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Angriff trifft KindergartenMoskau attackiert Deutschland – und bekommt klare Antwort

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Ein Feuer lodert am Dienstagmorgen (3. Februar) in einem Wohnhaus in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw nach erneuten russischen Luftangriffen.

Ein Feuer lodert am Dienstagmorgen (3. Februar) in einem Wohnhaus in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw nach erneuten russischen Luftangriffen. 

Moskau unterstreicht seinen aggressiven Kurs mit Verbalattacken auf Deutschland und neuen Angriffen.

Dass der russische Außenminister Sergej Lawrow nicht gut auf Europa und insbesondere Deutschland zu sprechen ist, hat Moskaus Chefdiplomat seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine immer wieder belegt – und dabei immer wieder auf die Nazi-Zeit referenziert. Nun hat Lawrow Deutschland erneut attackiert – und der Bundesrepublik Rachegelüste unterstellt.

„Die deutsche Regierung hat aufgehört, den Fakt zu verstecken, dass sie unserem Land gegenüber von der Besessenheit getrieben wird, Revanche für frühere Niederlagen zu nehmen“, heißt es in einer am Montag veröffentlichten schriftlichen Mitteilung des russischen Außenministeriums im Nachgang der jährlichen Pressekonferenz von Minister Sergej Lawrow zu Jahresbeginn.

Sergej Lawrow droht Deutschland: „Legitime Ziele“

Teil dieses „Revanchismus“ sei die uneingeschränkte Unterstützung der Ukraine. Dort kämen 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs erneut massenhaft deutsche Waffen gegen russisches Gebiet zum Einsatz, beklagte das Außenamt in Moskau.

In Litauen sei die Bundeswehr bereits stationiert, hieß es weiter. Sollte Berlin dieses aber in der Ukraine versuchen, würden die Soldaten – wie andere ausländische Truppen auch – als „legitime Ziele“ bekämpft werden, drohte Moskau mit Blick auf die Diskussion um die Beteiligung Deutschlands an einer internationalen Sicherheitstruppe nach einem Kriegsende.

Johann Wadephul kontert: „Billiger Ablenkungsversuch“

Während Lawrows Verbalattacken – zuletzt hatte Moskaus dienstältester Minister Europa etwa „menschenverachtende Nazi-Methoden“ unterstellt – oftmals ohne Antwort bleiben, folgte dieses Mal ein Konter auf die Unterstellung des russischen Chefdiplomaten.

„Das ist ein billiger Ablenkungsversuch Russlands“, sagte Außenminister Johann Wadephul (CDU) bei einem Treffen mit seinem neuseeländischen Amtskollegen Winston Peters auf der neuseeländischen Nordinsel angesichts der Vorwürfe aus Moskau. Deutschland habe „überhaupt keine Probleme damit, die eigene Vergangenheit kritisch zu beleuchten“, fügte Wadephul hinzu.

Russland-Experte: „Abstoßende Vorstellung für Amerikaner“

Bereits zu Wochenbeginn hatte Lawrow unterdessen Moskaus feindlichen Kurs gegenüber Europa unterstrichen und behauptet, die europäischen Staaten versuchten, „einen Keil zwischen Moskau und Washington zu treiben“, da es in der US-Politik „eine gewisse Neigung zugunsten russischer Interessen“ gebe. Europa hingegen habe seine eigenen Interessen zugunsten der Ukraine aufgegeben und bereite sich auf einen Krieg gegen Russland vor, behauptete Lawrow weiter. 

Bei amerikanischen Russland-Experten sorgten die Aussagen unterdessen für Häme. „Ich weiß nicht, ob Lawrow sich bewusst ist, wie abstoßend die Vorstellung für Amerikaner ist“, schrieb etwa der Politikwissenschaftler Branislav Slantchev von der University of California auf der Plattform X, ehemals Twitter, und widersprach dem russischen Chefdiplomaten deutlich.

„Russische Strategie basiert darauf, die USA von Europa zu spalten“

„Die gesamte russische Strategie basiert darauf, die USA von Europa zu spalten“, erklärte Slantchev und äußerte auch an der US-Regierung scharfe Kritik. Washington agiere mittlerweile als „verlängerter Arm des Kremls, und das Einzige, was sie noch in Schach hält, sind der Kongress, die öffentliche Meinung und die Europäer, die endlich etwas von ihrem dringend benötigten Rückgrat gefunden haben“.

Während Moskau die Verbalattacken auf Europa nahezu täglich fortsetzt, lassen auch die Taten der russischen Streitkräfte keinen Friedenswillen erkennen. Die ukrainische Hauptstadt Kyjiw und die zweitgrößte Stadt Charkiw sind in der Nacht erneut zum Ziel russischer Raketen und Kampfdrohnen geworden. Die Agentur Ukrinform meldete mehrere Explosionen in der Metropole.

Russland attackiert erneut zivile Ziele: „Völkermörderische Angriffe“

Nach unbestätigten Medienberichten wurden zwei Wärmekraftwerke angegriffen. Später hieß es, es seien mehrere Wohngebäude in Kiew getroffen worden. Zudem sei ein Kindergarten in Brand geraten, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit. Zwei Menschen seien bei den Angriffen verletzt worden.

Auch der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha verurteilte die erneuten russischen Angriffe auf zivile Ziele. „Die Temperatur in der Ukraine liegt unter minus 20 Grad“, schrieb Sybiha am Dienstagmorgen bei X und warf Kremlchef Wladimir Putin brutales Kalkül vor.

Der russische Diktator habe „auf den Temperaturrückgang“ gewartet und „Drohnen und Raketen gehortet, um seine völkermörderischen Angriffe fortzusetzen“, schrieb Sybiha weiter und fügte hinzu: „Wir haben es mit Terroristen zu tun, die gezwungen werden müssen, die Gewalt einzustellen.“