Zum zehnjährigen Todestag von Guido Westerwelle erinnert sich Alexander Vogel an ihn. Amtsleiter Vogel war einst Westerwelles Büroleiter.
„Freiheit ist kein Geschenk“Kölns Stadtsprecher über das Vermächtnis von Guido Westerwelle

Guido Westerwelle im Jahr 2015
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Vor zehn Jahren ist Guido Westerwelle gestorben. Für viele bleibt er eine prägende Figur der deutschen Politik. Für mich war er vor allem ein Mensch, mit dem ich arbeiten und von dem ich lernen durfte – zuerst im Auswärtigen Amt, später in der Stiftung, die seinen Namen trägt.
Wer Guido Westerwelle nur aus der politischen Debatte kannte, kannte nur eine Seite von ihm. In der täglichen Zusammenarbeit erlebte ich jemanden, der fest daran glaubte, dass Freiheit mehr ist als ein politisches Schlagwort. Für ihn war sie der Kern unserer Gesellschaft – und sie war immer verbunden mit Verantwortung.
Guido Westerwelle: Einsatz für die Freiheit
Ich erinnere mich an viele Gespräche, in denen er betonte, dass Freiheit ohne Eigenverantwortung nicht bestehen kann. Der Staat könne Chancen eröffnen, sagte er oft, aber er könne den eigenen Einsatz nicht ersetzen. Leistung, Mut und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – das waren für ihn keine abstrakten Begriffe, sondern Voraussetzungen für eine offene Gesellschaft.
Auch als Außenminister blieb dieser Gedanke sein Kompass. In Gesprächen mit internationalen Partnern ging es ihm nicht nur um Diplomatie, sondern immer auch um die Frage, wie Freiheit und Menschenrechte gestärkt werden können. Für ihn war klar: Freiheit ist kein Privileg einzelner Länder, sondern ein universeller Anspruch. Nicht ohne Grund zog es ihn auf den Tahrir-Platz und den Majdan.
Auch in der Stiftung lebt dieser Gedanke fort. Dort geht es darum, junge Menschen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen, eigene Ideen zu entwickeln und den Mut zu haben, ihren eigenen Weg zu gehen. Genau das hätte ihm gefallen: Freiheit nicht nur zu verteidigen, sondern sie zu leben.
Guido Westerwelle hat die deutsche Politik über Jahrzehnte geprägt – als Parteivorsitzender, als Außenminister, als streitbarer Demokrat. Aber sein eigentliches Vermächtnis liegt vielleicht in etwas Anderem: in der Erinnerung daran, dass Freiheit kein Geschenk ist. Sie verlangt Einsatz, Verantwortung und Vertrauen in die eigene Leistung.
Zehn Jahre nach seinem Tod bleibt dieser Gedanke aktueller denn je.
Alexander Vogel war von 2011 bis 2013 Referent von Guido Westerwelle im Planungsstab des Auswärtigen Amtes und von 2014 bis 2017 Büroleiter von Guido Westerwelle (bis 2016) und der Westerwelle Foundation.

