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Ur-KölnerinDoris Kupprat aus Dellbrück feiert ihren 100. Geburtstag

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Eine Frau mit weißem Haar und Brille sitzt in einem Sessel und blickt lachend in die Kamera.

Doris Kupprat hat ihr ganzes Leben in Köln verbracht. Am 25. März feierte sie ihren 100. Geburtstag.

Ihr ganzes Leben lang hat Doris Kupprat in Köln verbracht. Am Mittwoch feierte sie ihren 100. Geburtstag und blickt auf ihr Leben zurück.

„Ich bin in Köln geboren, immer in Köln geblieben und ich werde auch in Köln sterben“, sagt Doris Kupprat beim Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ überzeugt und lächelt breit. „Der Rhein ist mein Fluss, da will ich reingeschüttet werden“. Eine treue Seele nennt sie sich selbst, immerhin ist sie Köln nun 100 Jahre lang treu.

Doris Kupprat wird am 25. März 1926 in Köln geboren, geht erst auf die Volksschule, wechselt von der Klosterschule auf die Königin-Luise-Schule. Der Zweite Weltkrieg durchzieht ihre Schulzeit, prägt die junge Kölnerin. „43 sind wir ausgebombt worden“, erinnert Kupprat sich, „Vater war im Krieg und Mutter und ich konnten in Frankenforst in einem Hotel der Kreissparkasse leben, weil sie bei der Bank gearbeitet hatte“. Kurze Zeit danach zog sie zu der Familie einer Klassenkameradin nach Alt-Frankenforst. „Da haben wir das Kriegsende erlebt“. 

Köln-Dellbrück: Doris Kupprat feiert 100. Geburtstag

1944 macht Doris Kupprat Abitur und beginnt, Medizin zu studieren. „Ich wollte immer Doktor werden“, sagt die 100-Jährige. Doch auch die Universität wurde ausgebombt, weshalb die Lehre eingestellt wurde. „Ich konnte beim Nonnenkrankenhaus in Bensberg als Medizinstudentin arbeiten“, erzählt Kupprat, „wenn sich alles normalisiert hätte, wollte ich weiter studieren“. 

Doch als der Krieg vorbei war, waren zunächst andere dran: Heimkehrer, Soldaten, Verfolgte. „Der Professor meinte zu mir, gehen Sie nach Hause, heiraten Sie und kriegen Sie Kinder“, erzählt die Kölnerin, „aber da habe ich gar nicht dran gedacht“. Stattdessen überlegte sie, Hebamme oder Krankenpflegerin zu werden, doch das klappte nicht. „46 stand dann im „Stadt-Anzeiger“, dass Schulhelfer gesucht wurden“, sagt Kupprat. 

„Eigentlich hatte ich immer gesagt, ich werde lieber Klofrau als Lehrerin, aber für meinen Vater war Sicherheit das wichtigste, und wie es so war, hörte man auf den Vater“, erzählt Kupprat. Und so wurde sie nach einer kurzen Ausbildung Schulhelferin. Kupprat machte das Beste draus, machte später eine Ausbildung zur Lehrerin und wurde zunächst überall um Köln eingesetzt, weil sie eine Vespa hatte. „Damit habe ich ordentlich Eindruck gemacht, da hatte ich alle Schüler direkt auf meiner Seite“. 

1954 heiratet Doris ihren Mann Klaus

1954 lernt sie dann ihren Mann Klaus kennen, der als Jurist bei der Stadt gearbeitet hat: „Der hat dafür gesorgt, dass ich nach Köln versetzt wurde, wir wollten ja heiraten und in Köln leben“. So kam sie nach Kalk an die Volksschule, die später in Grund- und Hauptschule aufgeteilt wurde. An der Grundschule blieb sie bis zur Rente. 55 zogen sie nach Brück, 61 nach Dellbrück, wo Kupprat am Mittwoch ihren 100. Geburtstag feiert. 

„Es war schon ein bewegtes Leben“, erzählt Kupprat. 57 und 60 kommen ihre Töchter zur Welt. Weil die Kölnerin berufstätig bleiben wollte, hatten sie immer Kindermädchen. Mit ihrem Mann gründet sie einen Tanzkurs beim Tennisverein in Dellbrück. Mit den Frauen des Kurses entsteht ein Strickkreis, den es heute noch gibt. Als ihr Mann schwer krank wird, pflegt Doris Kupprat ihn. Vorher sind sie leidenschaftlich gerne und viel gereist: „Wenn wir zurückkamen, hat Klaus immer gefragt, wohin es als Nächstes geht, ich durfte entscheiden“, erinnert Kupprat sich. Sie ist neugierig, wollte viel sehen und immer weiter lernen.

Wie man 100 Jahre alt werde? „Indem man ordentlich raucht“, sagt sie lachend, macht sich eine Zigarette an und antwortet dann ernster: „Man hat 100.000 Kleinigkeiten, die muss man nicht so ernst nehmen, aber das Allerwichtigste ist, dass der Kopf klar bleibt, deshalb muss man interessiert und neugierig bleiben“.