In Paderborn gab es deutlich mehr Missbrauchsfälle als gedacht – das ergab eine Studie. Nun bittet der Erzbischof um Verzeihung.
Katholische KircheErzbischof bittet nach Missbrauchsstudie um Verzeihung

Erzbischof Udo Markus Bentz hat nach der Veröffentlichung einer unabhängigen Missbrauchsstudie um Verzeihung gebeten. (Archivbild)
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Nach der Veröffentlichung einer Missbrauchsstudie hat der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz die Betroffenen um Verzeihung gebeten. „Es ist mir persönlich wichtig, um Verzeihung zu bitten im Namen der Kirche von Paderborn“, sagte der katholische Bischof bei einer Pressekonferenz. „Für das Leid, das Menschen im Raum unserer Kirche erfahren haben, für das Versagen von Verantwortlichen und für das zusätzliche Leid durch Schweigen, Wegsehen und Nichtglauben bitte ich um Verzeihung.“ Es gehe hier um „institutionelles Versagen“.
Der Sprecher der Betroffenenvertretung, Reinhold Harnisch, sagte, die Studie habe den von sexuellem Missbrauch Betroffenen ein Stück Würde zurückgegeben. „Diese Studie holt uns aus dem Dunkeln“, sagte er. „Die Studie belegt: Was wir gesagt haben, ist die Wahrheit. Und das, was andere gesagt haben, war eben nicht die Wahrheit.“ Er dankte Bentz für die Bitte um Verzeihung. „Es fällt sicherlich etwas leichter, den Verantwortlichen, die versagt haben, zu verzeihen, wenn sie das Unrecht einsehen.“ Bei den Tätern sei das Verzeihen schwieriger.
Opfer wurden von der Kirche unter Druck gesetzt
Eine am Donnerstag veröffentlichte Studie hatte ergeben, dass im Erzbistum Paderborn in den Jahren 1941 bis 2002 deutlich mehr Priester Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben als bisher bekannt. Demnach gibt es jetzt 210 Hinweise auf Beschuldigte, die 489 Kinder und Jugendliche missbraucht haben sollen. Zudem habe die Kirche versucht, die Fälle zu vertuschen und die Täter zu schützen, so die unabhängige Studie der Universität Paderborn. Die Kardinäle Lorenz Jaeger (1892-1975) und Johannes Joachim Degenhardt (1926-2002) hätten große Milde gegenüber den Priestern gezeigt, aber kein Verständnis für die Opfer, so die Autoren der Studie.
Harnisch berichtete bei der Pressekonferenz, wie ein Domchordirektor wegen Missbrauchs zwar zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt worden sei, daraufhin von Jaeger aber sofort einen tröstenden Brief bekommen habe. „Die Folgen des weltlichen Urteils werden wir für Sie bald beseitigt haben“, versprach der Erzbischof. Nach einer gewissen Abklingzeit dürfe er in die Seelsorge zurückkehren. „Das hat mich wirklich schockiert“, sagte Harnisch. (dpa)

