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Philipp BrämswigEin Gitarrist der Feinheiten und Farben

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Philipp Brämswig hält seine Gitarre vor der Brust.

Der Kölner Jazz-Gitarrist Philipp Brämswig

Der Kölner Jazz-Gitarrist Philipp Brämswig begeistert mit zwei Trios, wird aber auch als Sideman hochgeschätzt. Aktuell in der Group XXL.

Philipp Brämswig ist Gitarrist, Komponist und Bandleader, und auch wenn bei seinem Namen bislang eher Eingeweihte ins Schwärmen geraten, ist er doch längst eine zentrale Größe des zeitgenössischen Jazz in Köln. Während er gleich zwei vorzügliche Trios leitet, setzt er auch in der Disziplin „Begleitung“ entscheidende Akzente. „Für mich“, sagt die Bassistin Caris Hermes, „bringt Philipp genau die kleinen Feinheiten und Farben in meine Musik, nach denen ich suche. Damit bietet er mir die Freiheit, mich vollständig entfalten zu können.“ Nun ist Brämswig mit der Caris Hermes Group XXL im Kölner Stadtgarten zu erleben.

Als Sideman knüpfte Brämswig zahlreiche künstlerische Beziehungen, wobei er in der Regel mehr ist als „nur“ ein Begleiter: Mit jeder gespielten Note trägt er zum Profil eines Ensembles bei, bereichert es um klangliche Tiefe und Fülle. „Die meisten Bands fragen mich an, weil ich eine gewisse Art des Gestaltens mitbringe“, sagt Brämswig. „Natürlich will ich mich nicht in den Vordergrund drängen, möchte aber gerne am Gesamtprozess teilhaben und mitgestalten. So etwas macht mir großen Spaß.“

Als Sideman knüpfte Brämswig zahlreiche künstlerische Beziehungen

Mit Caris Hermes spielte er in unterschiedlichsten Konstellationen, mal im Trio mit Saxofonist Paul Heller, mal im Quartett mit Heller und Schlagzeuger Niklas Walter. „Das ist spannend und ein wenig anders als das, was ich sonst mache. Die Stücke mit Caris, Niklas und Paul swingen sehr viel mehr, auch die Gestaltung der Solo-Passagen verläuft anders. Besonders von Paul Heller nehme ich viel mit, wenn ich sehe, wie man Sachen anders machen kann, als ich sie von Natur aus machen würde. Das Endergebnis stimmt dann immer.“

Der Gitarrist ist ein so aufmerksamer wie einfühlsamer Tonkünstler, dessen lyrisches Spiel einen in einen Schwebezustand versetzt, bevor es sich im nächsten Moment als rockiges Klanggewitter entladen kann. Mit elegant gewebten Zupfmustern, kristallklar pointierten Melodien und geschmeidig dahinfließenden Tonabfolgen schafft Brämswig Räume für farbenprächtige Stimmungsbilder – eine Kunstfertigkeit, die besonders in Duo-Begegnungen erstrahlt, etwa in feinen Dialogen mit Pianist Billy Test, Saxofonist Stefan Karl Schmid oder Trompeter Matthias Schwengler.

Mit Schmid verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit: „Wir haben uns im Bundesjazzorchester kennengelernt, da habe ich schon seinen Sound bewundert. Es gibt niemanden, der Melodien so schön spielt wie er, es fühlt sich stets sehr tief an.“ Beide spielen im Subway Jazz Orchestra, gemeinsam leiten sie ein Quartett, zunächst mit Robert Landfermann und Jonas Burgwinkel, danach mit David Helm und Fabian Arends. Auch für Matthias Schwenglers Band Soulcrane schrieb Brämswig einige Stücke, „vorrangig von der melodiösen Seite gedacht: keine spektakulären Gitarren-Grooves oder krassen Riffs, vor allem betont sangliche Melodien“.

Aus dem Ensemble von Schlagzeuger Jonas Sorgenfrei ist Brämswig ebenfalls nicht wegzudenken. Aktuell entstand mit „Cracks in the Silence“ (2026) ein klangfein austariertes Stimmungsbild, an dem er einen ähnlich großen Anteil hat wie am Album „Changing Perspectives“ (2025) der Klarinettistin Rebecca Trescher. Im phänomenalen Take „Zaubergarten“ harmoniert seine Gitarre kongenial mit gleißendem Flötenspiel, treibenden Klavier- und Basspassagen sowie dem energetischen Schlagzeug.

Es ist schon eine Message, wenn man überhaupt Jazz spielt, eine Musik, die keinen nennenswerten, marktwirtschaftlichen Überlebensgrund hat
Philipp Brämswig

Die kreative Verbundenheit von Gitarre und Schlagzeug findet sich auch in Brämswigs eigenen Trios: „Für mich ist entscheidend, einen Schlagzeuger zu haben, der in der Lage ist, zu gestalten. Fabian Arends leistet unfassbar elegante Beckenarbeit und breitet einen wunderbaren Klangteppich aus, Thomas Sauerborn unterstützt einen mit unfassbar guten Steady Grooves. Beide haben ihre eigenen Klangvorstellungen und bringen ihre ganz eigene Welt mit.“ Im Philipp-Brämswig-Trio werden er und Arends durch Florian Rynkowskis pulsierenden E-Bass komplettiert, im Mengamo-Trio setzt neben Brämswig und Sauerborn Sebastian Scobel an der Hammond-Orgel hinreißend abenteuerlustige Akzente. „Anfangs hatte sich Sebastian noch eine Orgel von Florian Ross geliehen, inzwischen sind die Stücke mehr Progrock-Jazz-mäßig, dieser progressive Touch macht Mengamo aus.“

Beide Trios glänzen als Seiten ein und derselben Münze. Beim rockigeren, mitunter mit ordentlicher Schärfe gewürzten Mengamo spielt Brämswig Stratocaster-Fender-Gitarre, im Brämswig-Trio setzt er sie neben Jazz- und akustischer Gitarre ein. „Ich komme von der Konzertgitarre, habe viel Rock gehört, Van Halen, Steve Vai, Rage Against the Machine. Irgendwann hat mir ein neuer Gitarrenlehrer dann John Scofield, Pat Metheny und Mike Stern vorgespielt, danach kam die erste Miles-Davis-Platte. Bis ich tradierte Jazz-Größen wie Barney Kessel oder Kenny Burrell richtig cool fand, hat es gedauert, da war ich schon im Studium.“

Inzwischen ist Brämswig als freischaffender Berufsmusiker und Professor für Jazz-Gitarre an der Hochschule für Musik Nürnberg in etliche Verpflichtungen eingebunden. Ein Stück auf dem Trio-Album „Catalyst“ (2024) betitelte er „Die harmonische Umverteilung“, was durchaus einen sozialpolitischen Hintergrund andeutet: „Es ist schon eine Message, wenn man überhaupt Jazz spielt, eine Musik, die keinen nennenswerten, marktwirtschaftlichen Überlebensgrund hat.“ Dass dabei nie die Spielfreude versiegt, beweist er nun in der Caris Hermes Group XXL, unter anderem an der Seite der Bandleaderin, Sängerin Maika Küster, Vibrafonistin Carlotta Ribbe sowie Saxofonist und Gastgeber Paul Heller.


Philipp Brämswig spielt mit der Caris Hermes Group XXL in der Reihe „Paul Heller invites…“ am 8.3. im Kölner Stadtgarten, ab 18 Uhr.