Eine Expertin erhebt schwere Vorwürfe gegen Retter. Die geplante Aussetzung sei nur ein „Ticket in den Rachen der Orcas“.
Rettung von BuckelwalWird „Timmy“ zu Tode gerettet? – Expertin sieht ihn im „Rachen der Orcas“

Dieses von der Rettungsinitiative zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Buckelwal in einem gefluteten Lastschiff in der Ostsee. Der aus einer flachen Bucht vor Wismar geborgene Buckelwal wird in Richtung Nordsee transportiert.
Copyright: Jens Schwarck/Rettungsinitiative/dpa
Das Schicksal des Buckelwals „Timmy“ oder „Hope“, wie er mittlerweile auch genannt wird, bewegt seit Wochen die Menschen an der Küste und weit über die Landesgrenzen hinaus. Doch während das Tier derzeit in einem Frachtkahn über die Ostsee geschleppt wird, hagelt es massive Kritik an der großangelegten Rettungsaktion. Die renommierte Wildtier-Expertin Kerstin Alexandra Dörnath findet gegenüber dem MDR deutliche Worte und warnt vor einer Katastrophe mit Ansage.
„Aktionismus statt Fachverstand“
Nach Ansicht der Tierärztin ist der Wal, der bereits am 3. März 2026 erstmals im Hafen von Wismar gesichtet wurde, längst am Ende seiner Kräfte. Dass sich das Tier widerstandslos in Gurte legen und abschleppen ließ, sei kein Erfolg, sondern ein Alarmsignal für den hochgradig geschwächten Zustand des Säugers. Dörnath spricht von „Aktionismus statt Fachverstand“ und kritisiert die geplante Aussetzung in der Nordsee scharf.

Dieses von der Rettungsinitiative zur Verfügung gestellte Foto zeigt einen Schlepper hinter einem gefluteten Lastschiff mit dem Buckelwal in der Ostsee.
Copyright: Jens Schwarck/Rettungsinitiative/dpa
Für das Tier könnte die Reise dort ein jähes Ende finden. „Das ist im Nordatlantik ein Ticket in den Rachen der Orcas“, warnt die Veterinärin. Zudem bestehe die Gefahr, dass der entkräftete Wal in der Nordsee einfach wie ein Stein versinke und ertrinke. Der Transport per Schiff bedeute durch den massiven Schall zudem eine enorme zusätzliche Stressbelastung für das Tier.
Schwere Vorwürfe gegen das Rettungsteam
Dörnath spart nicht mit Kritik an der Zusammensetzung der Einsatzkräfte. Sie bemängelt, dass vor Ort vornehmlich Haustierärzte ohne die nötige Spezialisierung für Meeressäuger agierten. Zudem seien „Ideologen“ am Werk, die bereits an der umstrittenen Auswilderung des weltberühmten „Free Willy“-Wals „Keiko“ beteiligt waren – eine Aktion, die damals in einem Desaster endete.

Der Wal liegt in einem gefluteten Lastschiff kurz vor der dänischen Grenze (Aufnahme aus einem Flugzeug). Der aus einer flachen Bucht vor Wismar geborgene Buckelwal wird in Richtung Nordsee transportiert.
Copyright: Philip Dulian/dpa
Die Expertin selbst hatte nach eigenen Angaben mehrfach Hilfe angeboten, jedoch nie eine fachliche Antwort erhalten. Aus berufsethischen Gründen habe sie sich schließlich gegen eine Beteiligung an der aktuellen Aktion entschieden. Für sie wäre es der gnädigste Weg gewesen, das Tier von seinen Qualen zu erlösen.
Letzter Rettungsversuch auf hoher See
Seit Dienstag wird der Wal, der zuletzt wochenlang im Kirchsee vor Poel festsaß, nun hunderte Kilometer weit geschleppt. Es ist der finale Versuch, das Tier zurück in tiefere Gewässer zu bringen. Während die Verantwortlichen auf ein Wunder hoffen, bleibt die Fachwelt tief gespalten.
Ob „Timmy“ tatsächlich eine Chance auf ein Leben in Freiheit hat oder ob die Kritiker recht behalten, werden die nächsten Tage zeigen. Das ganze Land blickt nun gespannt auf den Horizont, wo sich das Schicksal eines der größten Lebewesen unserer Erde entscheidet. (jag)
