Super Mario kennt die ganze Welt, aber seinen Erfinder kaum jemand. Dabei wird der japanische Videospiel-Pionier als „Steven Spielberg der Games-Branche“ bezeichnet.
Der „Steven Spielberg der Videospiele“Dieser Mann hat Super Mario erfunden

In „Der Super Mario Galaxy Film“ erleben der Klempner Mario und sein Bruder Luigi das nächste Leinwandabenteuer. Der Animationsfilm ist ab 1. April in den deutschen Kinos zu sehen. (Bild: Nintendo/Universal Studios)
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Kleiner Klempner - ganz groß: Als Super Mario Anfang der 1980er-Jahre das Licht der virtuellen Arcade-Welt erblickte, hatten die wenigsten das als Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte gewertet. Und sicher wird nicht einmal Marios Erfinder geahnt haben, dass er auf eine Goldader gestoßen war, als er der Kult-Figur damals ihre ersten Konturen verliehen hatte.

Der Vater von Super Mario: Der japanische Videospiel-Entwickler und Konsolen-Designer Shigeru Miyamoto erfand den Charakter für Nintendos Arcade-Spiel „Donkey Kong“ aus dem Jahr 1981. (Bild: Nintendo)
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Super Mario, der unerschrockene Held, fand erst schrittweise zu seiner wahren Gestalt und seinem wahren Selbst. Angefangen hatte seine Karriere als Nemesis des Titel gebenden Gorillas in dem 1981 veröffentlichten Arcade-Spiel „Donkey Kong“, das den Aufstieg des japanischen Konsolen- und Videospiel-Herstellers Nintendo zum Weltkonzern einleiten sollte.
In „Donkey Kong“ war Mario noch namenlos, allenfalls nach seiner Spieleigenschaft wurde er bezeichnet: Jumpman. Außerdem war er kein Klempner, sondern ein Tischler, der eine Freunden aus den Klauen eines Gorillas, eben von Donkey Kong, befreien musste. Das tat er in fast vollendeter Montur: in blauem Hemd, roter Latzhose, deren Farben später vertauscht wurden, dazu eine rote Kappe und der alles überstrahlende Schnurrbart.

Der Jumpman in Rettungsmission: Im Arcade-Spiel „Donkey Kong“ muss der erst später Mario getaufte Held eine Freundin aus den Fängen eines Gorillas befreien. (Bild: Michael Eichhammer)
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Erfunden und bald verfeinert hatte den Videospielhelden, wie übrigens auch Donkey Kong, der japanische Videospiel-Entwickler und Konsolen-Designer Shigeru Miyamoto. Der studierte Industriedesigner war 1977 zu Nintendo gestoßen und wurde für den Konzern zu einem prägenden Mitarbeiter und vor allem: einem ungeheuren Erfolgsbeschleuniger.
Wie Super Mario zu sich selbst fand

Auch das war im „Donkey Kong“-Spiel anders: Super Mario war nicht Klempner, sondern Tischler. (Bild: Nintendo)
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Einen Mitarbeiter wie Miyamoto hatte Nintendo dringend nötig. Das Unternehmen hatte sich seit Ende des 19. Jahrhunderts auf die Herstellung von Spielkarten spezialisiert, stieg jedoch in den 1970-ern - nach stetig sinkenden Umsätzen - in den Videospiel-Sektor ein. Der Wechsel war geglückt, doch die Expansion in die USA blieb hinter den Erwartungen zurück. Das 1979 gegründete Tochterunternehmen Nintendo of America strauchelte, auch weil seinen Arcade-Geräten ein zugkräftiges Spiel fehlte.
Zu Gamechangern wurde erst Miyamotos King-Kong-Verschnitt Donkey Kong und der Jumpman. Dank der Popularität des Spiels „Donkey Kong“ wurden ab 1981 mehr als 65.000 Arcade-Automaten verkauft - womit nicht nur Nintendo of America in den Vereinigten Staaten den ersehnten Durchbruch feiern durfte, sondern auch Klempner Mario zu seinem weltweiten Siegeszug ansetzte.

Shigeru Miyamoto ist auch bei der Entwicklung der „Super Mario“-Filme involviert. Sowohl bei „Der Super Mario Bros. Film“ als auch bei „Der Super Mario Galaxy Film“ wirkte er als Produzent. (Bild: 2023 Getty Images/Amy Sussman)
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Bis der aber seine wahre Identität finden sollte, musste noch etwas Zeit vergehen. 1982 in dem „Donkey Kong“-Nachfolger „Donkey Kong Jr.“ hieß der Jumpman aber schon Mario, und im Arcade-Spiel „Mario Bros.“ von 1983, Marios erstem Videospiel als Protagonist, war er nunmehr ein Klempner, der mit seinem Bruder Luigi unterirdische Rohrleitungen von allerlei Getier, Schildkröten oder Krabben, befreien musste.
Der Erfolg von „Donkey Kong“ begründete aber auch die Ausnahmekarriere von dessen Schöpfer. Miyamoto sollte in den nächsten Jahren zu einem der einflussreichsten Videospiel-Entwickler überhaupt aufsteigen. Und zu einem der erfolgreichsten. Laut „Guardian“ konnte Nintendo bis heute mehr als eine Milliarde Exemplare mit seinen Figuren an den Mann bringen. Dass er als „Steven Spielberg des Videospiels“ gilt, überrascht daher nicht.
Super Mario wird doch zum Leinwandhelden

Hier posierte Mario-Erfinder Shigeru Miyamoto im Jahr 2023 im Themenpark „Super Nintendo World“ in den Universal Studios mit den Hauptfiguren von „Der Super Mario Bros. Film“, Prinzessin Peach und Super Mario. (Bild: 2023 Getty Images/Rodin Eckenroth)
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Wie Spielberg ist auch Miyamotos Arbeitseifer unermüdlich. Noch immer hat der Videospiel-Pionier eine federführende Funktion bei Nintendo, wenn er auch keine Spiele mehr entwickelt, sondern deren Entwicklung allenfalls betreut. Dazu ist der 73-Jährige maßgeblich am Bestreben des Konzerns beteiligt, neue Geschäftsfelder zu erschließen, etwa durch die Vernetzung mit anderen Branchen.
„Mir geht es darum, einzigartige Möglichkeiten für Nintendo zu finden“, sagte Miyamoto 2023 in einem Interview mit dem „Guardian“. Zu diesen „Möglichkeiten“ gehören neben den „Super Nintendo World“-Themenpark in den Parks der Universal Studios auch die Animationsfilme, die Nintendo neuerdings neben dem Filmstudio Illumination Entertainment produziert.
Mit dem Vorhaben waren die Konzerne vor drei Jahren durchaus ein Risiko eingegangen. Immerhin war 1993 der erste Versuch in Hollywood, mit „Super Mario Bros.“ die Abenteuer von Mario und Luigi auf die große Leinwand zu übertragen, trotz Starbesetzung spektakulär gescheitert. Diesmal aber hatte sich das Wagnis gelohnt.
Die Neuverfilmung von 2023, „Der Super Mario Bros. Film“, war mit mehr als 1,3 Milliarden Umsatz weltweit ein sensationeller Erfolg, und auch der Nachfolger „Der Super Mario Galaxy Film“ (Kinostart 1. April) hat beste Aussicht, ein Blockbuster zu werden. Woher die Zuversicht? Weil zum Produzentenstab auch diesmal der Spielberg des Videospiels gehört, Shigeru Miyamoto. (tsch)
