Die Punk-Ikone ist 70 Jahre alt. Zuletzt war es ruhig um die einflussreiche Musikerin geworden. Wie geht es ihr heute?
„Godmother of Punk“ ist 70Was macht eigentlich Nina Hagen? – So sieht sie heute aus

Nina Hagen im November 2019 in der ARD-Show „Wer weiß denn sowas? - XXL“. (Archivbild)
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Es ist ruhig geworden um Nina Hagen. Die Sängerin, die über Jahrzehnte als Provokateurin und Punk-Ikone galt, tritt heute nur noch selten öffentlich in Erscheinung. Die bislang letzte musikalische Veröffentlichung der „Godmother of Punk“ war die Single „Somebody Prayed for Me“ im Dezember 2025 – eine Vorbote zum Gospel-Album „Highway to Heaven“, das am 27. März 2026 erscheinen soll. „Ich hab so lange drauf hingearbeitet + bin jetzt schon fast in der Zielgeraden mit meinem neuen Album“, schreibt Hagen dazu auf Instagram.
Nina Hagen: Um die „Godmother of Punk“ ist es ruhig geworden
Nina Hagen wurde am 11. März 1955 in Ost-Berlin geboren. Ihre Mutter, Schauspielerin Eva-Maria Hagen († 2022), und ihr Ziehvater Wolf Biermann prägten sie früh künstlerisch. Doch in der damaligen DDR stieß sie an Grenzen. Nach Biermanns Ausbürgerung verließ sie 1976 das Land, lebte in London und entdeckte dort den Punk. Zurück in Deutschland gründete sie die Nina Hagen Band und wurde mit Songs wie „TV-Glotzer (White Punks On Dope)“ zur Punk-Ikone und Wegbereiterin der Neuen Deutschen Welle.
Mit ihren Alben „Nina Hagen Band“ (1978) und „Unbehagen“ (1979) feierte sie große Verkaufserfolge. Hits wie „Auf'm Bahnhof Zoo“ und „African Reggae“ machten sie zur Kultfigur. Nach dem Bruch mit ihrer Band setzte Hagen ihre Solokarriere fort, lebte zeitweise in den USA, Großbritannien oder den Niederlanden und wurde Mutter ihrer Tochter Cosma Shiva Hagen, die später als Schauspielerin Erfolge feierte. Hagen hat auch einen Sohn aus ihrer Verbindung mit dem Franzosen Franck Chevalier.

Rockröhre Nina Hagen (l-r), ihre Tochter Cosma Shiva Hagen und ihre Mutter Eva-Maria Hagen stehen für ein Familienfoto zusammen. (Archivbild)
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Nina Hagen blieb eine polarisierende Figur und sorgte immer wieder für Aufsehen – ob in Talkshows wie bei „Maischberger“, mit provokanten Songtexten oder durch ihre spirituelle Sinnsuche. Seit einigen Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit christlichen Themen, ließ sich taufen und veröffentlichte in diesem Zusammenhang auch religiös geprägte Musik, wie 2009 auf „Personal Jesus“. Nun soll über 15 Jahre später ein weiteres Gospelwerk ihre spirituelle Sinnsuche abrunden.
Nina Hagen lebt in Berlin und sieht sich eher als „Hippie“
Privat ist Nina Hagen nach wie vor in Berlin zu Hause. „In Berlin ist mein Hauptwohnsitz, meine Meldeadresse und hier bezahle ich meine Steuern“, sagte sie in einem Interview Ende 2022 zu „tipBerlin“. Die Stadt, in der sie aufwuchs und ihre Karriere begann, bleibt damit ihr Lebensmittelpunkt.
Auch das Bild der „Godmother of Punk“ sieht sie mittlerweile kritisch: „Ich selbst bin nie Punk gewesen, eher Hippie. Ich war auch Glamrocker, ich habe Bowie und Bryan Ferry geliebt und mir Glitter in die Haare geschmiert. Das mit dem Punk ist ein Missverständnis“, erklärte sie „tipBerlin“.
Auf Social Media meldet sie sich nur gelegentlich zu Wort – dann allerdings in gewohnt exzentrischem Ton. Im Dezember 2025 löschte sie alle früheren Beiträge und setzte damit bewusst auf einen Neuanfang, offenbar als Auftakt für neue Musik. Seither kündigte sie besagte Single und Album an, teilte aber auch persönliche Gedanken. So schrieb sie mit Blick auf Weihnachten sinngemäß, für sie sei eigentlich jeder Tag wie Weihnachten, da niemand wisse, in welchem exakten Jahr sowie an welchem Tag und in welchem Monat Jesus Christus geboren wurde.
Musikerin hält nicht viel von Social Media
Ansonsten sind ihr die sozialen Medien suspekt. In einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ erklärte Nina Hagen, dass sie die Aggressivität dort als schrecklich empfinde und sich zudem zu Unrecht angefeindet fühle. Sie habe sich auch juristisch gegen Fake-Accounts gewehrt, die in ihrem Namen Falschinformationen verbreiteten, und sich zunehmend aus Online-Debatten zurückgezogen, um sich auf positive Dinge wie Musik und Freundschaft zu konzentrieren.
Was nicht heißt, dass sich Hagen aus politischen oder gesellschaftlichen Themen heraushält. „Ich war schon immer ein politischer Mensch und weiß, dass die irdische Welt, in die ich hineingeboren wurde, eine politische Welt ist, wo sich alle streiten und Mauern bauen“, so Hagen zur „Augsburger Allgemeinen“. „Aber als Rock’n’Roller bin ich kein Richter, sondern ein Schlichter, und möchte gerne verkrustete Haltungen durch meine Musik lockermachen.“


