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Kein Lebenszeichen mehrLügen-Vorwurf um verschwundenen Wal „Timmy“ – Kosten explodieren

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Dieses von der Rettungsinitiative zur Verfügung gestellte Foto zeigt Helfer beim Buckelwal in einem gefluteten Lastschiff auf See in der vergangenen Woche.

Dieses von der Rettungsinitiative zur Verfügung gestellte Foto zeigt Helfer beim Buckelwal in einem gefluteten Lastschiff auf See in der vergangenen Woche.

Millionen-Krimi um Wal „Timmy“: 1,5 Mio. Euro Kosten, kein GPS-Signal und schwere Vorwürfe gegen die Crew. Ist die Rettung gescheitert?

Die spektakuläre Rettungsaktion für den Buckelwal „Timmy“ droht in einem Desaster aus technischen Pannen, juristischen Nachspielen und massiven Zweifeln an der Glaubwürdigkeit zu enden. Während die Schiffe der Mission heimkehren, stellt sich am Dienstagmorgen (5. Mai 2026) die Frage: Wurde hier ein Millionenbetrag für eine aussichtslose Mission verbrannt?

Das 1,5-Millionen-Euro-Rätsel

Die Kosten der privat finanzierten Rettung nehmen astronomische Ausmaße an. Wie die Geldgeberin und Millionärin Karin Walter-Mommert der „Bild“-Zeitung mitteilte, belaufen sich die bisherigen Ausgaben auf rund 1,5 Millionen Euro.

Eine Frau fotografiert am Montag den Schlepper „Robin Hood“ im Kieler Scheerhafen. Das Schiff begleitete den Transport des gestrandeten Buckelwals auf dem Weg zurück in die Nordsee.

Eine Frau fotografiert am Montag (4. Mai 2026) den Schlepper „Robin Hood“ im Kieler Scheerhafen. Das Schiff begleitete den Transport des gestrandeten Buckelwals auf dem Weg zurück in die Nordsee.

Darin enthalten sind eingeflogene Experten aus Hawaii und Island – die Kosten für die gecharterten Schiffe sind dabei noch nicht einmal eingerechnet. Dennoch bleibt der Erfolg der Mission unsichtbar. Auch am Dienstagmorgen fehlt von Wal „Timmy“ jede Spur; der am Tier befestigte Peilsender liefert weiterhin keine Positionsdaten.

Experten zweifeln an „Vitalzeichen“

Der Wal liegt am Mittwochmorgen (29. Mai 2026) in einem gefluteten Lastschiff kurz vor der dänischen Grenze (Aufnahme aus einem Flugzeug).

Der Wal liegt am Mittwochmorgen (29. Mai 2026) in einem gefluteten Lastschiff kurz vor der dänischen Grenze (Aufnahme aus einem Flugzeug).

Die Initiatoren behaupten derweil, der Sender übermittle zwar keine GPS-Daten, dafür aber „Vitalzeichen“ des Tieres. Fachleute reagieren darauf mit Unverständnis und scharfer Kritik. Der dänische Meeresbiologe Peter Madsen von der Universität Aarhus findet laut „Bild“ deutliche Worte: „Es gibt keinen handelsüblichen GPS-Sender, der Vitaldaten liefern kann – wer das behauptet, sagt nicht die Wahrheit.“

Auch das Institut für Wildtierforschung (ITAW) betont, dass echte medizinische Parameter eine völlig andere Sensorik voraussetzen würden.

Krimi im Hafen: Begleitschiff unter Polizeischutz

Besonders mysteriös bleibt das Verhalten des Begleitschiffs „Fortuna B“. Das Schiff war zeitweise vom Radar verschwunden, nachdem das Tracking-Signal manuell deaktiviert worden war. Als es in der Nacht zu Montag in Cuxhaven einlief, geschah dies unter dem Schutz der Küstenwache. Die Besatzung hatte selbst die Polizei gerufen – aus Angst vor Übergriffen durch aufgebrachte Wal-Schützer.

Die „Fortuna B“ liegt im Hafen von Cuxhaven. Eines der beiden Schiffe, die den mehrfach vor der deutschen Küste gestrandeten Wal in die Nordsee brachten, ist am Sonntagabend in Cuxhaven eingelaufen.

Die „Fortuna B“ liegt im Hafen von Cuxhaven. Eines der beiden Schiffe, die den mehrfach vor der deutschen Küste gestrandeten Wal in die Nordsee brachten, ist am Sonntagabend (3. Mai 2026) in Cuxhaven eingelaufen.

Der Kapitän steht zudem in der Kritik, weil er Wal „Timmy“ am vergangenen Samstag eigenmächtig und früher als abgesprochen freigelassen haben soll, angeblich wegen eines Anschlusstermins. Da das Schiff nun jedoch im Hafen liegt, steht der Vorwurf im Raum, dieser Termin sei nur vorgeschoben gewesen.

Hoffnungslosigkeit statt Happy End?

Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace bewerten die Überlebenschancen von Wal „Timmy“ weiterhin als äußerst gering. Die mehrfachen Strandungen vor der Aktion seien klare Indizien für eine schwere Vorerkrankung gewesen. „Ob man rückblickend von einer Rettung sprechen kann, bleibt ungewiss“, so Thilo Maack von Greenpeace.

Ohne funktionierende Trackingdaten wird wohl nie geklärt werden können, ob sich die millionenschwere Reise für das geschwächte Tier gelohnt hat – oder ob Wal „Timmy“ längst lautlos in der Nordsee verendet ist.