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Frollywood statt HollywoodWarum US-Stars wie Angelina Jolie nach Frankreich ziehen

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78. Filmfestival Cannes - Trophee Chopard Party

Auch Angelina Jolie kann sich ein Leben in Frankreich vorstellen. (Archivfoto)

Eine wachsende Zahl amerikanischer Prominenter, darunter Angelina Jolie, wendet sich von Hollywood ab. Die Gründe für die Attraktivität Frankreichs und der Einfluss der US-Politik werden beleuchtet.

Paris – Eine zunehmende Anzahl von Schauspielern und Regisseuren aus den USA, wie Angelina Jolie, Jim Jarmusch, Matt Dillon, Woody Harrelson und Kristen Stewart, wird von Frankreich angezogen. Dieses Phänomen, eine Kombination aus „France“ und „Hollywood“, ist inzwischen als «Frollywood» bekannt. Dabei hat sich Paris von einer reinen Filmkulisse zu einem wichtigen Standort entwickelt.

Zahlreiche amerikanische Kunstschaffende, einschließlich Wes Anderson, Sofia Coppola und Natalie Portman, haben sich temporär oder permanent in Paris niedergelassen. Auch Angelina Jolie erwägt seit den Dreharbeiten zu Alice Winocours Film «Coutures» im Jahr 2025, ihren Wohnsitz in die französische Hauptstadt zu verlegen. Laut Berichten der Deutschen Presse-Agentur (dpa) äußerte die Darstellerin gegenüber der Zeitung «Le Journal du Dimanche» den Wunsch, bald wieder nach Paris zu kommen. „Ich habe nur einen Wunsch: bald für einen neuen Film zurückzukommen.“ Sie sei an einem Karrierepunkt angelangt, an dem sie das Gefühl habe, in Europa und insbesondere in Frankreich als Frau sowie als Künstlerin mehr Wertschätzung zu erfahren. Jolie verkörpert in «Coutures» eine Regisseurin aus Amerika.

Französische Produktionen werden zur Regel

Die Mitwirkung amerikanischer Berühmtheiten in französischen Filmen nimmt stetig zu. Diese Entwicklung wird durch einen Blick auf die Besetzungslisten künftiger französischer Autorenfilme untermauert: So ist Matt Dillon in Claire Denis' «Le Cri des gardes» zu sehen, während Woody Harrelson und Kristen Stewart für einen Film von Quentin Dupieux engagiert wurden.

Die Ära, in der eine Vorliebe für Frankreich in Hollywood als selten galt – wie beispielsweise bei Regisseuren wie Woody Allen – ist offenbar beendet. Für Segmente der Filmindustrie entwickelt sich Frankreich heutzutage zum Arbeitsplatz und teilweise zu einer echten Alternative. Dies trifft auch auf Jim Jarmusch zu. Wie der Kult-Filmemacher dem Radiosender France Info mitteilte, hat er bereits die französische Staatsbürgerschaft beantragt. Als Grund nannte er: „Ich möchte einen anderen Ort haben, an den ich mich aus den USA zurückziehen kann.“ Nach New York sei Paris seine zweite Heimatstadt.

Jim Jarmusch

Jim Jarmusch hat einen Antrag auf die französische Staatsbürgerschaft gestellt. (Archivfoto)

Vor kurzem erhielt ebenfalls George Clooney zusammen mit seiner Familie die französische Staatsbürgerschaft. Seine Motive sind allerdings anderer Natur: Das ausgedehnte Anwesen des Schauspielers in Südfrankreich soll ihm ein Privatleben abseits des Interesses von Paparazzi ermöglichen.

Die Filmindustrie in Hollywood im Wandel

Wie sehr Hollywood unter Anspannung steht, wurde durch die Streiks im Jahr 2023 verdeutlicht. Kernpunkte der Auseinandersetzung waren rückläufige Erträge in der Ära des Streamings, prekäre Arbeitsbedingungen sowie die Befürchtung zahlreicher Filmschaffender, durch aufkommende Technologien wie Künstliche Intelligenz an Relevanz einzubüßen. Filmstudios planen den Einsatz von KI für die Erstellung von Drehbüchern und die digitale Vervielfältigung von Darstellern.

Der Regisseur Jean-Jacques Annaud («Der Name der Rose») beschreibt eine «Lähmung», welche die Realisierung von Projekten immer stärker behindere. Gegenüber dem französischen Radiosender RTL wies der 82-jährige Filmemacher außerdem auf eine Zuspitzung der Situation durch die politischen Gegebenheiten in den USA unter Präsident Donald Trump hin. Laut Annaud werden die Studios heutzutage weniger von passionierten Cineasten geleitet, sondern vermehrt von Führungskräften aus der Finanzbranche.

Frankreichs Reiz und Hollywoods schwindender Einfluss

Die Filmemacherin Rebecca Zlotowski aus Frankreich sieht in der Trump-Präsidentschaft zwar einen Faktor, der ein kulturelles Exil fördert, jedoch spiegele die steigende Attraktivität Frankreichs auch den Bedeutungsverlust Hollywoods wider. Symbolisch für diesen Abstieg sei ein katastrophaler Brand in Los Angeles im Jahr 2025, erläuterte sie der Zeitung «Le Monde». Im April startet ihr aktueller Film «Paris Murder Mystery» mit Jodie Foster in der Hauptrolle in den Kinos in Deutschland.

Einen strukturellen Umbruch erkennt darin auch der Produzent Charles Gillibert. Er erklärte ebenfalls gegenüber «Le Monde», dass Hollywood vermehrt auf Marken und berechenbare Kassenschlager baue, während in Frankreich die Regiearbeit als individuelle künstlerische Signatur weiterhin eine hohe Bedeutung habe. Filmaufnahmen seien dort häufig weniger eingeschränkt, jedoch auch mit höheren Risiken verbunden. Gleichzeitig besitzt Frankreich ein robustes Filmfördersystem, das steuerliche Vorteile, ein engmaschiges Netz an Kinos, bedeutende Festivals sowie ein ausgesprochen filminteressiertes Publikum umfasst. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.