Die Bergungsaktion für den Buckelwal vor der Ostseeinsel Poel verzögert sich erneut. Der Transport in die Nordsee wurde plötzlich verschoben.
Mit der Gießkanne gegen den TodRettung von Wal „Timmy“ nimmt absurde Züge an

Helfer nähern sich dem Wal. Für den bei Wismar gestrandeten Buckelwal beginnt damit am Donnerstag ein neuer Rettungsversuch. Umgesetzt wird das Konzept von einer privaten Initiative.
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Seit 17 Tagen liegt der Buckelwal „Timmy“ in der Bucht vor der Ostseeinsel Poel bei Wismar fest – und die lang ersehnte Rettung lässt weiter auf sich warten. Der für Donnerstag geplante Bergungsversuch musste laut „Bild“ verschoben werden. Fred Babbel, Chef der beauftragten Bergungsfirma, bestätigte: „Vor morgen geht es nicht zu Timmy.“ Die Vorbereitungen hätten zu lange gedauert, am Vormittag sei kostbare Zeit verloren gegangen.
Wal in der Ostsee: Aufwendige Technik, komplizierter Plan
Schwerlasttransporter haben das nötige Equipment bereits ans Ufer der Bucht gebracht: zwei Schwimmpontons, zwei Kräne und ein Container mit Spezialausrüstung liegen bereit.

Im Hafen von Kirchdorf auf der Ostseeinsel Poel werden die vier Teile für die Pontons zur Rettung des gestrandeten Buckelwals mit Kränen ins Wasser gehoben.
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Der Plan sieht vor, mithilfe von Luftkissen und dem Wegspülen von Schlick unter dem Wal Platz zu schaffen, um Timmy schonend anzuheben und auf einer Plane zwischen zwei Pontons zu lagern.
Ein Schlepper soll die Konstruktion dann in die Nordsee – möglicherweise sogar bis in den Atlantik – ziehen. Die Kosten für die private Rettungsaktion trägt MediaMarkt-Gründer Walter Gunz (79).
Experten uneins über „Timmys“ Chancen
Umweltminister Till Backhaus (SPD, Mecklenburg-Vorpommern) zeigte sich vorsichtig optimistisch: „Aus meiner Sicht hat der Wal eine Chance." Timmy bewege die Flossen, hebe regelmäßig den Kopf aus dem Wasser und atme gleichmäßig.

Im Hafen von Kirchdorf auf der Ostseeinsel Poel werden die vier Teile für die Pontons zur Rettung des gestrandeten Buckelwals mit Kränen ins Wasser gehoben.
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Auch Walexperte Sergio Bambaren, der von Geldgebern aus Teneriffa eingeflogen wurde, berichtete von einem „positiven Eindruck“: Das Blasrohr sei intakt, keine Entzündungszeichen seien erkennbar, und das Tier reagiere gut auf Ansprache.
Skeptischer zeigt sich der Naturschutzbund Deutschland (Nabu): Meeresschutzexperte Kim Detloff glaubt nicht an den Erfolg der Aktion und kritisiert, dass die Entscheidung zur Rettung zu spät getroffen wurde. „Ich hoffe, dass der Ehrgeiz einer Rettungsaktion nicht über dem Wohl des Tieres liegt“, so Detloff.

Boris Culik, Meeresbiologe (Archivbild)
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Auch Meeresbiologe Boris Culik äußerte Zweifel: Das Hauptproblem sei ein Netzrest im Maul des Wals, der dringend entfernt werden müsse, damit Timmy sich wieder ernähren könne. Er nennt die privat finanzierte Rettungsaktion einen „Glücksfall für die Landesregierung“.
Rund-um-die-Uhr-Betreuung für „Timmy“

Der gestrandete Buckelwal liegt in einer Bucht der Ostseeinsel Poel.
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Während auf den Einsatz gewartet wird, kümmern sich Helfer weiterhin intensiv um das Tier. Feuchte Tücher schützen Timmys rissige Haut vor dem Austrocknen, und mit stark salzhaltiger Flüssigkeit aus Gießkannen wird versucht, die für Wale lebensnotwendige Salzkonzentration auf der Haut aufrechtzuerhalten – denn die Ostsee hat einen deutlich geringeren Salzgehalt als die für Buckelwale natürlichen Ozeane. Tierärzte und Tiermedizinerinnen begleiten den Zustand des Tieres fortlaufend.
Derweil sorgte ein Vergleich für Aufsehen: In Australien gelang zeitgleich die Rettung eines gestrandeten Wals innerhalb von rund 24 Stunden – schnell und koordiniert. In der Flensburger Förde wurde zudem ein weiterer verirrter Meeressäuger entdeckt: ein Belugawal, der sich laut dänischen Medien seit Wochen zwischen Deutschland und Dänemark aufhält.
Ob Timmy die Rettungsaktion überlebt, bleibt ungewiss. Für den Buckelwal wäre es wohl die letzte Chance.

