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„Völlig falscher Kompass“Philipp Amthor wird in ARD-Doku auf seinen Lobby-Skandal angesprochen

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Journalist Markus Feldenkirchen (rechts) traf CDU-Politiker Philipp Amthor für seine „Konfrontation“-Reihe. (Bild: WDR / Carl Exner / beckground tv)

Journalist Markus Feldenkirchen (rechts) traf CDU-Politiker Philipp Amthor für seine „Konfrontation“-Reihe. (Bild: WDR / Carl Exner / beckground tv)

Der CDU-Politiker wird von den einen wegen seines altmodischen Auftretens geliebt, andere machen sich darüber lustig. Doch wie tickt der junge Politiker wirklich?

Sei es der Anzug mit Einstecktuch und Deutschland-Pin, sei es seine eigentümlich anmutende Ausdrucksweise oder einfach die klassisch konservative Attitüde: Philipp Amthor wirkt auf viele wie aus der Zeit gefallen. Seit seinem Einzug in den Bundestag mit gerade einmal 24 Jahren bietet der junge CDU-Politiker mit seiner altmodischen Art Anlass für Diskussionen und Projektionen. Während die einen ihn als kultigen Hoffnungsträger der Union feiern, blicken andere mit Spott auf seine Art und sein Auftreten.

Eines steht fest: Der Mann ist bekannt. Und entziehen kann man sich dem Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern kaum. Doch wie tickt Philipp Amthor eigentlich abseits der Klischees? Markus Feldenkirchen hat ihn für seine prämierte „Konfrontation“-Reihe im Ersten begleitet und porträtiert.

In der Union legte Amthor in jungen Jahren eine eindrückliche Karriere hin: Seit 2017 sitzt er im Bundestag, seit 2025 fungiert er als Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung. Selbstverständlich ist das nicht: Wenige Jahre zuvor hätte ihn eine Lobbyismus-Affäre fast seine Laufbahn gekostet.

„Ich würde derartige Nebentätigkeiten nicht mehr übernehmen“

CDU-Politiker Philipp Amthor gilt als eines der größten Talente seiner Partei. Doch während die einen ihn lieben, wird er von anderen wegen seines altertümlichen Stils belächelt. (Bild: 2026 Getty Images/Thomas Niedermueller)

CDU-Politiker Philipp Amthor gilt als eines der größten Talente seiner Partei. Doch während die einen ihn lieben, wird er von anderen wegen seines altertümlichen Stils belächelt. (Bild: 2026 Getty Images/Thomas Niedermueller)

Im „Konfrontation“-Film wird Amthor auf seine frühere Nebentätigkeit für das Start-up Augustus Intelligence angesprochen. Feldenkirchens Hauptarbeitgeber, „Der Spiegel“, hatte den Lobby-Skandal öffentlich gemacht. Amthor äußert sich dazu nun selbstkritisch: „Maßstab für einen Politiker ist nicht nur die Frage, was juristisch richtig ist“, sagt er auf Nachfrage des Journalisten. „Sondern der Maßstab ist auch, was einer moralischen Bewertung standhält. Dort habe ich den völlig falschen Kompass gehabt.“

Amthor bezeichnet sein Engagement für die Firma als „großen Fehler“. Der CDU-Politiker räumt ein: „Das hätte ich rückblickend nicht machen sollen. Ich hätte den Brief nicht schreiben sollen, ich hätte auch die Nebentätigkeit nicht übernehmen sollen.“ In dem angesprochenen Brief hatte sich Amthor beim damaligen Wirtschaftsminister Peter Altmaier für das Unternehmen eingesetzt.

Aus dem Skandal habe er seine Lehren gezogen, versichert der Politiker in der vom WDR produzierten Dokumentation. Unter anderem habe er gelernt, „dass man eine größere Distanz auch wählen muss zu Nebentätigkeiten. Ich würde derartige Nebentätigkeiten nicht mehr übernehmen.“

Philipp Amthor begegnet Häme mit Selbstironie

Heute, so zeigt es der Film von Markus Feldenkirchen und Philip Exner auf, gilt Amthor als erfolgreichster Nachwuchsstar der CDU und politischer Influencer mit enormer Reichweite bei jungen Menschen. Dass er auf der Straße erkannt, angesprochen und nach Selfies gefragt wird, ist Alltag für den 33-Jährigen. Doch es gibt die andere Seite der Medaille: Der Häme gegen ihn begegnet Amthor mit selbstironischer Schlagfertigkeit.

Mehrere Monate lang begleitete Markus Feldenkirchen den ehrgeizigen Jungpolitiker, in dem manche Beobachter schon einen zukünftigen Bundeskanzler sehen, Der Film zeigt Amthor bei seiner Arbeit im Berliner Ministerium und im Landtagswahlkampf, in seiner nordostdeutschen Heimat und in seinem Alltag abseits der Politik. Zu Wort kommen in Interviews aber auch Freunde, Wegbegleiter und politische Gegner. Es scheint, als habe jeder eine Meinung zu dem Politiker, der als eines der größten Talente der CDU gilt.

„Konfrontation: Markus Feldenkirchen trifft Philipp Amthor“ ist am Montag, 20. April, um 22.50 Uhr im Ersten zu sehen und schon ab 17 Uhr in der ARD-Mediathek. (tsch)