Während der Winterspiele Milano Cortina stellen wir olympische Museumsstücke aus Köln vor – diesmal eine Fackel.
Olympischer MomentEine Flamme als Verbindung zwischen Altem und Neuem

Das Kölner Sport- und Olympiamuseum
Copyright: Alexander Schwaiger
Auf die Fackel aus Birkenholz und Aluminium ist man im Kölner Sport- und Olympiamuseum besonders stolz, denn sie zeigt deutliche Brandspuren und war somit wirklich im Einsatz. Wer sie während des olympischen Fackellaufs vor den Winterspielen 1994 in Lillehammer getragen hat, ist zwar nicht überliefert, aber so ein Original ist viel wert. Heute seien die Fackeln bei den diversen Olympiamuseen weltweit derart beliebt, dass ein reger Handel mit tatsächlich genutzten, aber eben auch mit ungebrauchten Olympiafackeln entstanden sei, sagt der Kölner Kurator Kai Hilger.
Am heutigen Freitag endet im Milano San Siro Olympic Stadium wieder ein Fackellauf und die Winterspiele Milano Cortina 2026 werden mit dem Entzünden des olympischen Feuers eröffnet. Bis zum 22.Februar geht es in Italien für Athletinnen und Athleten aus aller Welt um Höchstleitungen auf Schnee und Eis. Bei uns geht es 17 Tage lang um Ausstellungsstücke, die im Kölner Sport- und Olympiamuseum in der Sonderausstellung „Höher, schneller, kälter!“ zu sehen sind. In unserem „Olympischen Moment“ blicken wir in die Historie der Winterspiele.

Eine Fackel vom olympischen Fackellauf im Vorfeld der Winterspiele 1994 in Lillehammer
Copyright: Alexander Schwaiger
In Lillehammer gab es 1994 einen besonderen Fackel-Moment: Bei der Eröffnungsfeier flog der Skispringer Stein Gruben spektakulär mit Fackel in der Hand von der Schanze. Vielleicht mit jener Fackel, die jetzt in Köln ausgestellt ist. Möglicherweise wurde diese Fackel aber auch durch Köln getragen, denn am 27. Januar 1994 kam das Feuer auf seinem Weg nach Norwegen durch Köln.
Auch damals hatte der olympische Gigantismus Gegner. Mit Lillehammer 1994 rückten die Winterspiele zwischen die Austragungen im Sommer – seit 1924 hatten sie immer im selben Jahr stattgefunden. Und in Köln gab es damals, so berichtet es Sportmuseums-Kurator Kai Hilger, „Sportstudenten, die mit Wassereimern auf Dächern herumlungerten und das Feuer löschen wollten“. Gelungen ist ihnen das der Überlieferung nach nicht.
Bei den Spielen 1912 in Stockholm ist erstmals Feuer Teil der Inszenierung
Weder in der Antike noch bei der Wiedereinführung der Spiele 1896 mit einer Ausgabe in Athen gab es Fackeln und Feuer. Die Organisatoren der Spiele von Stockholm 1912 integrierten erstmals Feuer in ihre Inszenierung, indem sie während der Spiele zu besonderen Anlässen Flammen auf beiden Stadiontürmen anzündeten. So ist es nachzulesen im gerade erschienenen Buch „Olympische Spiele und Olympische Bewegung? Klare Antworten aus erster Hand“ (UVK Verlag München/utb, 27,90 Euro). Geschrieben hat es ein Autorenteam um Stephan Wassong, den Direktor des Zentrums für Olympische Studien und Leiter des Instituts für Sportgeschichte an der Deutschen Sporthochschule Köln.
Während der gesamten Spiele, so wie es heute üblich ist, brannte erstmals 1928 in Amsterdam ein Feuer. Woher genau die Idee stammt, sei nicht bekannt, schreiben die Kölner Autoren. Aber sie habe sofort Anklang gefunden in der olympischen Bewegung, „stand doch schon in der griechischen Mythologie das von Prometheus an die Menschheit übergebene Feuer für Vernunft, Erleuchtung und Freiheit sowie die schöpferische Fähigkeit des Menschen“.
Carl Diem initiiert 1936 den ersten olympischen Fackellauf
Für den Winter übernahm erstmals Garmisch-Partenkirchen 1936 den Brauch mit dem Feuer. Bei den zugehörigen Sommerspielen in Berlin, die genauso im Schatten des nationalsozialistischen Regimes standen, wurde dann die Premiere eines Fackellaufs ausgetragen. Die Idee dafür stammte von Carl Diem, Generalsekretär des Organisationskommitees für die Berliner Spiele von 1936 und elf Jahre später Gründer der Deutschen Sporthochschule Köln.
Er bezeichnete den olympischen Fackellauf als „Sinnbild der Verknüpfung von Altem und Neuem“. Im antiken Griechenland wurden Fackelläufe zu verschiedenen Anlässen durchgeführt, allerdings nicht im Rahmen der antiken Olympischen Spielen. Heute gehört es zwingend dazu, dass im Vorfeld der Spiele das Feuer im antiken Olympia entzündet und per Staffellauf in die Ausrichterstadt gebracht wird. Seit Oslo 1952 auch bei den Winterspielen.
