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„House of Horrors“Turpin-Kinder sprechen erstmals über jahrelangen Missbrauch ihrer Eltern

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Die Familie posiert.

Die Turpin-Familie auf einem von den Eltern veröffentlichten Foto: Hinter der scheinbar intakten Fassade verbarg sich jahrelanger schwerer Missbrauch von 13 Kindern. (Archivbild)

2018 erschütterte der Turpin-Fall die Welt. Nun sprechen die jüngsten Geschwister erstmals öffentlich über Missbrauch und die Folgen danach.

Der Fall der Turpin-Familie sorgte 2018 weltweit für Entsetzen, als bekannt wurde, dass 13 Kinder über Jahre hinweg in einem Haus in Kalifornien schwer misshandelt und isoliert worden waren. Die Geschichten aus dem sogenannten „House of Horrors“ gingen um die Welt und machten den Fall zu einem der erschütterndsten Missbrauchsskandale der vergangenen Jahrzehnte.

True Crime: Diane-Sawyer-Special beleuchtet Folgen des „House of Horrors“

Fast acht Jahre nach ihrer Befreiung melden sich drei der jüngsten Geschwister der Turpin-Familie erstmals öffentlich zu Wort. Wie „People“ berichtet, schildern sie in einem TV-Interview jahrelange Gewalt, systematischen Hunger und völlige Isolation im Elternhaus.

Insgesamt 13 Kinder im Alter zwischen zwei und 29 Jahren waren bis 2018 von ihren Eltern David und Louise Turpin misshandelt und kontrolliert worden. Die Kinder lebten abgeschottet von der Außenwelt, wurden geschlagen, ausgehungert und teils an Betten gekettet oder in Käfige gesperrt. Die Rettung gelang erst, nachdem die damals 17-jährige Jordan Turpin aus dem Haus fliehen und die Polizei verständigen konnte.

David und Louise Turpin Mugshots.

David und Louise Turpin nach ihrer Festnahme im Januar 2018: Das Elternpaar wurde wegen schwerer Misshandlung und Gefährdung seiner 13 Kinder angeklagt und später verurteilt. (Archivbild)

Die Aussagen sind Teil eines einstündigen Fernseh-Specials mit Diane Sawyer, das sich nicht nur mit den Verbrechen der Eltern, sondern auch mit den langfristigen Folgen für die Kinder befasst und in den USA nach der TV-Ausstrahlung auch bei Hulu abrufbar ist. David und Louise Turpin wurden später wegen zahlreicher schwerer Straftaten, darunter Kindesmisshandlung, Folter und Freiheitsberaubung, zu lebenslangen Haftstrafen mit einer Mindestverbüßungszeit von 25 Jahren verurteilt.

Turpin-Kinder sprechen eindringlich über Gewalt in der Familie

In dem Interview berichten die jüngsten Geschwister eindringlich von den körperlichen und psychischen Spuren der jahrelangen Gewalt und davon, wie schwierig der Weg in ein selbstbestimmtes Leben nach der Befreiung war. „Wir sind dort buchstäblich am Hungern gestorben – und sie wusste es“, sagt eine der Schwestern rückblickend über die Zeit im Elternhaus.

Ihr Bruder James schildert, man habe alles darangesetzt, ihn zu brechen; es habe sich angefühlt, als sei genau das das Ziel gewesen. Auch nach der Rettung sei das Gefühl von Sicherheit lange ausgeblieben, berichten die Geschwister. In einem Moment fragt eine von ihnen verzweifelt, warum andere Menschen eine Familie haben dürften – und sie selbst nicht.

Pflegefamilie als neues Trauma nach der Rettung

Denn der Albtraum endete für einige der Kinder nicht mit der Rettung. Nach Angaben von „People“ kamen die sechs jüngsten Geschwister in eine Pflegefamilie, in der es erneut zu massiven Übergriffen kam. Ein Anwalt der Turpin-Geschwister erklärte, die Erfahrungen in der Pflege seien für manche „schlimmer“ gewesen als das Leben im Elternhaus. Jolinda fasst es weinend als „Albtraum“ zusammen.

Die Pflegeeltern Marcelino und Rosa Ol. sowie deren erwachsene Tochter Lennys O. wurden später angeklagt und bekannten sich in mehreren Punkten schuldig, darunter wegen Kindesmisshandlung, Freiheitsberaubung und sexueller Übergriffe. Mit ihrem öffentlichen Auftritt wollen die Turpins auf Versäumnisse im US-Pflegesystem aufmerksam machen.

Hulu selbst ist in Deutschland nicht verfügbar. Inhalte des US-Streamingdienstes erscheinen hierzulande in der Regel zeitversetzt über Disney+, meist im Bereich „Star“, sofern die Rechte für den deutschen Markt vorliegen. Ob das Diane-Sawyer-Special zum Turpin-Fall dort veröffentlicht wird, ist bislang nicht bestätigt.