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„Werde künstlich am Leben gehalten“Patrice Aminati plädiert für mehr Vorsorge im Gesundheitssystem

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Patrice Aminati bei einem Auftritt.

Patrice Aminati bei einem Auftritt. (Archivbild)

Bei „Hart aber fair“ dreht sich alles ums Gesundheitssystem: Mehr als 16 Milliarden Euro sollen gespart werden – an der falschen Stelle?

In der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ stand am Montagabend das deutsche Gesundheitssystem am Pranger. Unter dem Titel „Teuer und nur Mittelmaß – was läuft schief bei Ärzten, Kliniken und Kassen?“ diskutierte Moderator Louis Klamroth mit seinen Gästen über geplante Einsparungen in Milliardenhöhe.

Im Zentrum der Debatte stand Patrice Aminati, Unternehmerin und Ehefrau von Moderator Daniel Aminati, die seit drei Jahren gegen schwarzen Hautkrebs kämpft.

„Hart aber fair“: Patrice Aminati lebt mit Hautkrebs

„Ich werde dank Medikamenten künstlich am Leben gehalten“, schilderte die Mutter einer zweijährigen Tochter ihre Situation. Aminati warnte eindringlich davor, bei der Prävention zu sparen. Anlass war die Gesundheitsreform von Bundesministerin Nina Warken, die zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge bis 2027 rund 16,3 Milliarden Euro einsparen will.

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Ein vieldiskutierter Punkt war die mögliche Streichung des Hautkrebsscreenings, was rund 240 Millionen Euro einbringen könnte. Für Aminati ein fataler Weg: „Allein was meine Krebserkrankung in den letzten Jahren gekostet hat...“, gab sie zu bedenken. Sie forderte stattdessen eine Ausweitung der Früherkennung bereits ab 14 Jahren.

CDU-Gesundheitspolitiker Streeck plädiert für „präventionszentrierte Vision“

Der CDU-Gesundheitspolitiker Hendrik Streeck versuchte zu beruhigen: Das Screening solle nicht abgeschafft, sondern lediglich auf seine Wirksamkeit hin evaluiert werden, etwa durch den Einsatz KI-gestützter Verfahren. Streeck plädierte für eine „präventionszentrierte Vision“ des Systems. Er kritisierte zudem die mangelnde Steuerung: „Wir haben ein extrem teures System, aber keine richtige Steuerung.“ Ein Primärarzt-Modell und eine bessere Digitalisierung seien notwendig.

Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, kommentierte den digitalen Zustand gewohnt bissig: „Bei der Digitalisierung sind wir ungefähr so gut aufgestellt wie bei den Ergebnissen des Eurovision Song Contests.“

Gassen benannte zudem die aus seiner Sicht größten Kostentreiber, die im Reformpaket fehlten: Die Pharmaindustrie und die „versicherungsfremden Leistungen“.

Würde der Bund die Krankenkassenbeiträge für Bürgergeldempfänger in Höhe von 45 Milliarden Euro voll übernehmen, hätte das System laut Gassen keine Finanznot mehr. Patrice Aminati schloss die Sendung mit einem Appell an die Ministerin: „Ich hoffe, dass Frau Warken zuhört.“