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„Menschen an die Hand nehmen“Iris Berben kritisiert „brachiale“ Wokeness

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Iris Berben zeigte sich als „Maischberger“-Gast besorgt um den Zustand von Gesellschaft und Demokratie. (Bild: WDR / Oliver Ziebe)

Iris Berben zeigte sich als „Maischberger“-Gast besorgt um den Zustand von Gesellschaft und Demokratie. (Bild: WDR / Oliver Ziebe)

Für die Demokratie sei es wahrscheinlich schon „nach zwölf“, warnte Iris Berben am Mittwoch als Gast im ARD-Talk „Maischberger“.

Sozialisiert in den 60er-Jahren ist Iris Berben nicht nur eine der erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen ihrer Generation, sondern auch einer der politisch meinungsstärksten. Als Gast der ARD-Talkshow „Maischberger“ stellte sie in einem vorab aufgezeichneten Interview am Mittwochabend im Ersten ihren neuen Kinofilm „Ein fast perfekter Antrag“ vor. In dem Zusammenhang kam sie auf Fragen der Diversität zu sprechen.

Zu Männern, die sich heute noch frauenfeindlich äußern, äußerte die 75-Jährige den Verdacht: „Ich glaube, manchmal überfordert man sie mit den Einforderungen, die man hat, wie man zu sein hat, weil die nur Schlagworte hören.“ Zu sagen: „Du bist gecancelt“, sei zu wenig. Berben ist überzeugt: „Du musst eine Menge Menschen an die Hand nehmen und ihnen eine Menge erklären.“

Auf die Frage von Moderatorin Sandra Maischberger, ob die Wokeness-Bewegung zu schnell und zu massiv gewesen sei, antwortete ihr Gast: „In meinen Augen ja.“ Es sei vergessen worden, worum es eigentlich gehe, nämlich um die Sichtbarkeit von Minderheiten. „Es kam aus so einer Blase heraus, und es gab nur das Entweder-Oder“, kritisierte Berben den in ihren Augen zu „brachialen“ Diskurs: „Ich würde mir wünschen, man würde manchen Menschen mehr Zeit geben und ihnen einfach die Möglichkeit geben, Dinge zu begreifen, worum es eigentlich geht.“

Iris Berben: „Warum ist dieser Wunsch da, sich zurückzuentwickeln?“

Mit Sandra Maischberger (rechts) sprach Iris Berben über ihren neuen Kinofilm, die 68er-Bewegung und die aktuelle Wokeness-Diskussion. (Bild: WDR / Oliver Ziebe)

Mit Sandra Maischberger (rechts) sprach Iris Berben über ihren neuen Kinofilm, die 68er-Bewegung und die aktuelle Wokeness-Diskussion. (Bild: WDR / Oliver Ziebe)

Auf die autokratischen Entwicklungen in vielen Demokratien blickt Berben mit großer Sorge. Gerade vor den Errungenschaften der 68er-Bewegung falle es ihr schwer zu begreifen: „Warum ist dieser Wunsch da, sich zurückzuentwickeln? Sind es Vereinfachung von Lebensformen, die sich Menschen wünschen?“

In Bezug auf den Zustand der Demokratie sei es „wahrscheinlich schon nach zwölf“: „Ich glaube, dass wir uns in einer großen Veränderung befinden.“ Die Gesellschaft sei nun „gefragt und aufgefordert, sich einzubringen. Ich weiß gar nicht, was noch alles passieren muss um uns herum.“

Ohne sie mit Namen zu nennen, sprach Berben von einer „Partei, die immer mehr wächst“. Jeder wisse, wofür sie stehe: „Ich bin fassungslos, warum das Menschen nicht abhält oder zumindest in die Diskussion bringt. Wir diskutieren alle nicht mehr, es wird nur noch mit Schlagworten um sich geworfen.“

Zuletzt erkundigte sich Sandra Maischberger bei ihrem Star-Gast, ob die Zeit reif sei für die erste Bundespräsidentin Deutschlands. „Es ist viel Zeit für ganz viele Frauen, die in die Ämter sollen“, bejahte Berben die Frage. „Solange wir das einfordern müssen, ist ja immer noch keine Normalität da.“ Ihr Appell: „Kommt her Mädels, macht es!“ (tsch)