Erstmals seit einem halben Jahrhundert sollen Menschen zum Mond fliegen. Bei zukünftigen Missionen könnte Köln eine entscheidende Rolle spielen.
„Artemis II“-Mission startet„Der Weg zum Mond führt künftig über Köln“

Damit Astronautinnen und Astronauten realitätsnah trainieren und sich auf Langzeitmissionen zum Erdtrabanten vorbereiten können, errichteten das DLR und die Europäische Weltraumorganisation ESA gemeinsam die Forschungsanlage Luna.
Copyright: DLR/ESA
Die „Artemis II“-Mission der US-Raumfahrtbehörde Nasa ist für die Nacht zum Donnerstag geplant (18.24 Uhr Ortszeit am Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida/0.24 Uhr in Deutschland). Europäische Astronauten sind nicht an Bord. Bei der Forschung zum Mond und bei der Ausbildung von Astronauten aber ist eine deutsche Stadt entscheidend: Köln.
Denn auf der Mondsimulationsanlage Luna in Köln-Porz trainieren Astronauten, wie man sich auf dem Mond fortbewegt und arbeitet (zum Beispiel, wie man Bodenproben einsammelt). Forscherinnen können Messinstrumente testen und robotische Missionen mit Rovern durchspielen. „Wir hoffen, ein wichtiger Schritt für Missionen zum Mond zu sein“, sagt Petra Mittler, stellvertretende Luna-Projektleiterin. „Der Weg zum Mond führt künftig hoffentlich über Köln.“
Luna-Anlage in Köln ist weltweit einzigartig
Die Mondsimulationsanlage wird vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Weltraumorganisation ESA betrieben. Weltweit gibt es keine andere Trainingseinrichtung dieser Art.

In der realistischen Umgebung der LUNA-Anlage demonstriert der Astronaut im modernen Trainingsanzug die Untersuchung eines sogenannten Points of Interest, einer Stelle am „Mondboden“, die genauer untersucht werden soll. Bild: 1/14, Credit: DLR/ESA
Copyright: In der realistischen Umgebung der LUNA-Anlage demonstriert der Astronaut im modernen Trainingsanzug die Untersuchung eines sogenannten Points of Interest, einer Stelle am „Mondboden“, die genauer untersucht werden soll. Bild: 1/14,
Die simulierte Mondlandschaft, die im ersten Moment wie ein XXL-Sandkasten aussieht, ist eigentlich eine Gesteinswüste. Denn sie besteht nicht aus Sand, sondern aus rund 900 Tonnen Regolith-Simulat, abgebaut aus einem Steinbruch im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis. Es ist dem „Staub“, der die Mondoberfläche bedeckt, zum Verwechseln ähnlich. Genauso fein und scharfkantig. Der „Mondstaub“ ermöglicht es unter anderem, die Beschaffenheit von Raumanzügen zu testen. Die haben zu Apollo-Zeiten stark unter dem Regolith auf dem Mond gelitten: Der Staub setzte sich in Gelenken, Scharnieren und Dichtungen fest und schränkte die Beweglichkeit der Anzüge deutlich ein. Außerdem drang er in mechanische Komponenten der Rover ein und verursachte dort Verschleiß und Funktionsstörungen.
Mond-Landung im Jahr 2028?
Schwierige Lichtverhältnisse auf dem Mond, die geringe Schwerkraft, Lebensmittelanbau und das Übernachten in einer Mondbasis – all das wird schon getestet oder soll bald getestet werden. „Ich habe das Gefühl, Luna wird nie fertig sein. Uns fallen immer wieder Dinge ein, die es noch braucht, die wir noch erforschen müssen“, sagt Mittler.
Derzeit plant die NASA, 2028 auf dem Mond zu landen. Möglich machen soll die Landung das Artemis-Programm, an dem auch Europa beteiligt ist. Die Crew der „Artemis II“-Mission soll den Mond aber erstmal nur umrunden: US-Astronautin Christina Koch (47) wäre die erste Frau auf einer Nasa-Mond-Mission, ihr US-Kollege Victor Glover (49) der erste nicht-weiße Mensch und Jeremy Hansen (50) der erste Kanadier. Kommandant der Mission ist US-Astronaut Reid Wiseman (50).

Die „Artemis II“-SLS-Rakete (Space Launch System) der Nasa mit dem Orion-Raumschiff ist auf dem Startkomplex 39B des Kennedy Space Center zu sehen.
Copyright: John Raoux/AP/dpa
Der in Köln ausgebildete ESA-Astronaut Alexander Gerst wird mitfiebern – im Interview hatte er die „Artemis II“-Crew zuletzt als gute Freunde bezeichnet: „Jede Astronautin und jeder Astronaut freut sich beim Start für seine Kolleginnen und Kollegen, weil man sich eben gut kennt.“ Dennoch träume auch er von einem Flug zum Mond.
Mission kurz vor dem Start
Gerst und Maurer gelten als Mond-Favoriten
Wissenschaftlich und wirtschaftlich seien die Missionen sehr sinnvoll, meint Gerst: „Der Mond birgt viele Geheimnisse, die uns etwa helfen könnten, zu verstehen, wo das Leben auf der Erde herkommt.“ Auch die Abwehr von Asteroiden oder die Auswirkungen von Sonnenstürmen seien vom Mond aus leichter zu erforschen: „Im Hinblick auf die Gefahrenabwehr wird es eines Tages überlebenswichtig für die Menschheit sein, den Mond als Ressource zu nutzen.“
Und möglicherweise spielen Gerst oder sein Kollege Matthias Maurer ab 2028 dann tatsächlich eine Hauptrolle. Denn der erste Europäer an Bord einer „Artemis“-Mission soll ein Deutscher sein. Da sind die beiden erfahrenen Astronauten vom Europäischen Astronautenzentrum (EAC) naheliegende Kandidaten. Luna-Zentrum und EAC in Porz – der Weg zum Mond könnte also wirklich über Köln führen (mit AFP und dpa).

