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Kommentar

Banksy enttarnt
Robin Gunningham ist das perfekte Alibi

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Eine Person schrubbt das neueste Kunstwerk des britischen Künstlers Banksy an den Royal Courts of Justice ab, das einen Richter zeigt, der einen Demonstranten mit einem Hammer schlägt.

Eine Person schrubbt das neueste Kunstwerk des britischen Künstlers Banksy an den Royal Courts of Justice ab.

Ist Banksy durch die Reuters-Recherchen entzaubert? Vielleicht hat sich die Kunstfigur aber auch längst von ihrem bürgerlichen Ich gelöst. 

Jahrzehnte glich die Jagd nach der Identität des Straßenkünstlers Banksy den Verrenkungen von Louis de Funès, während dieser als Kommissar Juve dem Meisterschurken Fantomas nachspürte. Banksy war seinen Häschern immer eine falsche Fährte voraus und hinterließ Graffiti als Visitenkarten. Undenkbar, dass er, wie Harald Naegeli, der Zürcher Sprayer, nachts einer Polizeistreife in die Arme laufen würde.

Banksy scheint zwar nicht gefasst, aber immerhin enttarnt worden zu sein

Jetzt scheint das Phantom zwar nicht gefasst, aber immerhin enttarnt worden zu sein. Die Recherche der Agentur Reuters liest sich so überzeugend, wie es bei jemandem möglich ist, der sogar mit dem Auktionshaus Sotheby’s kungelte, um dortselbst ein frisch versteigertes Millionen-Bild zu schreddern. Demnach heißt Banksy bürgerlich Robin Gunningham und nennt sich seit 2008, als ihm die britische „Daily Mail“ schon einmal auf die Schliche kam, David Jones. Zum Verhängnis wurde ihm unter anderem, dass er vor bald 26 Jahren in New York beim Übermalen eines Werbeplakats ertappt wurde und das Schuldeingeständnis mit seinem Geburtsnamen unterschrieb.

Ist Banksy damit entzaubert? Sein Rechtsanwalt versuchte, die Recherche mit genau diesem Argument zu unterdrücken: Sein Mandant werde bald nicht mehr in der Lage sein, Kunstwerke zur allgemeinen Freude heimlich an Mauern zu sprühen. Mit einer Traube Paparazzi am Heck wäre der Überraschungseffekt tatsächlich dahin.

Vielleicht hat sich die Kunstfigur Banksy aber auch längst von ihrem bürgerlichen Ich gelöst und führt ein Eigenleben, beinahe wie Fantomas. Banksy mag als Straßenkünstler begonnen haben, seitdem ist er jedoch in die Höhen der Konzeptkunst aufgestiegen. Wer die Schablonen für seine Motive anlegt, ist für das Konzept hinter Banksy gleich. Auch das Versteckspiel ließe sich weitertreiben. Sollte Robin Gunningham sein Gesicht demnächst auf Partys und Vernissagen zeigen, während seine Schöpfung um die Häuser schleicht, hätte er das perfekte Alibi.