Verdi legt Busse und Stadtbahnen in NRW für zwei Tage still, obwohl es seit dem ersten Warnstreik Mitte Januar gar keine Verhandlungen gab.
Kommentar zum Warnstreik im Nahverkehr in NRWDas Maß ist voll


Auf dem KVB-Betriebshof in Merheim werden wie auf diesem Bild vom 14. Januar auch am kommenden Freitag und Samstag wieder die Bahnen stillstehen. Foto: Arton Krasniqi
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Nein. Der dritte Warnstreik innerhalb von sechs Wochen bei der KVB und anderen kommunalen Verkehrsbetrieben in NRW ist keineswegs maßvoll, bloß weil Verdi so gnädig war, ihn auf Freitag und Samstag zu legen, um damit Berufspendler nicht vollends zu verärgern. Nein. Das Maß ist voll. Die zweite Verhandlungsrunde steht erst am Montag an. Und wie begründet Verdi den erneuten Ausstand? Man müsse den Druck erhöhen.
Den haben jetzt mal wieder die Pendler. Ja. Es soll tatsächlich noch Menschen in Köln und Nordrhein-Westfalen geben, die auch am Freitag und Samstag zur Arbeit fahren müssen und nicht im Homeoffice hocken können: in Kliniken, an Schulen, in Supermärkten, in Handwerksbetrieben. Die können jetzt sehen, wie sie zur Arbeit kommen. Die haben jetzt den Druck.
Was bei diesem Tarifstreit gern übersehen wird: In NRW geht es wie in den meisten anderen Bundesländern in diesem Tarifkonflikt nicht um mehr Geld. Da hat es erst im ersten Halbjahr 2025 eine Einigung gegeben. Diesmal geht es um bessere Arbeitsbedingungen wie kürzere Wochenarbeitszeit und Schichtzeiten, längere Ruhepausen, aber auch höhere Zuschläge für die Nacht- und Wochenendarbeit. Zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter wird aktuell nur in Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn verhandelt.
Das hält die Gewerkschaft aber nicht davon ab, bundesweit zu Warnstreiks aufzurufen, ohne vorab das Angebot der Arbeitgeber abzuwarten. Damit trifft Verdi in den Ballungsräumen von NRW Zehntausende Pendler, die jeden Tag wegen vieler Baustellen und Generalsanierungen schon geplagt genug sind. Und jetzt noch einen Warnstreik ertragen müssen, der zu diesem Zeitpunkt vollkommen unnötig ist.
