In der ZDF-Nachrichtensendung wird ein nicht gekennzeichneter KI-Clip gezeigt. Scharfe Kritik wird laut. Der Sender bittet um Entschuldigung.
Ärger um Trump-BeitragKI-Video im „heute journal“ verwendet – ZDF entschuldigt sich

Dunja Hayali moderiert im „heute journal“. (Archivfoto)
Copyright: picture alliance/dpa
Erneut ist das ZDF in die KI-Falle getappt: Der Mainzer Sender hat von Künstlicher Intelligenz (KI) generierte Bilder aus einem Beitrag der Nachrichtensendung „heute journal“ nachträglich entfernt. Moderatorin Dunja Hayali führte durch die besagte Sendung.
Auf Anfrage teilten die Macher auf dem Mainzer Lärchenberg mit, die in dem Beitrag zu Einsätzen der US-Migrationsbehörde ICE von US-Präsident Donald Trump vom 15. Februar verwendeten Bilder hätten als KI-generiert gekennzeichnet werden müssen. „Diese Kennzeichnung wurde bei der Überspielung des Beitrags aus technischen Gründen nicht übertragen.“
ZDF entfernt KI-Bilder aus „heute journal“-Beitrag
Auf den Bildern war unter anderem zu sehen, wie eine Frau und zwei Kinder auf der Straße von Einsatzkräften abgeführt werden. Die Redaktion habe den Fehler korrigiert und das Video entsprechend angepasst, hieß es weiter. „In den KI-Grundsätzen des ZDF ist festgelegt, dass KI-generiertes Bildmaterial immer transparent gekennzeichnet wird.“
Erst war die ganze Sendung aus der ZDF-Mediathek verschwunden, inzwischen ist eine geänderte Ausgabe der „heute journal“-Sendung zugänglich. Die KI-Bilder sind darin ersetzt durch andere Videosequenzen und Standbilder. Über Teilen des Beitrags ist ein Balken eingeblendet mit dem Hinweis: „Video aus redaktionellen Gründen nachträglich geändert“.
KI-Video löst Welle der Empörung aus
Zu der Frage, ob der Redaktion zum Zeitpunkt der Ausstrahlung bekannt war, dass es sich bei den verwendeten Bildern um ein KI-generiertes Video handelte, äußerte sich der öffentlich-rechtliche Sender auf Anfrage zunächst nicht.
Der Vorfall sorgt für scharfe Kritik. Auf der Plattform X (ehemals Twitter) äußerte sich der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki: „Eine Sendung, die mit falschem, KI-generiertem Bildmaterial arbeitet, sollte sich eigentlich nicht mehr ‚Nachrichtensendung‘ nennen dürfen.“ Das ZDF habe gestern 3,6 Millionen Zuschauer in die Irre geführt, so Kubicki. „Es ist ein Medienskandal, der uns noch lange beschäftigen wird.“
In einem weiteren Beitrag legte Kubicki dann noch einmal nach und forderte „politische Konsequenzen“ aus dem „ZDF-Skandal“. So sollten die Bundesländer „im ersten Schritt die Rundfunkverträge kündigen“, hieß es weiter von dem FDP-Politiker, der zudem beklagte, der Fehler habe „nicht einmal bei den Verantwortlichen ein Störgefühl“ ausgelöst.
ZDF entschuldigt sich „in aller Form“ für Fehler
Das ZDF hatte sich zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits mit einer Pressemitteilung für die Verwendung des KI-Videos entschuldigt und von „Fehlern“ gesprochen. Die KI-Sequenz „hätte nach den Regeln des ZDF ohne Kennzeichnung und ohne Einordnung so nicht verwendet werden dürfen“, teilte der Sender am Dienstagmittag mit. „Eine weitere Sequenz, in der ein Kind abgeführt wird, ist zwar real, stammt aber aus einem anderen Kontext aus dem Jahr 2022“, hieß es weiter.
„Wir entschuldigen uns in aller Form für diese Fehler“, zitierte das ZDF Anne Gellinek, stellvertretende Chefredakteurin und Leiterin der Aktualität des Senders. „Der Beitrag entspricht nicht unseren Standards und hätte in dieser Form nicht gesendet werden dürfen. Wir haben ihn deshalb von allen Plattformen entfernt und werden auf ‚ZDFheute‘ sowie an gleicher Stelle im ‚heute journal‘ heute Abend korrigierend berichten“, erklärte Gellinek außerdem. (mbr/das/dpa)

