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107 Wohnungen in ZollstockGenossenschaft sucht Interessenten für soziales Bauprojekt

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Mehrere Erwachsene, zwei Kinder und ein Hund stehen auf einer Wiese. Zwei Männer halten einen Bauplan.

Milan Zurmühlen vom Aufsichtsrat der Mietergenossenschaft, Ralf Leppin und die künftigen Bewohner Mischa und Jamela Stratwerth mit Kindern (v.l.) hoffen, dass der Bau der Wohnungen im kommenden Jahr startet. 

Die Mietergenossenschaft Kalscheurer Weg möchte 107  öffentlich geförderte Wohnungen gegenüber des Südfriedhofs bauen. Doch der Start verzögert sich.

Noch ist es ruhig auf der Wiese am Kalscheurer Weg gegenüber dem Südfriedhof in Zollstock. Doch Jamela und Mischa Stratenwerth hoffen, dass sich das in naher Zukunft ändert und auf der Fläche bald gebaut wird. Die beiden 35-Jährigen möchten hier mit Kindern und Hund in eine Vierzimmerwohnung ziehen.  „Unsere jetzige Wohnung in Raderthal wird auf Dauer zu klein, und wir wollten in der Nähe bleiben. Außerdem überzeugt uns das Konzept des Bauvorhabens mit gemeinschaftlichen Räumen und Gartenflächen. Wir finden gut, wenn nicht jeder abgeschottet für sich lebt“, sagen sie. Sie haben Anteile eines genossenschaftlichen Bauvorhabens erworben und im Januar vergangenen Jahres den Vormietvertrag unterzeichnet.

Alle Wohnungen am Kalscheurer Weg sind öffentlich gefördert

Ihre zukünftige Wohnung ist eine von 107, die die Mietergenossenschaft Kalscheurer Weg errichten will. Das Besondere: Alle Wohnungen sind öffentlich gefördert – ein Konzept, das angesichts des angespannten Kölner Wohnungsmarkts breite politische Unterstützung fand. Die Wohnungen richten sich an Haushalte mit Wohnberechtigungsschein (WBS), sowohl der Einkommensgruppe A als auch – nach Anpassungen im Finanzierungskonzept im Herbst 2023 – der Gruppe B.

Geplant sind Ein- bis Vierzimmerwohnungen, überwiegend barrierefrei, viele mit Balkon. Im Zentrum steht der gemeinschaftliche Ansatz: ein Genossenschaftshaus mit Gemeinschaftsraum, Flächen für Begegnung und Urban Gardening sowie zwei Wohnungen für inklusive Wohngruppen. Auch eine Kita soll entstehen. Drei Gebäude erhalten Aufzüge, bei den übrigen ist eine Nachrüstung möglich. Die Energieversorgung erfolgt über Wärmepumpe und Photovoltaik. Das Quartier mit 15 Gebäuden soll autofrei sein, Stellplätze entstehen am Südfriedhof. Das Grundstück gehört der Stadt, die es der Genossenschaft in Erbbaurecht überlässt.

46,3 Millionen Euro kostet das Projekt

Trotz der ambitionierten Planung kommt das Projekt nur langsam voran. Der Baustart war ursprünglich für 2021 vorgesehen. „Es dauert ganz schön lange. Aber wir sind nach wie vor absolut von unserem Konzept überzeugt“, sagen Ralf Leppin und Georg Brombach vom Vorstand der Genossenschaft. Als Gründe für die Verzögerungen nennen sie planungsrechtliche Voraussetzungen, die die Stadt erst habe schaffen müssen, sowie die Herausforderung für die junge Genossenschaft, die 2017 gegründet wurde, ausreichend Eigenkapital zusammenzubekommen.

Die Gesamtkosten des Vorhabens liegen bei rund 46,3 Millionen Euro. Voraussetzung für die Landesförderung, die die Genossenschaft beantragen will, ist ein Eigenkapitalanteil von zehn Prozent. „Das haben wir zusammen, wenn für alle Wohnungen Vormietverträge abgeschlossen sind und die künftigen Bewohner ihre Anteile vollständig eingezahlt haben“, erklärt Leppin. Für WBS A wurden die Anteile zuletzt von 100 auf 200 Euro pro Quadratmeter erhöht, für WBS B liegen sie bei 900 Euro. Hinzu kommt eine einmalige Eintrittszahlung von 500 Euro. Beim Austritt aus der Genossenschaft werden die Anteile zurückgezahlt.

34 Wohnungen noch zu haben

71 Vormietverträge wurden bereits abgeschlossen, darunter 57 für WBS A und 14 für WBS B. Noch verfügbar sind 34 Wohnungen mit zwei oder drei Zimmern, ein Ein- und die Vierzimmerwohnungen sind bereits vergeben. Die Mieten sind für Kölner Verhältnisse niedrig: 7,85 Euro pro Quadratmeter für WBS A und 9 Euro für WBS B. Für die Landesförderung muss die Genossenschaft zudem ein kostensicheres Angebot eines Generalunternehmers vorlegen. „Das können wir wahrscheinlich ab Mai anfragen, wenn das Leistungsverzeichnis ausschreibungsfähig ist“, so Leppin.

Die lange Wartezeit hat einige Interessenten abgeschreckt. „Etwa acht Vormietverträge wurden wieder aufgelöst. Manche haben akuten Bedarf“, berichtet Leppin. Dennoch sieht der Aufsichtsrat die Genossenschaft stabil. „Unsere Mitglieder haben volles Vertrauen in uns und stehen hinter uns“, sagt Milan Zermühlen. Rund 280 Fördermitglieder unterstützen das Projekt finanziell. „Das sind Menschen, die von unserem Konzept überzeugt sind“, so Zermühlen.

Wann es losgeht, ist offen. Neben der Förderung steht auch die Baugenehmigung noch aus. „Wir wissen nicht, wie lange das dauert. Wir hoffen, dass sie bald kommt“, sagt Brombach. Frühestens 2027 könnten die Bauarbeiten beginnen, so Brombach und Leppin. „Wir freuen uns, wenn es bald so weit ist und wir in unsere neue Wohnung einziehen können und unsere Kinder hier mit Nachbarskindern spielen,“ hoffen die Stratenwerths.


Die Mietergenossenschaft führt regelmäßig Info-Termine für Interessenten mit WBS durch. Die nächsten Termine finden am Montag, 13. April, und am Montag, 4. Mai, statt, jeweils um 19 Uhr im Büro der Mietergenossenschaft, Kalscheurer Weg, Weg V1, 50969 Köln. Anmeldung unter: info@mieterkoeln.de

www.mieterkoeln.de