Seit knapp 30 Jahren ist die wahre Identität des weltberühmten Street-Art-Künstlers geheim. Jetzt gibt es neue Erkenntnisse.
Erdrückende BeweiseIst das Rätsel um die Identität von Banksy endlich gelöst?

„Girl with Balloon“ gehört zu den bekanntesten Werken von Banksy.
Copyright: Michael Bause
Seit Jahrzehnten rätselt die Welt über die Identität des Street-Art-Künstlers Banksy. Eine umfangreiche Recherche der britischen Nachrichtenagentur Reuters scheint das Geheimnis nun gelüftet zu haben. Eine Festnahme in New York im Jahr 2000 soll dabei entscheidende Beweise geliefert haben.
Im Rahmen des Projekts „In Search of Banksy“ wurde der weltberühmte Street-Art-Künstler eindeutig als Robin Gunningham identifiziert, der 1973 in Bristol geboren wurde und die Bristol Cathedral School besuchte. Dabei geht es um einen Mann, der bereits vor 20 Jahren mit Banksy in Verbindung gebracht wurde.
Hinweise führen nach Bristol: Recherche enthüllt Identität von Graffiti-Künstler Banksy
Nach der ersten Enthüllung durch die britische Zeitung „Mail on Sunday“ im Jahr 2008 soll Gunningham seinen Namen legal in David Jones geändert haben. Ein Allerweltsname, der ihm seit fast 20 Jahren perfekte Tarnung bietet. Anschließend verschwand der Name Cunningham aus sämtlichen öffentlichen Registern, was äußerst verdächtig ist.
Die von der Nachrichtenagentur Reuters durchgeführte Recherche mit dem Titel „In Search of Banksy“ zur Identität von Banksy begann im Jahr 2022 in der Ukraine. Banksys hatte sieben Kriegsmurals (unter anderem der Badewannen-Mann in Horenka) im Kriegsgebiet hinterlassen. Die Reporter reisten selbst in die Region. Eine Zeugin berichtete ihnen, wie drei Männer in einem Krankenwagen ankamen. Die Journalisten zeigten der Zeugin eine Fotoliste und prüften parallel dazu die Einreisedaten. Massive-Attack-Mitglied Robert Del Naja und Fotograf Giles Duley kamen am 28. Oktober 2022 über Polen. Gunningham tauchte nirgends auf, dafür aber ein „David Jones“ mit Cunninghams Geburtsdatum.
Banksys Identität: Verhaftung in New York liefert Schlüsselbeweis
Der entscheidende Durchbruch gelang den Reuters-Reportern Simon Gardner, James Pearson und Blake Morrison in Manhattan. Sie fanden ein handschriftliches Geständnis von Cunningham aus dessen Verhaftung im Jahr 2000 in New York in bis dahin unveröffentlichten US-amerikanischen Gerichts- und Polizeidokumenten sowie Polizeiakten und Gerichtsdokumente mit Unterschrift und Angaben zur Kaution.
Am 18. September 2000 hatten Polizisten in Manhattan einen Mann dabei ertappt, wie er auf dem Dach des Gebäudes Hudson Street 675 ein Werbeplakat von Marc Jacobs übermalt hatte. Der Festgenommene hatte ein handschriftliches Geständnis unterzeichnet. Sein Name: Robin Gunningham.
Banksys langjähriger Manager Steve Lazarides verriet, dass Banksy vor mehr als 25 Jahren in New York verhaftet wurde, als er eine Werbetafel von Marc Jacobs auf dem Dach eines Gebäudes übermalen wollte. Im Jahr 2019 teilte der Manager ein Foto der unfertigen Tafel auf Instagram. Lazarides bestätigte zudem, er habe persönlich eine legale Namensänderung für seinen Klienten arrangiert.
Identität geklärt? Banksy schweigt
Reuters konfrontierte den Verdächtigen mit den Ergebnissen. Eine Antwort blieb aber aus. Banksy selbst äußerte sich zu den Recherchen nicht. Seine Firma „Pest Control Office“ erklärte lediglich, der Künstler habe „beschlossen, nichts zu sagen“.
Banksy ist auf der ganzen Welt für seine gesellschaftskritischen Schablonen-Graffitis bekannt. Sein Markenzeichen ist die Verwendung von Schablonen, sogenannten Stencils. Diese ermöglichen es ihm, komplexe und wiedererkennbare Motive wie Ratten, sich küssende Polizisten oder mit Bananen bewaffnete Affen schnell und anonym im öffentlichen Raum anzubringen.
Berühmt wurde er nicht nur durch seine Graffiti, sondern auch durch spektakuläre Aktionen, wie das heimliche Einschleusen eigener Werke in renommierte Museen oder die Selbstzerstörung seines Bildes „Girl with Balloon“ direkt nach einer millionenschweren Auktion. (mbr)

