Gerhard Hillebrand äußerte sich positiv über die CO₂-Bepreisung – und musste gehen. Das Gegenteil wäre angemessen gewesen.
Empörung bei MitgliedernADAC-Chef Hillebrand muss gehen, weil er unbequeme Wahrheiten aussprach


ADAC-Mitglieder mögen es nicht, wenn sich ihr Präsident für mehr Klimaschutz ausspricht (Symbolbild).
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Die Zahl der Deutschen, die etwas Falsches oder als falsch Empfundenes gesagt haben und anschließend unter Druck geraten sind, ist seit dem Durchbruch digitaler Netzwerke unüberschaubar geworden. Dort lassen sich Postings im Affekt machen, die Empörung folgt rasch. Es gibt aber auch gegenteilige Fälle. Der des jetzt zu Unrecht zurückgetretenen ADAC-Präsidiumsmitglieds Gerhard Hillebrand gehört dazu.
Dass die CO₂-Bepreisung „ein richtiges Instrument“ sei, „um die Klimaschutzziele zu erreichen“, gilt längst als Allgemeingut. Überdies hat Hillebrand betont, dass „eine Preiserhöhung nur dann positiv wirkt, wenn auch ausreichend Möglichkeiten bestehen, diese mit alternativen Angeboten zu vermeiden“. Sprich: mit bezahlbaren E-Autos und einer intakten Ladeinfrastruktur. Stimmt alles. Der Mann sollte daher nicht weichen. Er sollte an die Spitze des als Klub getarnten Unternehmens aufrücken.
Klimaschutz: Verdrängung kann keine Lösung sein
Tatsache ist nämlich, dass beim Klimaschutz nicht zuletzt der Verkehrssektor hinterherhinkt. Die CO₂-Bepreisung ist ein marktwirtschaftliches Instrument, um dem zu begegnen. Unbestreitbar ist ferner, dass der Klimawandel beängstigend voranschreitet. „Die Leute brauchen den Anreiz, um auf klimaschonende Alternativen zum Diesel und Benziner umzusteigen“, sagte Hillebrand.
Diese Erkenntnis dringt aber zu wenig ins Bewusstsein, weil wir sie mit zunehmender Verdrängung abwehren. Die jüngsten Sturm- und Starkregenereignisse in Portugal und auf Sizilien zeigen das. Auch eine ADAC-Mitgliedschaft schützt nicht vor dem Klimawandel.
Falsch ist, wenn jemand aus der ADAC-Führungsetage den Hut nimmt, weil seine Äußerungen den Klub „Glaubwürdigkeit“ gekostet hätten. Nein, Glaubwürdigkeit entsteht durch Wahrhaftigkeit. Würden das über 22 Millionen ADAC-Mitglieder an dieser Stelle genauso sehen, wäre es klimaschutzpolitisch ein echter Durchbruch.

