Mopeds dürfen nur 45 Kilometer pro Stunde schnell sein. Wäre eine Anhebung sinnvoll, um riskante Überholmanöver zu vermeiden?
Debatte im NRW-LandtagWerden Mopeds sicherer, wenn sie Tempo 60 fahren dürfen?

Bei diesem Unfall in Kürten starb der Fahrer des Kleinkraftrads. (Archivbild)
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Jugendliche sind besonders gefährdet. In der Altersgruppe der 15- und 16-Jährigen ereignen sich laut Unfallstatistik sieben von zehn tödlichen Unfällen mit dem Moped. Oft ist das Fahrverhalten der Zweiradfahrer die Ursache, aber es gibt auch andere Gründe. Autofahrer sehen die Mopeds zum Teil zu spät, weil diese nur mit einem relativ geringen Tempo im fließenden Verkehr unterwegs sind. „Die aktuelle Begrenzung auf 45 Kilometer pro Stunde ist nicht mehr zeitgemäß und im Zweifel sogar gefährlich“, sagt Christof Rasche, Verkehrsexperte der FDP im Düsseldorfer Landtag. „Mit einer Anhebung auf 60 km/h könnten Kleinkrafträder deutlich gleichmäßiger im Verkehrsfluss mithalten“, erklärte der Vizepräsident des Düsseldorfer Landtags.
Ein Moped (kurz für Motorrad mit Pedalen) ist ein Kleinkraftrad mit maximal 50 Kubikzentimetern Hubraum. Es gilt als zulassungsfreies Fahrzeug, das ein kleines, jährlich wechselndes Versicherungskennzeichen benötigt, und darf in der Regel ab 15 oder 16 Jahren mit dem Führerschein Klasse AM gefahren werden. Mopeds dürfen in Deutschland seit dem 1. Januar 2002 nur noch maximal 45 km/h fahren, zuvor waren 50 km/h erlaubt.

Christof Rasche, Verkehrsexperte der FDP im Landtag, spricht während eines Parteitages.
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Diese Änderung basierte auf einer EU-Richtlinie, die eine einheitliche Höchstgeschwindigkeit für diese Fahrzeugklasse in der Europäischen Union festlegte. Dabei spielte offenbar eine Rolle, dass vor allem viele Roller in der 50-Kubikzentimeter-Klasse in Italien und Spanien hergestellt wurden. Die Motoren dort waren auf Höchsttempo 45 km/h ausgelegt.
Sonderregel für DDR-Mopeds
Die FDP weist darauf hin, dass Mopeds und Roller wegen ihrer geringen Geschwindigkeit oft „unter riskanten Bedingungen“ überholt würden. Hinzu komme „eine Schieflage“, die niemand verstehe: „Alte DDR-Mopeds in derselben Fahrzeugklasse dürfen 60 km/h fahren, während moderne, technisch sichere Roller ausgebremst werden. Das ist widersprüchlich und unfair“, kritisiert Rasche.
Bezahlbare und verlässliche Mobilität sei für viele Pendler in NRW unerlässlich, sagte der FDP‑Politiker. „Gerade für junge Menschen auf dem Weg zur Schule, zur Ausbildung oder zur Arbeit und für viele im ländlichen Raum sind Kleinkrafträder essenziell für eigenständige Fortbewegung“, betonte Rasche. Auch im Verkehr müssten die Regeln zur Realität passen. Für Mopedfahrer gilt die Pflicht, einen geeigneten Schutzhelm zu tragen.
Die Anhebung der Höchstgeschwindigkeit war im vergangenen Jahr bereits im Bund diskutiert worden. Allerdings hatte das Verkehrsministerium den Vorstoß mit dem pauschalen Hinweis auf geltendes EU-Recht beiseitegeschoben. Damit will sich der Verkehrsexperte nicht abfinden. NRW können auch „landesseitig etwas tun“, sagte Rasche. Ein wissenschaftlich begleitetes Modellprojekt könne etwa belastbar zeigen, ob 60 km/h den Verkehrsfluss verbessern und riskante Überholmanöver reduzieren würden. „So haben Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen auch beim Führerschein ab 17 den Vorstoß gemacht – gestartet als Modell, ist der Führerschein ab 17 jetzt dank des Erfolgs europaweit möglich“, erläuterte der Politiker aus Ostwestfalen.
Änderung der Führerscheinregelungen nötig
Auch der Industrie-Verband Motorrad Deutschland setzt sich für eine Neujustierung ein. „Mit 45 km/h werden Mopedfahrer auch innerorts zu rollenden Schikanen für Pkw, Lkw und auch Busse, was zu extrem gefährlichen Überholmanövern, oft auf engstem Raum, führt“, sagte Hauptgeschäftsführer Uwe Seitz. Dies sei zweifellos ein Nachteil für die Sicherheit der Moped- und Rollerfahrer.
Der Landtag hat den Antrag der FDP, Tempo 60 für Mopeds zu erlauben, an den Verkehrsausschuss überwiesen. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) zeigte sich skeptisch. Die Erhöhung der Geschwindigkeit führe nicht automatisch zu mehr Sicherheit, sagte der Politiker aus Düren. Bei einer Umsetzung der Pläne müssten auch die Führerscheinregelungen geändert werden.