Das neue Stück des mobilen „Kölner Geschichtenhaus“ wirbt für Gemeinsinn und Kontakt und gegen Vereinzelung und blinden Technikglauben.
Theater„KI – Kölner Intelligenz“ thematisiert den Einfluss der Digitalisierung auf das soziale Leben

Beim gemeinsamen Karneval-Feiern findet die Stadtgesellschaft wieder zu sich.
Copyright: Bernd Schöneck
„Wir waren noch nie so vernetzt, und zugleich noch nie so einsam“, bringt es einer der Charaktere während der Aufführung auf den Punkt. „Was ist unser Leben wert, wenn alles, was wir tun und sind, vorgegeben wird von Algorithmen?“ Vor lauter Online-Meetings, KI-Anwendungen und virtueller Realität drohe das Direkte, Persönliche, Nahbare, Authentische von Mensch zu Mensch immer mehr verloren zu gehen.
Ein Paradebeispiel ist da Lukas: Frustriert von der Weltpolitik sowie von Umweltproblemen, hat er sein Studium abgebrochen und sich völlig ins Virtuelle zurückgezogen. Umgeben von einem Turm leerer Pizzakartons sowie Arsenalen von Chips- und Energydrink-Dosen hängt er von morgens bis abends vor dem Computer und zockt Ballerspiele. Sehr zum Leidwesen seiner Freundin Sarah, die eigentlich große Pläne mit ihm hegt und eine ganz besondere Überraschung für ihn in petto hat. Doch leider muss sie feststellen, dass er komplett in seiner Cyberwelt aufgegangen ist; nicht einmal die Geburtstagsparty einer Freundin im Odonien motiviert ihn, sein Zimmer zu verlassen.
Technische Dystopie und liebevolles Stadtportrait in einem
Das neue Theaterstück „KI – Kölner Intelligenz“ des mobilen „Kölner Geschichtenhaus“, einer Kooperation vom Bürgerzentrums-Träger Zug um Zug, dem Jobcenter und der städtischen Arbeitsmarktförderung, das am 24. März Premiere in der Scheune des Altenberger Hof feierte, nimmt die Gefahren des zunehmenden Rückzugs ins Digitale in den Fokus. Und ist zugleich ein humoriges Porträt der Stadt und der Eigenarten ihrer Bevölkerung.
Darin hat zunächst „Minos“, eine sehr ausgereifte KI, die De-facto-Kontrolle über die Stadt erlangt. Sie ist Ratgeber, Seelentröster und Lehrmeister in einem – neuerdings sogar über eine Schnittstelle für die Fingerspitze, über die man sich Kenntnisse und Fertigkeiten in sich „hineinladen“ kann, was herkömmliches Lernen überflüssig macht. Und zunehmend schleichen sich, etwa über ein „Social Score“-Punktesystem für Konformismus nach chinesischem Vorbild, autoritäre Tendenzen ein.
Doch inmitten der digitalen Vereinsamung bricht sich die kölsche Seele, mit ihrer Sehnsucht nach Geselligkeit und gemeinsamen Erlebnissen, langsam Bahn – inklusive eines Überraschungsmoments, das den Spielrahmen der Bühne sprengt.
Das Stück „KI – Kölner Intelligenz“ ist am Dienstag, 31. März, sowie Montag, 13. April und Dienstag, 28. April erneut in der Scheune des Altenberger Hof, Mauenheimer Straße 92, zu sehen. Beginn jeweils 18 Uhr, Einlass ab 17.45 Uhr. Die Schlussvorstellung findet am Montag, 4. Mai, um 15 Uhr statt. Eintritt jeweils frei.

