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Gestrandeter BuckelwalAbtransport von „Timmy“ rollt an – so geht es voran

5 min

Seit Tagen laufen die Vorbereitungen für den Transport des geschwächten Buckelwals zurück ins offene Meer.

Hochspannung an der Ostsee: Wird es dem gestrandeten Wal gelingen, sich zu befreien und ins offene Meer zu gelangen? Ob der Buckelwal am Sonntag wirklich aus seiner misslichen Lage befreit werden kann, ist zunächst noch offen, aber es tut sich was. Im Hafen von Wismar traf bereits am Vormittag der Schlepper „Robin Hood“ ein, der den Meeressäuger in die Nordsee transportieren soll.

Von einer schwimmenden Plattform aus bereiteten Helfer die aufwendige Bergung vor. Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz, der hinter der privaten Rettungsaktion steht, äußerte sich hoffnungsvoll. „Wir sind auf einem sehr guten Weg und liegen im Zeitplan“, sagte Rechtsanwältin Constanze von der Meden von der privaten Rettungsinitiative am Nachmittag. Der Wal habe am Morgen „tolle Reaktionen“ und viel Lebensenergie gezeigt. Es werde auch nicht ausgeschlossen, dass sich der rund zwölf Meter lange Meeressäuger aus eigener Kraft freischwimme. In diesem Fall greife „Plan B“.

Buckelwal „Timmy“ lebt noch immer – nächster Rettungsversuch steht an

Dem Buckelwal solle die für den Transport benötigte Plane vorgelegt werden, wie ein Teammitglied der privat finanzierten Rettungsaktion am Morgen der Deutschen Presse-Agentur in Kirchdorf sagte. Dann müsse man sehen, wie er darauf reagiere.

Ein Arbeitsponton mit einem speziellen Bagger und kleinere Begleitboote sind in der Nähe des gestrandeten Buckelwals vor der Insel Poel im Einsatz.

Ein Arbeitsponton mit einem speziellen Bagger und kleinere Begleitboote sind in der Nähe des gestrandeten Buckelwals vor der Insel Poel im Einsatz.

In Livestreams im Internet war am Sonntagnachmittag zu sehen, wie mithilfe eines Baggers auf der schwimmenden Plattform offenbar weiter Sand unter dem Tier abgepumpt wurde. Laut NDR-Reportern hatten zwei Taucher vor dem Wal Plane und Netz ausgerichtet, die Teil der Transportkonstruktion sind. 

Buckelwal in Ostsee gestrandet: So läuft die Rettung am Sonntag

Hoffnung kommt auch vom Wasser: Der Pegel könnte in den kommenden Stunden um bis zu 60 Zentimeter steigen. Bereits einmal hatte der Wal die Chance genutzt und sich selbstständig freigeschwommen – kehrte danach aber wieder zurück und strandete erneut.

Die Netzplane, auf der das Tier zwischen Pontons in die Nordsee und in den Atlantik transportiert werden soll, sei im Wasser und auch in Sichtweite des Wals, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) auf der Insel Poel am Sonntagnachmittag.

Am Vormittag hatten sich Mitglieder des Rettungsteams im Hafen länger mit den Behörden und der DLRG besprochen. Seit Tagen gibt die private Initiative kaum Auskunft über den genauen Zeitplan – nach eigener Aussage auch, um das Team vor äußerem Druck zu schützen. Bislang sind weder konkrete Angaben zum Ablauf noch Details zu den laufenden Arbeiten auf der Plattform bekannt.

Unterdessen bereitete sich die Besatzung des Schleppers „Robin Hood“ im Hafen von Wismar auf ihren Einsatz vor. Der Schleppkahn aus Stralsund soll den Buckelwal von der Ostsee in die Nordsee ziehen. Kapitän Martin Bocklage sagte der „Bild“-Zeitung: „Ich freue mich auf diese neue Herausforderung und warte nur noch darauf, dass es endlich losgeht.“

Wal „Timmy“ lag am Sonntagmorgen regungslos in der Bucht

Der Wal selbst lag am Vormittag weitgehend bewegungslos in der Bucht, in der das Wasser in seiner Nähe etwa brusthoch ist. Am frühen Morgen war er ein wenig aktiver und bewegte seine Schwanzflosse so, dass sie außerhalb des Wassers zu sehen war.

Zwischen dem Hafen in Kirchdorf und dem vor der Insel Poel liegenden Wal waren DLRG-Boote unterwegs, die auch zur Sicherung des Einsatzpersonals vor Ort sind. Insgesamt sind fünf DLRG-Boote und ein Jet-Ski am Hafen von Kirchdorf und etwa 20 DLRG-Kräfte rund um den Buckelwal im Einsatz.

Geldgeber hoffen auf Kooperation des Wals

Die Rettungsaktion wird von Unternehmerin Karin Walter-Mommert und Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanziert. In der „Bild“-Zeitung sagte Gunz, dass die Aktion, ihn in die richtige Richtung zu bewegen, am Sonntag beginnen soll. „Wir hoffen sehr, dass er wie bisher gut mitmacht und erkennt, dass wir ihm helfen wollen.“

Eine der Tierärztinnen, die den Wal im Auftrag der Initiative betreut und äußerlich untersucht hat, hatte sich am Samstag vorsichtig optimistisch geäußert: Das Tier habe eine reelle Chance. Die Lage sei jedoch schwierig, erklärte Veterinärin Janine Bahr-van Gemmert, die auf Föhr ein Robbenzentrum leitet, bei einer Pressekonferenz im Hafen von Kirchdorf.

Tierärztin: „Wir machen das Beste für den Wal!“

Kritik von Wissenschaftlern und anderen Fachleuten an der Aktion wies Bahr-van Gemmert entschieden zurück: „Diese Leute haben diesen Wal ja nicht gesehen. Wir haben ihn vor Ort gesehen.“

Wissenschaftler, Fachleute von Behörden sowie Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen waren sich nach umfassender Prüfung zuletzt einig, dass der Wal Ruhe brauche und weitere Eingriffe dem Tier massive Schäden zufügen würden. Der Buckelwal sei orientierungslos und so schwach und geschädigt, dass er die Heimreise nicht schaffen werde.

Ein Helfer korrigiert den Wasserstrahl zur Befeuchtung des Rückens des gestrandeten Buckelwals vor der Insel Poel.

Ein Helfer korrigiert den Wasserstrahl zur Befeuchtung des Rückens des gestrandeten Buckelwals vor der Insel Poel.

Bahr-van Gemmert und der Rest des Teams sind jedoch überzeugt: „Wir machen das Beste für den Wal.“ Helfer hatten unter anderem versucht, das Maul des Tieres zu kontrollieren. „Es sollte geguckt werden, ob noch ein Stück Netz in den Barten ist“, sagte die Tierärztin weiter. Das sei jedoch nicht gelungen. Außerdem legten sie wieder schützende Decken mit Zinksalbe auf die geschädigte Haut des geschwächten Tieres.

Wal soll mit schwimmenden Plattformen transportiert werden

Die Aktion wird vom Umweltministerium beobachtet und eng mit Behördenvertretern abgestimmt. Geplant ist, dass unter den Wal eine zwischen Pontons – also schwimmenden Plattformen – befestigte Plane geführt wird. Damit soll er aus dem flachen Bereich geborgen und später Richtung Nordsee gebracht werden.

Die Pontons sollen dazu von einem Schlepper an einer langen Leine gezogen werden. Messungen des Umweltministeriums zufolge ist der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch. (afp/dpa/mbr)