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„Ich wusste, dass Sie das tun“Trump geht in Interview nach Schießerei auf Journalistin los

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US-Präsident Donald Trump bei einer Pressekonferenz nach der Schießerei beim Korrespondenten-Dinner im Washingtoner Hilton Hotel.

US-Präsident Donald Trump bei einer Pressekonferenz nach der Schießerei beim Korrespondenten-Dinner im Washingtoner Hilton Hotel. 

Bei „60 Minutes“ äußert sich Donald Trump zum mutmaßlichen Attentatsversuch auf ihn – und beschimpft plötzlich die Moderatorin.

US-Präsident Donald Trump ist in einem Interview auf die Journalistin Norah O'Donnell losgegangen, weil die Moderatorin aus dem Manifest des mutmaßlichen Schützen zitiert hatte, der versucht hatte, das Korrespondenten-Dinner des Weißen Hauses in einem Hotel in Washington zu stürmen.

Trump brachte in dem Interview mit dem Sender CBS News zunächst ein Gefühl der Verbundenheit mit den Mitgliedern des Pressekorps zum Ausdruck, die ihn bei ihrem jährlichen Dinner empfangen hatten und die ebenfalls Panik verspürten, als Polizeibeamte den Ballsaal stürmten.

Zitat aus Manifest des Schützen bringt Donald Trump zur Weißglut

Als O’Donnell jedoch während des am Sonntag im Weißen Haus aufgezeichneten Interviews aus dem mutmaßlichen Manifest des beschuldigten Schützen Cole Tomas Allen zitierte, reagierte Trump, der sich zuvor relativ zurückhaltend gezeigt hatte, wütend.

„Ich bin nicht länger bereit, zuzulassen, dass ein Pädophiler, Vergewaltiger und Verräter meine Hände mit seinen Verbrechen befleckt“, hatte O'Donnell zuvor aus einem Schreiben des mutmaßlichen Täters zitiert, das der Schütze kurz vor der Tat an Familienmitglieder geschickt haben soll. 

Donald Trump: „Sie sind schreckliche Menschen“

Trump polterte daraufhin los: „Ich habe darauf gewartet, dass Sie das vorlesen, weil ich wusste, dass Sie es tun würden, denn Sie sind schreckliche Menschen. Schreckliche Menschen“, sagte Trump zunächst und fügte hinzu: „Ja, das hat er geschrieben. Ich bin kein Vergewaltiger. Ich habe niemanden vergewaltigt.“

„Oh, glauben Sie, er bezog sich auf Sie?“, fragte O'Donnell den US-Präsidenten daraufhin. Trump ignorierte die Frage jedoch und erklärte: „Ich bin kein Pädophiler.“ Der Republikaner habe „gereizt“ auf die Worte reagiert, die er offenbar als Anspielung auf seine Beziehung zu Sexualstraftäter Jeffrey Epstein empfunden hat, beschrieb „Politico“ die Szene. Epstein wurde weder im Manifest noch von O’Donnell erwähnt.

Donald Trump stichelt gegen Norah O'Donnell

„Sie haben diesen Mist von irgendeinem kranken Menschen vorgelesen“, attackierte Trump die Journalistin weiter und fügte hinzu: „Ich wurde mit Dingen in Verbindung gebracht, die nichts mit mir zu tun haben. Ich wurde vollständig entlastet.“

FBI-Agenten arbeiten an einer Adresse in Torrance, Kalifornien, die mit Cole Tomas Allen in Verbindung steht, der als der mutmaßliche Schütze beim White House Correspondents Dinner am Vorabend identifiziert wurde.

FBI-Agenten arbeiten an einer Adresse in Torrance, Kalifornien, die mit Cole Tomas Allen in Verbindung steht, der als der mutmaßliche Schütze beim White House Correspondents Dinner am Vorabend identifiziert wurde.

Damit beließ es der US-Präsident jedoch nicht, sondern legte noch einmal gegen die Moderatorin nach. „Sie sollten sich schämen, das vorzulesen, denn ich bin nichts davon“, sagte Trump. „Sie sollten so etwas nicht in ‚60 Minutes‘ vorlesen. Sie sind eine Schande.“

„Wenn ich ein König wäre, würde ich mich nicht mit Ihnen abgeben“

Auch im weiteren Verlauf des Interviews stichelte Trump gegen die Journalistin. Nachdem O'Donnell erwähnt hatte, dass der mutmaßliche Schütze Berichten zufolge an einer „No Kings“-Demonstration gegen Trump teilgenommen hatte, konterte Trump etwa: „Der Grund, warum es solche Leute gibt, ist, dass es Leute gibt, die bei ‚No Kings‘ mitmachen. Ich bin kein König. Wenn ich ein König wäre, würde ich mich nicht mit Ihnen abgeben.“

Als die Schüsse im Washingtoner Hilton Hotel fielen, sei er unterdessen „nicht besorgt“ gewesen, versicherte der US-Präsident mit Blick auf den mutmaßlichen Attentatsversuch und die hektischen Szenen im Ballsaal des Hotels außerdem. „Ich verstehe das Leben. Wir leben in einer verrückten Welt.“

Donald Trump über Schießerei: „Ich wollte sehen, was da vor sich ging“

Dass er erst mit einer kleinen Verzögerung in Sicherheit gebracht worden sei, habe er selbst verschuldet, erklärte Trump überdies. „Ich habe sie wahrscheinlich dazu gebracht, etwas langsamer zu handeln“, führte Trump aus. „Ich wollte sehen, was da vor sich ging.“

Beamte des Secret Service hätten ihn jedoch gedrängt, sich auf den Boden zu legen. „Ich fing an zu laufen“, erklärte Trump. „Und sie sagten: ‚Bitte gehen Sie runter, bitte gehen Sie auf den Boden.‘ Also ging ich runter, und die First Lady ging auch runter.“