Auf der Heimreise machte die Maschine der Qatar Airways plötzlich kehrt. Sie berichtet von nächtlichen Raketeneinschlägen.
„Mitten im Krieg“Kölnerin steckt wegen Iran-Konflikt in Katar fest

Angela B. aus Köln sitzt aufgrund des Kriegs in Iran in Doha, Katar fest.
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Plötzlich mitten in einer kriegerischen Auseinandersetzung: Angela B. gehört zu den etwa 30.000 Personen, die aufgrund der Auseinandersetzung mit dem Iran an Flughäfen, auf Kreuzfahrtschiffen und in Hotels festsitzen.
Sie war auf der Heimreise von einem Urlaub in Thailand. Ihre geplante Flugroute war von Bangkok über Doha nach Düsseldorf, um ihre Familie in Köln zu treffen. Am Samstag, kurz nach dem pünktlichen Start in Doha, kam es zu einem Schock: Die Maschine der Qatar Airways machte kehrt.
„In der Maschine kam plötzlich eine Durchsage: Wegen einer militärischen Intervention müssen wir umkehren. Das war ein Schock. Wir flogen immer wieder große Schleifen, landeten und mussten sofort den Airport verlassen. Ohne Koffer. Das ganze Areal wurde direkt evakuiert. Wir hatten nur die Sachen, die wir am Leib trugen.“
Kölnerin in Katar: Nachts immer wieder Raketeneinschläge zu hören
Die große Anzahl der gestrandeten Reisenden wurde erst in einer Messehalle untergebracht. Am folgenden Morgen organisierte Qatar Airways die Verteilung auf verschiedene Hotels. Die 61-Jährige ist derzeit im Hotel „W Doha“ untergebracht, das am Persischen Golf liegt.
„Es ist so bizarr. Wir sind hier in Doha umgeben von Luxus, Palmen, Hochhäusern und Shoppingmalls. Doch wir sind mitten im Krieg und haben eine verdammte Angst“, erzählt die Ernährungsberaterin.
„Nachts sind immer wieder Raketeneinschläge zu hören. Zwei Kampfjets der Kataris, die unseren Schutzschirm bildeten, wurden vom Iran abgeschossen. Keiner weiß, was nächste Nacht passiert. Keiner weiß, wie lange der Krieg geht. Wir sind im Hotel zwar gut aufgehoben, doch alle Gäste haben einen permanenten Fluchtreflex und wollen nur noch weg. Wir fühlen uns bedroht, Tag und Nacht.“
In dieser Ausnahmesituation haben sich Reisende aus vielen Ländern zusammengetan. Sie organisieren in Gruppen ihren Tagesablauf, treiben Sport oder unternehmen Ausflüge.
Eine Flucht über den Landweg ist riskant
„Wir geben uns eine Struktur, um durchzuhalten. Die Ungewissheit macht dich sonst verrückt. Das Hotel hat Leuten, die arbeiten müssen, kostenlos Laptops zur Verfügung gestellt. Der Service ist top, wir sind in einem malerischen Land, aber die unsichtbare Bedrohung lastet schwer auf uns.“ Währenddessen sind ihr Ehemann und ihre Kinder in Köln sehr beunruhigt und senden ihr fortlaufend die neuesten Entwicklungen. „Den Fernseher einschalten und Nachrichten mit Kriegsbildern gucken – das erträgt hier keiner.“
Angela B. will eine Fluchtroute über Land nicht wagen. „Hier sind wir gut aufgehoben und offiziell registriert. Wir können einfach nur abwarten und auf das Beste hoffen. Es ist und bleibt eine harte Zeit.“ Neue Informationen von einem Vertreter von Qatar Airlines werden für den heutigen Mittwoch um 9.00 Uhr erwartet. Bis dahin steht eine weitere ungewisse Nacht bevor. (red)

