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Kölner PhilharmonieOhne Ohrstöpsel durchs kräftige Tutti

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Außenansicht der Ühilharmonie mit Vordach

In der Kölner Philharmonie war die Prague Philharmonia zu Gast.

Die Prague Philharmonia und Chefdirigent Emmanuel Villaume überzeugen mit Smetana und Dvorák in Köln.

Auch enthusiastischer Beifall konnte die Gastkünstler im Kölner philharmonischen Kontrapunkt-Konzert nicht zu einer Zugabe bewegen. Schade, denn einer der Slawischen Tänze von Dvorák zum Beispiel hätte gut gepasst – nicht nur, weil die Prague Philharmonia unter ihrem französischen Chefdirigenten Emmanuel Villaume generell exzellent spielt, sondern weil die Prager Formation gerade in diesem Metier naheliegend zuhause ist. Das konnte man zuvor an Werken der tschechischen Musikheiligen der nationalen Romantik, Smetana und eben Dvorák, eindrucksvoll erleben.

Im forte wird der Tuttiklang nicht scharf, schrill oder aggressiv

Los ging es mit drei Sinfonischen Dichtungen aus Smetanas „Vaterland“-Zyklus, darunter zu Beginn der unsterblichen „Moldau“. Die Klangkultur des vor gut 30 Jahren gegründeten Ensembles hat sich freilich weniger aus dem 19. Jahrhundert als vielmehr aus der Klassik des späten 18. Jahrhunderts entwickelt, und das hörte man auch jetzt immer wieder – an der Klarheit der Tongebung von den ersten Takten an (mit dem kristallinen Sprudeln der Quellbäche in den Flöten) und an der relativ scharfen Trennung der Klangregister. Ein typisch romantischer Mischklang ist das nicht, und er fehlte dann auch ein bisschen etwa für die impressionistische Magie der Flussnymphenszene.

Das hat mit dem Grundsound des Orchesters und möglicherweise auch mit der Vorstellung im Kopf des Dirigenten zu tun, keineswegs mit der Spielqualität, die, wie gesagt, durchweg hoch ist. Die satte, homogene, beredte, stark zum Gesanglichen neigende Performance der Geigen, der kernig-konturierte Auftritt der Bläser etwa an den Choralstellen von „Tábor“ und „Blaník“, den beiden anderen Smetana-Stücken – all das kam rundum großartig! Im forte wird der Tuttiklang nicht scharf, schrill oder aggressiv, sondern behält stets seine schöne runde Fülle. Da braucht niemand Ohrstöpsel.

Villaumes Leitung war engagiert, dynamisch und detailfroh, einiges wirkte ein wenig buchstabiert – bei Smetana wie beim zweiten Renner des Konzerts, Dvoráks in den USA entstandener neunter Sinfonie. Möglich wurde solchermaßen indes auch die intensive Versenkung in die Poesie der Musik, etwa in den legendären Westernsound des langsamen Satzes (fabelhaft dabei das Solo des Englischhorns). Und die Coda der Sinfonie zeigte, dass auch die „unromantische“ Registertrennung ihre Vorteile haben kann: So deutlich, wie es diesmal der Fall war, hört man nicht immer, dass und wie Dvorák noch einmal die Motive sämtlicher vier Sätze übereinander packt.