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Sterbehilfe steht im RaumWal „Timmy“ atmet noch – Retter drehen plötzlich ab

3 min

Wal vor Wismar: Der Zustand des Tieres und die Lage der Rettung in der Ostsee im Überblick.

Der Buckelwal kämpft vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns weiter ums Überleben. Laut dpa hat sich die Lage in der Wismarer Bucht verschärft: Das Tier, das von Medien wie der „Bild“ und der „Rheinischen Post“ „Timmy“ genannt wird, ist stark geschwächt und reagiert kaum noch.

Demnach treibt der Wal erneut in Richtung Küste. Er befindet sich nur wenige Meter von der Stelle entfernt, an der er zuvor mehrere Tage lang festsaß. Mehrere Boote sind im Einsatz, um ihn von der Strandlinie fernzuhalten.

Wie geht es dem Wal?: Aktueller Stand am Montag nach dramatischer Nacht

Auch das schlimmste Szenario steht mittlerweile im Raum: Sollte sich der Wal nicht aus eigener Kraft befreien, könnte am Abend sogar über Sterbehilfe diskutiert werden. „Dann wird überlegt, wie man ihm beim Sterben helfen kann“, sagte Burkard Baschek laut „Bild“.

Eine Drohnenaufnahme herausgegeben von Greenpeace zeigt den Buckelwal in der Wismarbucht.

Eine Drohnenaufnahme herausgegeben von Greenpeace zeigt den Buckelwal in der Wismarbucht.

Die Rettungsaktion am Nachmittag ist inzwischen beendet. Zwei Boote hatten sich dem Wal genähert – ein kleineres voraus, ein größeres folgte mit Abstand. Ziel war es, das Tier mit Geräuschen, etwa durch Schlagen mit Paddeln aufs Wasser, zum Weiterziehen zu bewegen. Körperkontakt war nicht vorgesehen.

Bei der letzten Beobachtung lag der Wal weiterhin weitgehend regungslos im Wasser, gab keinen Laut von sich und stieß nur gelegentlich Blas aus. Zwar war der Wasserstand gestiegen und das Meer in Bewegung – ein Durchbruch gelang jedoch nicht.

Inzwischen haben sich die Boote laut „Bild“ zurückgezogen, Retter sind vor Ort nicht mehr zu sehen. Wie es weitergeht, ist unklar. Sicher ist nur: Der Wal lebt noch und atmet weiterhin.

Ernüchternde Diagnose: Wal zeigt kaum noch Bewegung

Am Montagmorgen rückten Einsatzkräfte der Wasserschutzpolizei gemeinsam mit Meeresbiologen aus, um den Zustand des Wals zu prüfen. Das Ergebnis ist allerdings ernüchternd: Der mehrere Tonnen schwere Meeressäuger zeigt kaum Bewegung, die Atemfrequenz soll reduziert sein. 

Ein Schlauchboot der Polizei fährt an den Wal heran.

Ein Schlauchboot der Polizei fährt an den Wal heran.

Schon in der Nacht hatte sich die Situation zugespitzt. Der Wal konnte sich nicht aus eigener Kraft befreien und verharrt weiterhin auf einer Sandbank. Zusätzlich erschwert sinkender Wasserstand die Lage – eine natürliche Rückkehr ins offene Meer scheint damit immer unwahrscheinlicher.

Buckelwal wieder gestrandet – Streit zwischen Experten

Dabei gab es zwischenzeitlich Hoffnung: Nach einer ersten Strandung nahe Timmendorfer Strand hatte sich das Tier kurzzeitig lösen können. Doch der Rückschlag folgte schnell – nun steckt der Wal erneut fest, deutlich geschwächt.

Eine Drohnenaufnahme herausgegeben von Greenpeace zeigt den Buckelwal in der Wismarbucht.

Eine Drohnenaufnahme herausgegeben von Greenpeace zeigt den Buckelwal in der Wismarbucht.

Für zusätzliche Unruhe sorgt ein Streit um die Rettungsmaßnahmen. Der bekannte Meeresbiologe Robert Marc Lehmann erklärte auf Instagram, sein Team sei von Einsätzen ausgeschlossen worden. Die Behörden weisen das zurück. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus kündigte an, das Gespräch zu suchen.

Schaulustige stehen am Sonntagnachmittag auf der Seebrücke in Wismar. Der vor rund einer Woche bei Timmendorfer Strand an der Ostseeküste gestrandete Buckelwal liegt noch immer in der Wismarbucht.

Schaulustige stehen am Sonntagnachmittag auf der Seebrücke in Wismar. Der vor rund einer Woche bei Timmendorfer Strand an der Ostseeküste gestrandete Buckelwal liegt noch immer in der Wismarbucht.

Auch Schaulustige verschärfen die Situation. Trotz Sperrzone näherten sich mehrere Menschen dem Tier – die Polizei musste eingreifen. Für die Helfer ist klar: Jede Störung kann den ohnehin geschwächten Wal zusätzlich belasten.

So kommt „Timmy“ zurück ins Meer: Der schwierige Weg des Buckelwals

Der ideale Weg für den Buckelwal zurück in den Atlantik führt aus der Ostsee entlang der dänischen Küste nach Norden. Von der Wismarer Bucht aus müsste das Tier zunächst die deutschen Gewässer verlassen und durch die Ostsee Richtung Dänemark schwimmen – vorbei an Kopenhagen. Anschließend führt die Route weiter entlang der Ostküste Dänemarks bis in Höhe von Aalborg. Von dort aus geht es durch das Kattegat in Richtung Nordsee, vorbei an Göteborg in Schweden, und schließlich hinaus in den Atlantik.

Die Strecke ist mehrere hundert Kilometer lang und führt durch enge Meerespassagen mit starkem Schiffsverkehr und wechselnden Strömungen – Faktoren, die die Rückkehr für den geschwächten Wal zusätzlich erschweren.