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Aus für Waffenabkommen New StartTrump und Putin spielen mit dem nuklearen Feuer

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Putin und Trump müssen sich nicht mehr an die  Vorschriften des New-Start-Paktes zur Begrenzung strategischer Waffen und Trägersysteme halten.

Putin und Trump müssen sich nicht mehr an die  Vorschriften des New-Start-Paktes zur Begrenzung strategischer Waffen und Trägersysteme halten.

Mit dem Auslaufen des letzten Rüstungskontrollvertrags zwischen den USA und Russland endet eine Ära der nuklearen Begrenzung. Trump und Putin verzichten auf Verantwortung.

Unsere Welt wird gefährlicher, als sie ohnehin schon ist. An diesem Donnerstag endet der einzige verbliebene Rüstungskontrollvertrag zwischen den beiden größten Atomwaffenmächten USA und Russland: das New-Start-Abkommen.

Weder US-Präsident Donald Trump noch Russlands Staatschef Wladimir Putin haben seriöse Anstrengungen unternommen, um eine Nachfolgeregelung für New Start zustande zu bringen. Beide, Trump und Putin, spielen mit dem nuklearen Feuer.

Gigantische Arsenale beliebig hochfahren

Mit dem Wegfall von New Start endet eine Ära des Pragmatismus: Seit mehr als fünf Jahrzehnten bemühten sich die Machthaber in Moskau und die Regierungen in Washington, die Anzahl ihrer strategischen Atomwaffen in Grenzen zu halten. Damit wollten sie die Aufrüstung zügeln und das Risiko eines Nuklearkrieges möglichst klein halten.

Nun brauchen sich Trump und Putin nicht mehr an die lästigen Vorschriften des New-Start-Paktes zur Begrenzung strategischer Waffen und Trägersysteme zu halten. Sie können ihre ohnehin gigantischen Arsenale beliebig hochfahren: Jeder von ihnen verfügt schon heute über weit mehr als 5.000 atomare Sprengköpfe. Die einsatzbereiten Sprengköpfe sollen mit land- und seegestützten Interkontinentalraketen sowie schweren Bombern in ihre Ziele transportiert werden.

Unkalkulierbares nukleares Wettrüsten

Im schlimmsten Fall droht nach New Start ein unkalkulierbares nukleares Wettrüsten, das unaufhörlich knappe Ressourcen verschlingt. Diesen Wettkampf kann niemand gewinnen und stößt die Menschheit immer näher an den Abgrund. Die Logik ist simpel: Je mehr Waffen sich in gegnerischen Lagern befinden, desto größer ist die Gefahr, dass sie tatsächlich zum Einsatz kommen. Sei es gewollt oder aufgrund von technischem oder menschlichem Versagen. Das sogenannte Gleichgewicht des Schreckens bietet keine verlässliche Garantie dafür, dass die Kernwaffen nicht doch Tod und Verderben bringen.

Griff nach der Bombe

Ein Wettrüsten wird nicht auf die beiden alten Widersacher Russland und USA begrenzt bleiben. Schon seit geraumer Zeit schickt sich die drittgrößte Atomwaffenmacht, China, an, zu den beiden Nuklearriesen aufzuschließen. Peking erhöht sein Atomwaffen-Arsenal schneller als jeder andere Staat und ist Schätzungen zufolge bis 2030 in der Lage, ebenso viele Interkontinentalraketen aufzubieten wie Russland oder die USA. Das Aus für New-Start wird die Führung in Peking sicherlich nicht zu einem Herunterschrauben ihrer atomaren Ambitionen bringen. Auch andere Länder könnten nun versucht sein, nach der Bombe zu greifen.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, brachte es einmal auf den Punkt: Es gibt nur eine einzige wirkliche Garantie gegen den Einsatz von Atomwaffen. Und das ist die völlige Eliminierung der apokalyptischen Kriegsgeräte. Doch davon wollen die politischen Lenker der Nuklearmächte nichts wissen.

Ein Kommentar von Jan Dirk Herbermann