glasverbot aussprechen. Ich möchte uns hier nicht rausreden, mir ging das wirklich unglaublich nahe. Wir haben bis circa 3 Uhr morgens die Bordsteine geputzt und dann um acht Uhr am Sonntag weitergemacht.“
Die Veranstalter laden am Dienstag, 12. Mai, um 17 Uhr im Deli, Berrenrather Straße 221, für konstruktive Kritik zu einem Anwohner- und Nachbarschaftstreffen ein.

