Unionsfraktionschef Jens Spahn hat in einem Interview über seine Ablehnung politisierter Identitätspolitik gesprochen.
Homosexuell „furchtbar“Jens Spahn möchte lieber „schwul“ als „queer“ sein

Jens Spahn (CDU) und Ehemann Journalist Daniel Funke (l) sind seit Dezember 2017 verheiratet. (Archivbild)
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Eine klare Linie bei der Wortwahl zu seiner Identität zog Unionsfraktionschef Jens Spahn in einem Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“, an dem auch SPD-Fraktionschef Matthias Miersch beteiligt war. Spahn sprach sich dafür aus, auf Formulierungen mit medizinischem Unterton zu verzichten.
Jens Spahn findet „homosexuell“ unpassend
Spahn verdeutlichte, dass der Ausdruck „homosexuell“ für ihn unpassend sei. Schon seinem Vorgänger im Amt, Volker Kauder, habe er mitgeteilt: „Ich möchte von dir nie wieder homosexuell genannt werden.“ Die Bezeichnung klinge für Spahn „furchtbar“ sowie „steril“, weswegen er die Vokabel „schwul“ favorisiert.

Daniel Funke und Jens Spahn zeigen sich gerne auf dem roten Teppich. (Archivbild)
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Zustimmung kam von Miersch, der selbst auch schwul ist. Jener findet den Ausdruck „homosexuell“ ebenfalls „klinisch“ und zog einen Vergleich zu einer „technischen Einordnung“. Spahn setzte noch einen drauf und kritisierte zudem die Bezeichnung „queer“, welche häufig als Oberbegriff für sexuelle Diversität verwendet wird. Er unterstrich: „Ich bin schwul, nicht queer“.
Spahn übt scharfe Kritik an gegenwärtiger Identitätspolitik
In dieser Vokabel erkenne er eine überflüssige Verbindung zu einer politischen Weltanschauung. Spahn übte scharfe Kritik an der gegenwärtigen Identitätspolitik, obgleich er sich persönlich als „sehr liberal“ beschrieb. Nach seiner Meinung sei die komplette Geschichte der Emanzipation gefährdet, falls alles, sogar das biologische Geschlecht, nur noch eine Sache der eigenen Definition wäre.

Matthias Miersch, Fraktionsvorsitzender der SPD, lebt in einer eingetragenen Partnerschaft. (Archivbild)
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Der Politiker der Union gab seiner Sorge Ausdruck, dass infolge dieser Tendenz mühsam errungene Frauenrechte wieder verloren gehen könnten. Er warf die herausfordernde Frage auf: „Wer sitzt eigentlich dann auf der Toilette – oder im Frauengefängnis?“.
Spahn ist seit 2017 mit Daniel Funke verheiratet und lebt mit ihm in Berlin. Die beiden gaben sich damals im Schloss Borbeck in Essen das Jawort, nachdem sie bereits mehrere Jahre liiert waren. Funke arbeitet als Journalist und begleitete Spahn über weite Strecken seiner politischen Karriere in der Hauptstadt. (jag)

