Der Europäische Gerichtshof hat ein Grundsatzurteil zu den Folgen eines Kirchenaustritts für kirchliche Beschäftigte gefällt.
Kirche als ArbeitgeberinDas EuGH-Urteil zum Austritt ist gut für Nicht-mehr-Katholiken


Hinweisschild im Standesamt München (Symbolbild)
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Es ist bezeichnend, dass die spürbarsten Veränderungen der Kirche in Deutschland zuletzt von der weltlichen Justiz vorangetrieben wurden. Jahrzehntelang hatten sich insbesondere die Arbeitsgerichte aus Streitigkeiten herausgehalten mit dem reflexartigen Hinweis, die Kirchen dürften ihre Angelegenheiten ja eigenständig regeln – Stichwort: Selbstbestimmungsrecht. Das hat sich zum Glück geändert. Nach höchstrichterlichen Urteilen kann die Kirche als Arbeitgeberin nicht mehr ins Privatleben ihrer Beschäftigten eingreifen und mit dem beruflichen Existenzverlust als Druckmittel ihre Sexualmoral oder ihre Vorstellungen von Ehe und Familie durchsetzen.
Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das im Kirchenaustritt einer Caritas-Mitarbeiterin keinen hinreichenden Kündigungsgrund erkennt, liegt auf dieser Linie. Natürlich kann man argumentieren, dass die Mitgliedschaft in der Kirche Teil der Loyalität ist, die ein „Tendenzbetrieb“ erwarten darf. Doch nach kirchlicher Lehre selbst gründet die Zugehörigkeit zur Kirche in der Taufe als einem unumkehrbaren Geschehen.
So gesehen können Katholiken oder Protestanten gar nicht aus der Gemeinschaft der Glaubenden „austreten“. Wohl aber kann man sich in Deutschland aus der Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts verabschieden und sich damit der Kirchensteuerpflicht entledigen. Dass das den Bischöfen missfällt, versteht sich. Sie haben deshalb – sogar gegen Bedenken Roms – ein weltweit einmaliges Sanktionsregime für den Kirchenaustritt etabliert.
Der EuGH pocht nun auf Gleichbehandlung. Wenn die Kirche Nicht-Katholiken beschäftige, dürfe sie Nicht-mehr-in-der-Kirche-Katholiken nicht anders behandeln, sprich: diskriminieren. Die theologische Pointe: Mit dem Austritt allein bekundet der Christ noch nicht die Trennung von der Kirche. Es kommt, anders gesagt, aufs Motiv an – und nicht aufs Geld.

